FC Zürich Mitbesitzerin Helena Canepa im Interview
Aktualisiert

Mächtigste Frau im Schweizer Fussball«Irgendwann werden wir uns zurückziehen und den FCZ verkaufen»

Sie spricht über Frauenfussball in der Schweiz, wie sie ihren Mann, Ancillo, kennenlernte und ob sie bei Transfers ein Wörtchen mitzureden hat: Heliane Canepa, Mitbesitzerin des FC Zürich, verrät in einem Interview viel Persönliches.

von
Nils Hänggi
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«Heute müssen die Frauen einer Vollzeitarbeit nachgehen, ihre gesamten Ferien opfern oder auch unbezahlten Urlaub nehmen», so Heliane Canepa.

«Heute müssen die Frauen einer Vollzeitarbeit nachgehen, ihre gesamten Ferien opfern oder auch unbezahlten Urlaub nehmen», so Heliane Canepa.

Martin Meienberger/freshfocus
Im Interview mit «Sportlerin» spricht die mächtigste Frau über Fussball, Frauensport und darüber, wie sie Ancillo kennengelernt hat.

Im Interview mit «Sportlerin» spricht die mächtigste Frau über Fussball, Frauensport und darüber, wie sie Ancillo kennengelernt hat.

Screenshot Sportlerin
Sie sagt: ««Er war fünf Jahre jünger als ich, er war 20, das war eine Katastrophe damals, eine Todsünde fast schon. Cillo liess nicht locker, er wischte alle Bedenken weg, schrieb mir seitenlange Briefe.»

Sie sagt: ««Er war fünf Jahre jünger als ich, er war 20, das war eine Katastrophe damals, eine Todsünde fast schon. Cillo liess nicht locker, er wischte alle Bedenken weg, schrieb mir seitenlange Briefe.»

Andy Mueller/freshfocus

Darum gehts

  • Heliane Canepa hat in ihrem Leben schon viel erlebt.

  • Die Mitbesitzerin des FC Zürich spricht in einem grossen Interview mit dem Magazin «Sportlerin» über die Liebe und den Club.

  • Auch verrät sie, ob sie bei Transfers ein Wörtchen mitredet.

Heliane Canepa ist die mächtigste Frau im Schweizer Fussball. Die 73-Jährige ist nicht nur Mitbesitzerin des FC Zürich, sondern auch grosse Förderin der Frauenabteilung. Nun spricht Canepa ganz offen – und ehrlich. In einem grossen Interview mit dem Schweizer Frauen-Sportmagazin «Sportlerin» redet die 73-Jährige über Fussball, ihre Fussball-Begeisterung, Männer in der Sportart und über ihren Umgang mit Machos.

Das meint Heliane Canepa …

… über ihren Kampf für Gleichberechtigung im Schweizer Frauensport

«Im Fussball hinken wir hinterher. Skifahrerinnen und Tennisspielerinnen sind etablierter, weil sie seit Jahrzehnten am TV gezeigt werden. Aber es geht vorwärts. Ich schaue den Frauen gerne beim Fussball zu. Damit die Spielerinnen aber auch wie Profis trainieren und sich angemessen erholen können, müsste man viel mehr Einnahmen zur Finanzierung des Spielbetriebs generieren. Heute müssen die Frauen einer Vollzeitarbeit nachgehen, ihre gesamten Ferien opfern oder auch unbezahlten Urlaub nehmen.»

… über ihre eigenen Erfahrungen in Sachen Gleichberechtigung

«Ich wuchs in Götzis in einem kleinen österreichischen Provinzdorf auf, in einem sehr katholischen Umfeld. Es war nicht normal, als Frau Karriere zu machen. Die Idee war: Mann kennen lernen, Einfamilienhaus, Familie, Kinder, Haushalt. Alle machten das damals so, meine drei Schwestern auch und die Mitschülerinnen. (…) Meine Mutter durfte nicht auswärts arbeiten, so etwas wollte ich unbedingt vermeiden. Darum war für mich klar: Keine Heirat, lieber zur Ausbildung nach England und Frankreich gehen. Und das setzte ich dann ja auch um.»

