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Kunst und Provokation IS-Attentäter kommen in dänisches Museum

Da ist etwas faul, findet die dänische Venstre-Partei. Sie meldete der Polizei eine Ausstellung, die sich «Märtyrern» widmet – darunter den Terroristen von Paris und Brüssel.

von
gux

Das dänische Künstlerkollektiv The Other Eye of the Tiger (Das andere Auge des Tigers) will am 26. Mai eine Ausstellung im trendigen Kopenhagener Meatpack-Viertel eröffnen. Doch schon im Vorfeld haben die Künstler eine Anzeige wegen Aufruf zu Terrorismus am Hals.

Die Ausstellung widmet sich Menschen, die sich für eine Sache aufopferten und für ihre Überzeugung starben. Es geht um historische Personen wie die französische Nationalheilige Jeanne d'Arc, den griechischen Philosophen Sokrates – und um die Brüder Ibrahim und Khalid el-Bakraoui, die sich am 22. März in Brüssel in die Luft sprengten. Vertreten ist auch Foued Mohamed-Aggad, einer der Selbstmordattentäter bei den Pariser Attacken vom 14. November.

«Terroristen als Helden porträtiert»

Das hat jetzt die rechtsliberale Venstre-Partei veranlasst, die Ausstellung und ihre Organisatoren der Polizei zu melden: Dass in der Ausstellung «internationale Terroristen als Helden porträtiert» würden, komme einer Anstachelung zum Terror gleich. «Das könnte jemanden dazu verleiten, den letzten Schritt zu machen und sich einer Terrorgruppe anzuschliessen», heisst es auf der Facebook-Seite der Partei.

Die Künstler finden das eher abwegig. «In der Ausstellung geht es um den Begriff des ‹Märtyrers› und darum, diesen aus möglichst vielen Perspektiven und im Wandel der Zeit zu beleuchten», sagt Mitorganisatorin Ida Grarup Nielsen dem britischen «Guardian».

Handschuh als Ausstellungsobjekt

Die Installation zeigt neben Bildern und Fotos von «Märtyrern» auch Replikas von deren persönlichen Gegenständen: Von den el-Bakraoui-Brüder, die in Brüssel 32 Menschen mit in den Tod rissen, ist etwa ein schwarzer Handschuh zu sehen, den Ibrahim el-Bakraoui trug, um einen Zündsatz zu verstecken.

«Ein Guide wird den Zuschauer durch verschiedene Räume führen. Er wird beispielsweise von Foued Mohammed-Aggad und den Ereignissen im Pariser Musikclub Bataclan erzählen, während dazu passende Lichter und Geräusche den Raum füllen», so Nielsen. «Wir erzählen die Ereignisse eher durch seinen Blick.» Denn in «der eigenen Geschichte ist jeder sein eigener Held».

Nicht die erste Provokation

Die Ausstellung sei teilweise durch das iranische «Museum für Märtyrer» in Teheran inspiriert, sagen die Künstler um Christian Lollike und Ida Grarup Nielsen. Sie soll vom 26. Mai bis zum 10. Juni ihre Tore öffnen.

Ob die Aufregung rund um die Ausstellung bis dahin abgeebbt ist, wird sich zeigen. Immerhin kennen die Dänen Mitinitiator Christian Lollike und seine Faszination für tödliche Anschläge bereits: Der Bühnenautor hatte 2012 ein Stück geschrieben, das auf dem «Manifest» des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik basierte.

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