Läster-Ratgeber: «Ironie verstehen Schweizer nicht»
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Läster-Ratgeber«Ironie verstehen Schweizer nicht»

Humorlos, stur und schwer von Begriff: Ein neuer Ratgeber für Deutsche zeichnet ein trauriges Bild von den Schweizern. Selbst Deutsche sind empört.

Im neuen Ratgeber «Alltag in der Schweiz» erläutert der Deutsche Dr. Michael Kühntopf seinen Landsleuten Verhaltenstipps für ein «harmonisch-kollisionsfreies Überleben» in der Schweiz. Doch mit dem, was der Autor dabei von sich gibt, ist er zum Teil voll auf Kollisionskurs. So seien Schweizer deutlich humorloser als Deutsche oder Österreicher. «Schweizer scherzen nicht und verstehen keinen Scherz, sondern nehmen alles ernst, was sie sagen», schreibt Kühntopf. Sie «machen keine Komplimente und mögen auch keine». Und Ironie verstünden die Schweizer schon gar nicht.

Kühntopf, der mit seiner Familie im Aargau lebt, will 2005 einen Kulturschock erlitten haben. Besonders schmerzlich hat er offenbar Einladungen zum Essen empfunden: Es sei «sehr lästig» und «entwürdigend», dass man als Gast die Schuhe ausziehen müsse. Und bei jedem Anstossen mit den Weingläsern sei es unerlässlich, dem Gegenüber in die Augen zu schauen. Wer das nicht beherzige, werde als schwacher oder unehrlicher Charakter angesehen.

Der Aargauer FDP-Nationalrat Philipp Müller hält sein Urteil knapp: «Das ist doch Stuss! Solche Verallgemeinerungen sind unnütz.» Auch der seit zehn Jahren in der Schweiz lebende Deutsche Jens-Rainer Wiese reagiert kritisch: «Wer sich sen­sibel und mit offenen Augen durch die Schweiz bewegt, braucht keine Kurse oder Bücher.»

Und der deutsche Botschafter Axel Berg kann das Bild der humorlosen Schweizer gar nicht bestätigen: «Am Humor der Schweizer durfte ich mich schon oft erfreuen!»

(20 Minuten)

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