Aktualisiert 07.11.2013 06:38

Marco Streller

«Irgendwie ist der Wurm drin»

Giovanni Sio rettet mit seinem Lastminute-Tor dem FCB ein 1:1 gegen Steaua Bukarest und die Aussicht auf einen Frühling im Europacup. Marco Streller spricht aber von Rückschritt.

von
Eva Tedesco

Der Treffer in der Nachspielzeit konnte zwar das schlechte Spiel der Basler nicht besser machen, aber er verbesserte die Ausgangslage massiv: Der FCB liegt mit fünf Punkten nur noch einen Zähler hinter Schalke (6), aber drei Punkte vor Steaua (2). Das bedeutet, das Rotblau der dritte Platz in der Gruppe E fast nicht mehr zu nehmen und das Überwintern zumindest in der Europa League (fast) in trockenen Tüchern ist.

«Aber wir haben im Vorfeld der Kampagne gesagt, dass wir den zweiten Platz und in die Achtelfinals der Champions League wollen. Von dem her ist das Remis ein Rückschritt gewesen», sagt Marco Streller. Der FCB-Captain weiter: «Sie waren besser und wir schlechter, als in Bukarest. Sie hätten den Sieg verdient gehabt. Wir machen zwar wie in Aarau spät den Ausgleich, aber mit der Leistung können wir nicht zufrieden sein. Wir waren offensiv aufgestellt, und deshalb sind wir Spieler verantwortlich und nicht der Trainer. Aber irgendwie ist der Wurm drin.»

Brotlose Kunst

Unverständlich, wie wenig inspiriert der FCB in so einem wichtigen Spiel auftrat. Wie wenig Biss er zeigte, obwohl kaum ein Spieler im rotblauen Team wirklich viel Lust auf die Europa League hat. Es war grausam zuzuschauen, wie ideenlos die Profis agierten. Dabei sagte Valentin Stocker vor dem Spiel noch: «Es ist ein unbeschreibliches Gefühl bei den Besten mitzuspielen und das wollen wir so lange wie möglich auskosten.» Das versuchten auch einige Besucher im Joggeli - auszuharren.

Einigen lag die brotlose Kunst aber wohl schwerer auf dem Magen, als die neue Stadion-Wurst. Ein älterer Herr verliess nach 80 Minuten seinen Sitz auf der Haupttribüne. «Grausam. Das tue ich mir nicht mehr an», schimpfte er und zerriss demonstrativ sein Ticket. «Das hat sich nicht gelohnt», sagte er zum Steward und verschwand. Nur - wäre er bis zum Schluss geblieben, hätte er für sein Geld wenigstens den Ausgleich durch Giovanni Sio (91.) gesehen.

Der Joker sticht

Dass ausgerechnet sein Joker stach, wird Trainer Murat Yakin gefreut haben, war er doch vor zwei Wochen für seine taktischen Wechsel heftig kritisiert worden. Widersprüchliche Aussagen nach dem 1:1 in Bukarest und zwei Unentschieden (FCZ und Aarau) in der Liga waren der Auslöser für «atmosphärische Störungen», wie sie teils Spieler und die Vereinsleitung nicht bestreiten. Diesmal sollte Yakin mit seiner Disposition wieder recht behalten.

«Wenn man nicht gewinnt, ist klar, dass solche Diskussionen aufkommen. Man versucht immer alles, aber es gibt Tage, wo es eben nicht aufgeht», sagt Streller. «Aber es war kein attraktives Spiel von uns. Auch für die Zuschauer nicht, dessen sind wir uns bewusst. Natürlich helfen Siege, dass die Unruhe weggeht. Aber jetzt müssen wir das Cupspiel gewinnen am Sonntag, sonst wird die Unruhe grösser. Danach müssen wir schauen, dass wir in der Nati-Pause unsere Kräfte sammeln, damit wir in den letzten ein, zwei Monaten in der Vorrunde Vollgas geben können.»

Streller weiss, dass es gut kommt

Das vierte Remis in Folge und lediglich drei Tore in diesen vier Partien förderte einiges an Unmut an die Oberfläche. Hat der Captain ein Gegenmittel, um seine Mannschaft wieder in den Griff zu bekommen? «Nicht die Nerven verlieren, das ist das Entscheidende. Ich weiss, dass es wieder gut kommt. Wir sind ja nicht Vierter in der Meisterschaft und in der Champions League chancenlos. Wir sind überall dabei und müssen schauen, dass die Unruhe die im Team – oder ums Team herum – herrscht, nicht in die Mannschaft kommt.»

Kann ein Signal seitens der Klubleitung helfen? «Ich glaube, dass sie klar kommuniziert haben, was sie machen und es steht nicht in meiner Macht, was da passiert. Ich glaube, dass sie zusammen diskutiert haben, dass sie über eine Vertragsverlängerung mit dem Trainer im Dezember reden und das lassen wir mal so stehen. Wir sind Angestellte des Vereins, sowohl der Trainer als auch wir, und wir haben Leistung zu erbringen.»

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