Aktualisiert 30.03.2014 14:44

Halbtax wird teurer«Irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht»

Benutzer des öffentlichen Verkehrs müssen im Dezember mit Tarifaufschlägen rechnen, dieser Ansicht ist der VöV. Dagegen regt sich Widerstand.

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ale/num
«Eine generelle Nullrunde ist sehr unwahrscheinlich», erklärt VöV-Direktor Ueli Stückelberger.

«Eine generelle Nullrunde ist sehr unwahrscheinlich», erklärt VöV-Direktor Ueli Stückelberger.

SBB-Chef Andreas Meyer liess diese Woche in mehreren Interviews offen, ob es im Dezember zu einem Tarifaufschlag kommt. Doch über die Preise entscheidet nicht allein die SBB, sondern die im Verband öffentlicher Verkehr (VöV) zusammengeschlossenen Transportbetriebe. Und im Verband scheint klar: Preiserhöhungen sind unumgänglich.

«Eine generelle Nullrunde ist sehr unwahrscheinlich», erklärt VöV-Direktor Ueli Stückelberger gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Angesetzt werden soll insbesondere bei den Abonnements. Das Halbtax-Abo kostet zurzeit 175 Franken für ein Jahr. Statt seltener, dafür happiger Aufschläge, wie in der Vergangenheit üblich, soll es künftig regelmässige, dafür weniger starke Erhöhungen geben. Ein Preisanstieg auf 185 oder gar 195 Franken scheint wahrscheinlich – entschieden wird im VöV bereits Ende April. Direktor Stückelberger sagt dazu nur: «Eine Preiserhöhung beim Halbtax ist kein Tabu.»

Zu erwarten ist eine Preiserhöhung auch beim Generalabo, von dem 441'000 im Umlauf sind und das für die zweite Klasse zurzeit 3'550 Franken kostet. Um den öV attraktiver zu machen, ist zudem eine neue Ticketform in Planung: Das «saisonale Billett» soll eingeführt werden: «Die Fahrt aufs Jungfraujoch ist dann nicht mehr zu jeder Jahreszeit gleich teuer», so Stückelberger. Weitere Details will der VöV noch nicht verraten.

«Ziemlich happig»

SP-Nationalrätin Evi Allemann sitzt in der nationalrätlichen Verkehrskommission und registriert den erneuten Aufschlag mit einem Stirnrunzeln. Es sei klar, dass es den ÖV nicht zum Nulltarif gebe. Doch die letzte Tranche der Tariferhöhung habe 2013 mit rund fünf Prozent stattgefunden und die nächste folge 2017 um etwa zwei bis drei Prozent. «Das war bekannt. Aber dass dazwischen nun auch eine Abopreis-Erhöhung anstehen soll, finde ich ziemlich happig.»

Irgendwann sei die Schmerzgrenze bei den ÖV-Preisen erreicht. «Dann kippts und Leute steigen wieder vermehrt aufs Auto um.» Allemann ist der Meinung, dass der VöV derzeit von zusätzlichen Preismassnahmen absehen sollte. «Diese ständigen Diskussionen um die Billettpreise sorgen für Missstimmung und sind schädlich fürs Image der Bahn.»

«Es braucht das GA light»

Kurt Schreiber, Präsident von Pro Bahn Schweiz, begrüsst regelmässige, dafür schwache Aufschläge: «Tariferhöhungen müssen mit Augenmass erfolgen, sozusagen in homöopathischen Dosierungen.» Und sie sollten unter der Teuerung liegen.

Dass die SBB nicht um Preiserhöhungen herumkämen, sei unbestritten. Generell müssten die SBB ihre Auslastung verbessern. Dies könne nur mit Spezialbilletten geschehen, um auch die halbleeren Züge in den Randzeiten zu füllen.

Dass das GA dereinst 4000 Franken koste, sei durchaus möglich. Kurt Schreiber sagt: «Aber dann braucht es unbedingt ein GA light, welches zum Beispiel für 100 Fahrten gültig wäre.»

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