Beim 6:2-Spektakel gegen den FC Sion trifft Assan Ceesay gleich vier Mal.

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… über das Kennenlernen mit Ancillo Canepa

«Er war fünf Jahre jünger als ich, er war 20, das war eine Katastrophe damals, eine Todsünde fast schon. Cillo liess nicht locker, er wischte alle Bedenken weg, schrieb mir seitenlange Briefe, und natürlich hatte ich auch starke Gefühle entwickelt, die ich nicht mehr ignorieren konnte. Mir gefiel seine Geradlinigkeit, für einen 20-Jährigen war er bemerkenswert strukturiert. Und er machte auch keine Rechtschreibfehler, das hätte ich nicht ertragen. Ich suchte die ganze Zeit nach Sachen, die mich stören könnten, aber ich fand nichts. Für die Eltern war es auch schwierig, weil so eine Beziehung nicht in ihrem Sinn war. (…) Vielleicht war es eine verbotene Liebe. Auf jeden Fall stellte ich Cillo dann irgendwann meinen Eltern in Götzis vor. Er war so humorvoll und vorlaut, das erleichterte die Sache auch nicht gerade.»

… auf die Frage, ob sie eine Feministin ist

«Ich war und bin eine Feministin im Herzen. Aber ich ging nie auf die Strasse, um für die Rechte der Frauen zu demonstrieren, weil ich es ein falsches Bild finde, wenn sich Frauen als Opfer darstellen. Das haben wir nicht nötig. Die MeToo-Debatte war aber überfällig, weil sich nicht alle gleich gut gegen Ungerechtigkeiten und Übergriffe verteidigen können.»

… zu ihrer Liebe zu Sport

«Ich war aber nie ein Sportfreak. Sport bedeutet für mich immer auch Spass. Man muss sich wohlfühlen. Als wir die Bodenfarbe für das neue FCZ-Trainingszentrum auswählten, wollte man Blau wählen. Ich aber setzte Pink durch. Auch Krafttraining muss Freude machen, und Pink ist knallig, es regt an, das gefällt mir.»

… zu ihrer Vision für den FC Zürich

«Wir sind fit, wir sind offen für neue Projekte, als Nächstes muss endlich das Stadion in Zürich gebaut werden. Es ist ein Trauerspiel, wie lange das dauert. Und die Digitalisierung ist zentral, vieles, was läuft, passt mir und hält mich jung. Die Entwicklung im Fussball ist rasant, das beobachte ich mit grossem Interesse. (…) Aber klar: Irgendwann werden wir uns zurückziehen und den Verein verkaufen, wobei wir ihn sicher nicht irgendwo ins Ausland verschachern werden.»

… auf die Frage, ob sie bei Transfers mitredet

«Wenn es zum persönlichen Gespräch mit dem Spieler kommt, kann ich meine Erfahrung als ehemalige Unternehmenschefin einbringen. Ich habe in meinen Jobs sehr viele Leute eingestellt, ich habe da ein sehr gutes Gespür entwickelt. Wie die Spieler einen anschauen, wie sie reden, wie ihr Händedruck ist, ob sie den Blick standhalten. Fussball spielen können sie alle, aber auch der Charakter, die Lebenseinstellung, der private Hintergrund müssen zum FCZ passen.»

Das erste Frauen-Sportmagazin

Auf jeweils rund 100 Seiten präsentiert die Zeitschrift «Sportlerin», das erste Schweizer Frauen-Sportmagazin, alle drei Monate Athletinnen aus dem Spitzensport sowie aus dem Breitensport, aber auch Trainerinnen, Funktionärinnen sowie andere interessante Frauen aus der Sportwelt.
Ins Leben gerufen wurde Sportlerin von Redaktionsleiter Fabian Ruch, Layouter Leander Strupler und Sponsoringexperte Roman Grünig. Ruch arbeitete lange für Tamedia und schreibt journalistisch mittlerweile bei der NZZ über Fussball.

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