Benzinpreise steigen: Irans Öl-Embargo trifft auch die Schweiz
Aktualisiert

Benzinpreise steigenIrans Öl-Embargo trifft auch die Schweiz

Der Iran macht Ernst: Das Land hat die Sanktionen vorweggenommen und seine Öllieferungen nach Frankreich und England eingestellt. Die Schweizer Autofahrer spüren die Streitigkeiten direkt im Portemonnaie.

von
Alex Hämmerli
Der Iran hat einen Lieferstopp verhängt.

Der Iran hat einen Lieferstopp verhängt.

Der Importstopp ist beschlossene Sache: Ab Juli führen die Europäische Union und die USA kein Erdöl mehr aus dem Iran ein. Grund dafür ist der Konflikt um das dortige Atomprogramm: Dem viertgrössten Erdöl-Förderer der Welt wird vorgeworfen, heimlich den Bau von Atomwaffen voranzutreiben.

Nun kommt die Retourkutsche: Der Iran hat die Zügel in die Hand genommen und erste Ölexporte nach Europa eingestellt. Frankreich und Grossbritannien erhalten ab sofort keine Öllieferungen mehr, teilt das iranische Ölministerium mit. «Wir haben unsere eigenen Kunden und haben britische und französische Firmen durch andere ersetzt», so ein Sprecher.

Drohungen wahrgemacht

Die Vergeltungsmassnahme war angekündigt: Der iranische Ölminister Rostam Kassemi hatte erst kürzlich gewarnt, die Ölexporte in «feindliche» europäische Staaten zu stoppen. Es dürften also weitere Länder folgen. Nach Angaben der halbamtlichen Nachrichtenagentur «Mehr» stellte das iranische Ölministerium mehreren Raffinerien in Europa Ultimaten. Ihnen werde gedroht, dass kein Öl mehr geliefert werde, sofern keine Langzeitverträge über zwei bis fünf Jahre abgeschlossen würden. Am meisten iranisches Erdöl importieren in Europa derzeit Spanien, Italien und Griechenland.

Einem Bericht der «Financial Times Deutschland» zufolge will der Iran sein Öl nun anderweitig an den Mann bringen: Statt Europa wolle man ab April mehr Öl an Länder wie China oder Indien verkaufen, schreibt die Zeitung mit Berufung auf zwei Branchenexperten, die mit den Verhandlungen vertraut sind.

Angesichts der Streitereien um das iranische Atomprogramm steigen die Ölpreise hüben und drüben: Nach dem Stopp iranischer Erdölexporte nach Grossbritannien und Frankreich haben die Preise in Asien den höchsten Stand seit neun Monaten erreicht: In Singapur zahlte man pro Barrel (159 Liter) 105 Dollar. In London kostet die Sorte Brent 121 Dollar je Barrel. Zuletzt waren die Preise im Juni so hoch.

Das Benzin wird teurer

Das teure Öl hat direkten Einfluss auf die Preise an den Zapfsäulen. Laut Armin Heitzer von der Schweizer Erdölvereinigung kostet der Liter Bleifrei 95 an den Zapfsäulen mittlerweile um die 1.80 Franken. Im Januar waren es im Schnitt noch 1.73 Franken. «Die Benzinversorgung ist zwar sichergestellt», so Heitzer. «Zumindest kurzfristig werden wir aber kaum sinkende Benzinpreise sehen.» Zuletzt lagen die Spritpreise im Mai 2011 über 1.80 Franken. Der absolute Rekord liegt aber weiter zurück: Im Jahr 2008, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, erreichten die Benzinpreise im Juli den Höchststand von 1.97 Franken je Liter.

Der Preis für Superbenzin hat in Deutschland derweil einen neuen Rekordstand erreicht. Am Montag kostete der Liter E10 im Landesdurchschnitt 1.64 Euro und damit zwei Cent mehr als am Freitag. Die Benzinsorte E5 kostet über 1.67 Euro pro Liter, was ebenfalls einen historischen Höchststand bedeutet.

Iranische Öllieferungen nach Europa

Die EU kaufte bislang rund 18 Prozent des Iranischen Erdöls. In der ersten Jahreshälfte 2011 importierte Europa täglich 452 000 Barrels, wie Zahlen des US-Energieministeriums zeigen. Demnach importierte Frankreich bis vor kurzem 2 Prozent des iranischen Öls, Grossbritannien kam auf etwas unter 1 Prozent. Der Iran drohte kürzlich damit, die Strasse von Hormus zu sperren, durch die ein Fünftel der weltweiten Öltransporte geht. Die Schweiz bezieht seit längerem kein Erdöl aus dem Iran mehr.

IAEA im Iran

Vor dem Hintergrund der Spannungen wegen des iranischen Atomprogramms trafen heute Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Teheran ein. Es sollen Möglichkeiten für eine diplomatische Lösung des Konflikts ausgelotet werden. Zuvor machten Gerüchte um einen Militärschlag Israels auf iranische Atom-Anlagen die Runde. Es ist das zweite Mal binnen eines Monats, dass IAEA-Fachleute in den Iran reisten.

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