«Monster-Tropensturm»: Irene wütet über New York
Aktualisiert

«Monster-Tropensturm»Irene wütet über New York

Das Zentrum des Tropensturms «Irene» hat New York erreicht. In New Jersey ist der Hurrikan zum zweiten Mal auf Land getroffen. Die Opferzahl ist auf elf gestiegen.

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amc/meg

Irene hat New York im Griff. Das Zentrum des gewaltigen Wirbelsturms erreichte gegen neun Uhr Ortszeit (15 Uhr MEZ) die Stadt. In der Stadt gab es erste Überschwemmungen, Hunderttausende Menschen waren ohne Strom. Dennoch war die Situation vorerst unter Kontrolle, grössere Schäden oder gar Tote wurden zunächst nicht gemeldet. Heftiger Regen peitschte aber schon seit Stunden über Manhattan.

In einigen Randbezirken hatte der Sturm bereits zuvor die Strassen überschwemmt. Die Stadtverwaltung erklärte, das Wasser ströme auf die Hauptstrassen von Rockaways, einer Halbinsel in Queens, deren Evakuierung Bürgermeister Michael Bloomberg angeordnet hatte. Auch auf Coney Island in Brooklyn standen Strassen unter Wasser. Im Hafen von New York erreichte das Wasser bereits die Bürgersteige.

Sandsäcke am Times Square

Die Behörden fürchteten besonders, dass Meerwasser Teile der Stadt überspülen könnte. Betroffen wäre davon vor allem Lower Manhattan. Dort könnte das Wasser in das Labyrinth unterirdischer Gewölbe eindringen, durch die Leitungen verlaufen. Damit wären tausende Haushalte und Büros in der Finanzmetropole ohne Strom. Die Behörden befürchteten, das Wasser könnte die Wall Street, die Baustelle am Ground Zero und die Wohnanlagen in Battery Park City überschwemmen. Meterhohe Wellen könnten auch die Promenade am Hudson überspülen.

Am Times Square waren die Schaufenster mit Brettern vernagelt, Sandsäcke sollten das Wasser aus den Geschäften fernhalten. Für die Stadtteile Brooklyn und Queens wurde kurzzeitig eine Tornado-Warnung herausgegeben.

Zuggeschwindigkeit erhöht

Der Hurrikan wurde zwischenzeitlich wegen schwächerer Winde zu einem Tropensturm herabgestuft. «Die Auswirkungen ändern sich mit der Herabstufung nicht», warnte der Chef des Zentrums, Bill Read, im US-Sender CNN. Der Wind sei nach wie vor stark, es regne noch immer und der Sturm drücke weiter Wasser an die Küste. Die Wellen erreichten eine Höhe von bis zu 2,50 Meter

«Irene» hat die Zuggeschwindigkeit auf seinem Weg in Richtung New York erhöht. Der Sturm bewegte sich am Vormittag mit 40 Kilometern pro Stunde in nord-nordöstliche Richtung, wie das nationale Hurrikanzentrum im Miami erklärte. Der Tropensturm erreichte bei Coney Island im Staat New York das Land mit Spitzengeschwindigkeiten von 104 Kilometern pro Stunde.

Irene trifft auf New Jersey

Zuvor ist «Irene» auf seinem Weg entlang der US-Ostküste ein zweites Mal auf das Festland getroffen. Am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) traf «Irene» mit Windgeschwindigkeiten von 120 Stundenkilometern Atlantic City im Bundesstaat New Jersey.

Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami teilte mit, das Auge des Wirbelsturms sei um 5.35 Uhr mit Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometer pro Stunde über Little Egg Inlet hinweggezogen.

Damit war «Irene» weiterhin ein Wirbelsturm der niedrigsten Kategorie 1, galt aber dennoch als sehr gefährlich. Der Hurrikan bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde in nord-nordöstliche Richtung. Von New York City war «Irene» noch 160 Kilometer entfernt.

New York vom Hurrikan erfasst

Der Hurrikan «Irene» hat am Samstagabend (Ortszeit) New York erreicht. Bürgermeister Michael Bloomberg sagte in der Nacht zum Sonntag, es sei nicht länger sicher, sich draussen aufzuhalten. Das Wetter werde tückisch und alle in der Evakuierungszone sollten an Ort und Stelle bleiben.

«Die Zeit für Evakuierung ist vorbei. Alle müssen jetzt nach drinnen gehen und dortbleiben», sagte er. Die Stadt hatte mehr als 370 000 Bewohner niedrig gelegener Gebiete aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es war die erste Evakuierungsanordnung in der Geschichte New Yorks.

Viele New Yorker nahmen die Situation gelassen. Einige verabredeten sich zu Hurrikan- oder Whirlpool-Parties. «Wir haben schon Wein und Bier, jetzt holen wir den Wodka», sagte ein Videokünstler, der mit seiner Freundin in einem Spirituosenladen nahe des Central Parks einkaufte.

