Prophetin Bachmann: «Irene war eine Botschaft Gottes»
Aktualisiert

Prophetin Bachmann«Irene war eine Botschaft Gottes»

In Gottes Namen: Der Wirbelsturm «Irene» sei ein Zeichen des Schöpfers an Washington, sagte Tea-Party-Kandidatin Michele Bachmann im Rahmen des Wahlkampfs. Die USA fragen sich: Meint die das ernst?

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ske

Die Tea Party liebt Michele Bachmann. Die Anwärterin für die republikanische Präsidentenkandidatur nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Doch jetzt könnte sie den Bogen überspannt haben: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida nannte sie Hurrikan «Irene» ein Zeichen Gottes an Washington.

«Ich weiss nicht, was Gott alles tun muss, um die Aufmerksamkeit der Politiker zu erregen. Wir hatten ein Erdbeben, wir hatten einen Hurrikan. Gott sagte: Wann beginnt ihr, mir zuzuhören?», rief sie ihren Anhängern zu, die ihre Sprüche mit Gelächter quittierten.

Alles nur Spass

Bachmanns Pressesprecherin beeilte sich am Montag, Bachmanns Satz als Witz abzutun, wie das US-Politjournal «Politico» schreibt. Sie habe sich bei ihrer Aussage nicht auf den Hurrikan «Irene» und auch nicht auf das Erdbeben bezogen, das vor wenigen Tagen die Ostküste der Vereinigten Staaten erschüttert hatte.

Angesichts der Tatsache, dass «Irene» bereits über 30 Menschen das Leben gekostet und Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar angerichtet hat, scheinen sich amerikanische Journalisten und Blogger nicht mehr sicher zu sein, ob Bachmanns Aussagen über die höhere Gewalt tatsächlich nur Spass gewesen seien, meint der «Spiegel».

Zu weit gegangen?

Brad Hirschfeld schreibt in einem Blogeintrag für die «Washington Post» denn auch, Bachmann sei einen «gefährlichen Schritt zu weit gegangen». Sie behaupte nicht nur, dass solche Naturereignisse eine Bedeutung sowie eine Absicht hätten und direkt von Gott kontrolliert würden. Sie bilde sich auch ein, dass sie selbst die Gedanken Gottes kenne und den Vereinigten Staaten sagen könne, was solche Ereignisse bedeuten würden. Das sei Prophezeiung – und soweit er wisse, nenne sich Michele Bachmann bislang noch keine Prophetin.

Das Polit-Magazin «Politico» erinnert derweil daran, dass Bachmann nicht die erste öffentliche Person sei, die einen Hurrikan als Botschaft Gottes verstehe. Der US-amerikanische Prediger und Tele-Evangelist John Hagee, der bislang mit seinen umstrittenen Ansichten zum Nationalsozialismus und zur Homosexualität aufgefallen war, hatte die Vermutung aufgestellt, New Orleans habe den Hurrikan «Katrina» mit einer Schwulenparade ausgelöst. Der konservative Fernsehprediger Pat Robertson hatte damals eine Verbindung zwischen «Katrina» und der Abtreibungsdebatte hergestellt. Dies sei nicht die klassische meteorologische Deutung, unkt «Politico».

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