Prozess in Frankfurt – IS-Anhänger (29) liess Mädchen verdursten – lebenslange Haft
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Prozess in FrankfurtIS-Anhänger (29) liess Mädchen verdursten – lebenslange Haft

In Frankfurt am Main wurde heute das Urteil gegen einen 29-jährigen Jihadisten gefällt. 2015 liess der Extremist ein fünfjähriges Mädchen in der Sonne verdursten.

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Der IS-Anhänger Taha Al-J. wurde vom Oberlandesgericht Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt. 

Der IS-Anhänger Taha Al-J. wurde vom Oberlandesgericht Frankfurt zu lebenslanger Haft verurteilt.

dpa/Frank Rumpenhorst
Der 29-Jährige wurde wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Todesfolgen schuldig gesprochen.

Der 29-Jährige wurde wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Todesfolgen schuldig gesprochen.

dpa/Frank Rumpenhorst
Al-J. hatte zusammen mit seiner Ehefrau  ein jesidisches Mädchen im Herrschaftsgebiet des IS in Syrien als Sklavin gehalten und bei grosser Hitze verdursten lassen. (im Bild: ein jesidisches Mädchen im Flüchtlingscamp Shikhan, Irak 2015) 

Al-J. hatte zusammen mit seiner Ehefrau ein jesidisches Mädchen im Herrschaftsgebiet des IS in Syrien als Sklavin gehalten und bei grosser Hitze verdursten lassen. (im Bild: ein jesidisches Mädchen im Flüchtlingscamp Shikhan, Irak 2015)

REUTERS

Darum gehts

  • Das Oberlandesgericht in Frankfurt hat sein Urteil gegen den IS-Anhänger Taha Al-J. gefällt.

  • Der Ehemann von Jennifer W. wird wegen Völkermord und anderen Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt.

  • Al-J. soll 2015 ein fünfjähriges Mädchen in der Sonne angekettet und anschliessend verdursten haben lassen.

Im Prozess um ein verdurstetes jesidisches Mädchen im Irak hat das Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main den Angeklagten am Dienstag zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sprachen den 29-jährigen Anhänger der Jihadistenmiliz «Islamischer Staat» (IS) unter anderem wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit Todesfolge schuldig. Er hatte das versklavte fünfjährige Mädchen 2015 bei grosser Hitze in der Sonne angebunden.

Zuvor hatte er das Mädchen und dessen Mutter, die ebenfalls als Sklavin im Haushalt des Angeklagten leben musste, laut Anklage der Bundesanwaltschaft wiederholt erniedrigt und misshandelt. Das getötete kleine Mädchen gehörte ebenso wie seine Mutter zur religiösen Minderheit der Jesiden, an denen der IS während seiner Herrschaftszeit im Irak einen Völkermord verübte. Die Mutter überlebte, sie nahm als Nebenklägerin an dem Prozess gegen A.-J. teil. Sie erhielt durch das Urteil zugleich ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro zugesprochen. Das Urteil entsprach weitgehend der Anklageforderung. Die Verteidigung hatte keinen Antrag gestellt.

Fünfjährige als Sklavin gehalten

Vor einem Monat wurde bereits seiner Frau Jennifer W., die ursprünglich aus Lohne in Niedersachsen kommt, der Prozess gemacht. Die Bundesanwaltschaft warf der deutschen Konvertitin damals vor, unter der Herrschaft des «Islamischen Staates» im Irak dabei zugesehen zu haben, wie ihr damaliger Ehemann ein fünfjähriges jesidisches Mädchen in der prallen Sonne ankettete und verdursten liess.

Ehemann Taha Al-J. hatte das Mädchen zuvor für einige Hundert Dollar auf einem Sklavenmarkt gekauft; er und Jennifer W. hielten die Fünfjährige als Sklavin in ihrem Haus in Falluja.

Ehefrau stark radikalisiert

Vor Gericht trat Jennifer W. stets westlich gekleidet auf. Doch im Prozess konnte leicht gezeigt werden, wie brainwasht die IS-Anhängerin war. «Abbildung 19 zeigt rollende Köpfe», so ein Beamter vor Gericht zu Bildern von Enthauptungen, die sich auf W.s Handy und Computer befunden hatten.

Eine Polizistin sagte aus, dass bei der Auswertung der elektronischen Daten «alles dabei» gewesen sei. Auch Suchen wie «Wie bringe ich mich am besten um und nehme viele Menschen mit». Dazu habe man auf dem Computer der Angeklagten die Anleitung für den Bau einer Schnellkochtopf-Bombe gefunden.

Das deutsche Gericht verurteilte die 30-Jährige aus Lohne in Niedersachsen Ende Oktober wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, wegen Beihilfe zum versuchten Mord, zum versuchten Kriegsverbrechen – und wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit.

Im August 2014 begann der Alptraum

Jesiden

Am 3. August 2014 begann der Alptraum für die Jesiden und Jesidinnen im Shindshar-Gebirge. Tausende IS-Jihadisten überfielen ihr Hauptsiedlungsgebiet, weil sie diese religiöse Minderheit als Ungläubige und Teufelsanbeter ansahen. Sie töteten die Männer und verkauften die Frauen und selbst kleinste Kinder als Slavinnen und Sklaven. Heute leben die meisten Jesiden und Jesidinnen in Lagern im Nordirak, weil sie sich nicht in ihr Stammesgebiet trauen. Noch immer sind Tausende Jesiden und Jesidinnen vermisst. Über das Schicksal einer Gruppe von jesidischen Buben, die aus den Händen des IS befreit werden konnten, könnt ihr hier einen Vor-Ort-Bericht von 20 Minuten lesen.

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(AFP)

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