Fusion: Irland plant die Sensation
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FusionIrland plant die Sensation

Beim Brexit wird gestritten, im Fussball ist man sich einig –Nordirland und Irland machen gemeinsame Sache.

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boq
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Zu wenig Zuschauer
Zu wenig Zuschauer

Aufgrund mangelnden Zuschauerinteresses fehlt vielen Clubs das Geld in der Kasse. Im Bild: Ein Freundschaftsspiel zwischen Glentoran und Manchester United in Belfast (2007).

Keystone/Michael Cooper
Die Fans hoffen...
Die Fans hoffen...

Nordirische Fans bejubeln ihr Nationalteam an der EM 2016 gegen Polen.

Keystone/Peter Powell
Politische Ressentiments
Politische Ressentiments

Eine gemeinsame Liga soll trotz politischer Spannung zwischen der Republik Irland und Nordirland entstehen. Im Bild: Ein Anti-EU-Graffito ziert die Strassen von Belfast.

Keystone/Peter Morrison

Die Grenze quer durch die Insel Irland ist spannungsgeladen, seit mehr als einem Jahrhundert schon. Sie trennt den katholischen Süden vom protestantischen Norden, und vor allem Belfast, die Hauptstadt im Norden, war bis vor zwei Jahrzehnten Schauplatz des letzten Bürgerkriegs in Westeuropa. Derzeit ist die Grenze wieder Streitobjekt: im zähen Ringen um den Brexit.

Auch im Sport sorgte die geteilte Insel immer wieder für Unruhe – ein letzter Eklat ist noch gar nicht lange her. Vor drei Jahren wurde beim Spiel zwischen dem erzprotestantisch geprägten FC Linfield und Glentoran Belfast vor dem Anpfiff das alte Hetzlied «The Billy Boys» gespielt, in dem die Unterdrückung der katholisch-geprägten Iren durch die Besatzungsmacht Grossbritannien bejubelt wird.

Der irische Fussball in der Krise

Doch trotz dieser Vorkommnisse – und trotz Brexit – soll im Fussball nun eine gesamtirische Liga entstehen: die All-Island League. Eine Idee, die allerdings weniger politisch motiviert als vielmehr ökonomischen Gründen geschuldet ist. Denn die Zeit des florierenden Clubfussballs in Irland ist längst vorbei. Auch kommen die Zuschauer nicht mehr zu Zehntausenden ins Stadion, der Schnitt in der nordirischen Liga beträgt noch 2000. In der Republik Irland ist die Situation kaum besser. Weder auf der einen noch auf der anderen Seite der Grenze besteht eine Profiliga.

Zu dieser Entwicklung trug die moderne Fussballwelt bei, in der die Wettbewerbsfähigkeit für kleinere Ligen sich als immer schwieriger gestaltet. Durch eine transirische Fusion wollen die Clubs den sportlichen Erfolg bei internationalen Wettbewerben vorantreiben und damit das Fussballgeschäft finanziell wieder profitabel machen. Der Internet-Streamer DAZN soll bereits sein Interesse an den Übertragungsrechten bekundet haben.

Die Verbände sind sich uneinig

Der irische Geschäftsmann Kieran Lucid ist der führende Kopf dieser gesamtirischen Idee. Am Donnerstag hat er sich mit Vertretern führender nordirischer und irischer Traditionsclubs in Dundalk getroffen – schon zwei Jahre zuvor hatte Lucid versucht, die Vereinsbosse der Clubs vom Projekt zu überzeugen. «Wir haben sie gebeten, sich an dem Prozess zu beteiligen und uns auf dem Weg zu begleiten, um das Konzept in ein greifbares, gut finanziertes und einzigartiges Modell zu verwandeln», so Lucid nach dem Treffen. Die Clubs seien laut Projektbeteiligten von der Idee begeistert gewesen.

In der neuen All Island League sollen die 14 besten Teams von der Insel gegeneinander antreten. Wie die «Sunday Times» berichtet, hat der irische Fussballverband schon grünes Licht gegeben. Hingegen hat Nordirland gegen das Projekt aus Gründen der Wahrung seiner Unabhängigkeit noch Vorbehalte. Dass das gesamtirische Modell funktionieren könnte, hat Rugby schon bewiesen: Trotz Jahrzehnten des Bürgerkriegs geniesst die vereinigte Rugby-Nationalmannschaft auf der gesamten Insel grosse Popularität.

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