Behördenvertreter befürchteten, dass die Fenster von Wolkenkratzern bei erwarteten Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 Stundenkilometern bersten könnten.

Von Bäumen erschlagen

In seinen ersten zwölf Stunden nach dem Auftreffen auf Land in den USA sind dem Wirbelsturm nach Angaben von CNN schon neun Menschen zum Opfer gefallen. Als neuntes Opfer meldete der TV-Sender am Samstagabend (Ortszeit) einen Mann, der im Chesterfield County in Virginia in seinem eigenen Haus von einem Baum erschlagen wurde. Im Staat Virginia wurden durch umstürzende Bäume ein elfjähriger Junge und der Insasse eines Autos getötet. Insgesamt sollen bislang mindestens zwei Kinder getötet worden sein. Die Zahl der Opfer stieg am Nachmittag (Ortszeit) weiter auf elf.

Zuvor traf der Hurrikan bereits auf einige Küstenstädte. Es kam zu ersten Überschwemmungen. Riesige Wellen schlugen bis über die Ufer hinaus und erreichten Wohnhäuser und Hotels. In vielen Regionen kam es zu heftigem Regen. In sechs Bundesstaaten wurde der Notstand ausgerufen.

«Wartet nicht, zögert nicht»

Als Vorsichtsmassnahme wegen des herannahenden Hurrikans haben die Behörden in New York am Samstag mit der Einstellung des öffentlichen Nahverkehrs begonnen. Am Mittag (Ortszeit) begannen Busse und U-Bahnen mit ihrer letzten planmässigen Fahrt. Mittlerweile steht alles komplett still. Es ist das erste Mal, dass der Nahverkehr in der Metropole wegen einer Naturkatastrophe eingestellt wird. Die Anordnung gilt bis mindestens Montag.

Bloomberg räumte ein, die Evakuierung der gefährdeten Gebiete nicht erzwingen zu können. Die Stadt habe nicht die Mittel, im Notfall alle zu evakuieren. «Niemand wird eine Strafe zahlen müssen», sagte er. «Aber wenn Sie sich nicht daran halten, werden möglicherweise Menschen sterben.»

«Wartet nicht, zögert nicht», sagte auch US-Präsident Barack Obama, der seinen Urlaub um einen Tag verkürzte und am Freitagabend nach Washington zurückkehrte. Am Samstag besuchte er die Einsatzzentrale der Katastrophenschutzbehörde FEMA.

Gefahr trotz Abschwächung geblieben

«Irene» hatte sich in der Nacht zum Samstag auf einen Hurrikan der Kategorie 1 abgeschwächt. Das Nationale Hurrikan-Zentrum in Miami erklärte, entscheidend seien aber nicht die maximalen Windgeschwindigkeiten, sondern vielmehr die Grösse und die Dauer des Sturms

«Irene» ist der erste schwere Sturm der Hurrikan-Saison im Atlantik. Der Nordosten der Vereinigten Staaten ist seit Jahrzehnten von schweren Hurrikanen verschont geblieben. Der bislang letzte schwere Wirbelsturm, der in der Region New York wütete, war «Gloria» im Jahr 1985.

Stimmen zum Hurrikan:

Impressionen aus North Carolina:

Impressionen aus New York:

(Videos: YouTube) (amc/meg/sda/dapd)

Schwere Schäden auf Bahamas

Auf seinem Weg durch die Karibik hatte «Irene» auf mehreren Bahamas-Inseln schwere Schäden angerichtet. Das auf die Berechnung von Sturmschäden spezialisierte US-Unternehmen Kinetic Analysis Corp. bezifferte die möglichen Schäden auf Basis von Computermodelle auf zwischen fünf und zehn Milliarden Dollar. Zu den angenommenen Schäden zählen unter anderem Überflutungen von Häusern, Produktionsausfälle und Säuberungskosten.

Swiss streicht Flüge nach New York

Fluggesellschaften strichen wegen «Irene» mehr als 8300 Flüge für das Wochenende und verlegen Maschinen in andere Regionen. Die Swiss annullierte für Samstag und Sonntag die Flüge nach New York und für Sonntag auch die Verbindung nach Boston. Insgesamt fielen fünf Flüge ab Genf und Zürich und auch die Rückflüge aus. Die Lufthansa annullierte vier geplante Flüge von Frankfurt zu den New Yorker Flughäfen JFK und Newark. Auch in München, Hamburg und Berlin wurden Flüge in die USA gestrichen.

Die Eisenbahngesellschaft Amtrak kündigte an, ihren Fahrplan für den Nordosten des Landes am Samstag einzuschränken und für Sonntag alle Züge von Washington nach Boston zu streichen. (sda/ap)

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