Aktualisiert 30.04.2016 12:49

Bagdad

IS-Attentäter reissen über 20 Menschen in den Tod

In der Nähe der irakischen Hauptstadt ist eine Autobombe gezündet worden. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Der Anschlag galt schiitischen Marktbesuchern.

von
mch

Bei einem Anschlag mit einer Autobombe sind östlich der irakischen Hauptstadt Bagdad mindestens 24 Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Ziel waren schiitische Zivilisten, die auf einem Markt unter offenen Himmel im südöstlichen Vorort Nahrawan Obst, Gemüse und Fleisch einkauften, wie das Innenministerium am Samstag mitteilte. Zu dem Anschlag bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat.

Polizisten hatten zunächst gesagt, der Anschlag habe sich gegen schiitische Pilger gerichtet, die auf dem Weg zum Heiligen Schrein Kadhimija in Bagdad gewesen seien. Dem widersprach der Sprecher des Innenministeriums, Saad Mann: «Es war keine Strasse für Menschen Richtung Kadhimija», sagte er. Der IS habe mit dem Angriff Vergeltung üben wollen für jüngste Gebietsverluste im Irak. «Die einzige strategische Waffe, die ihnen verblieben ist, sind (Selbstmordattentäter)», sagte Mann.

Tausende Pilger erwartet

Zwar kontrolliert der IS noch grosse Bereiche im Westen und Norden des Iraks. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Terrormilz allerdings einige Gebietsverluste erlitten. Der IS hatte bereits in der Vergangenheit für ähnliche Attacken gegen schiitische Pilger und Zivilisten in schiitischen Wohngebieten Bagdads die Verantwortung übernommen.

In den kommenden Tagen werden Tausende Schiiten aus dem ganzen Land erwartet, die zu Fuss zu dem Schrein aus dem achten Jahrhundert pilgern wollen, um an den Jahrestag des Todes von Imam Mussa al-Kadhim zu erinnern. Daher wurden die Sicherheitsmassnahmen verschärft. Zusätzliche Kontrollstellen wurden eingerichtet, Strassen gesperrt.

Ministerpräsident unter Druck

Bei Anschläge wurden allein in Bagdad im vergangenen Monat mehr als 40 Zivilisten getötet. Am 25. März waren bei einem Selbstmordanschlag in einem Stadion 29 Menschen getötet und 60 verletzt worden. Der IS bekannte sich auch dazu.

Im Irak ist der schiitische Regierungschef Haidar al-Abadi derzeit unter starkem Druck. Er hat es wiederholt nicht geschafft, politische Reformen einzuleiten, um Korruption und Verschwendung zu bekämpfen. Er sieht sich auch Vorwürfen wegen Vetternwirtschaft sowie Rücktrittsforderungen ausgesetzt.

Demonstranten stürmen «Grüne Zone» und das Parlament

Hinzu kommen wirtschaftliche Probleme wegen des gesunkenen Ölpreises, der Kampf gegen den IS und seit Wochen andauernde Proteste von Schiiten um den radikalen Prediger Muktada al-Sadr, die eine Regierung aus Fachleuten verlangen. Um den Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte Al-Abadi eine Regierungsumbildung versprochen, der das Parlament am Dienstag zugestimmt hatte. Dabei kam es zu Tumulten. Aufgebrachte Abgeordnete hatten Al-Abadi mit Wasserflaschen beworfen und auch Parlamentspräsident Salim al-Dschuburi am Reden gehindert, wodurch eine Abstimmung über die Kabinettsliste unmöglich geworden war.

Heute stürmten Demonstranten das Parlament, nachdem dort ein weiterer Vorschlag für eine neue Expertenregierung abgelehnt worden war, wie ein AFP-Reporter berichtete. Tausende wütende Iraker waren zuvor in die stark abgesicherte «Grüne Zone» in der irakischen Hauptstadt eingedrungen, in der neben dem Parlament auch der Regierungssitz und zahlreiche Botschaften liegen.

Das schwierige Vermächtnis al-Malikis

Al-Abadi war auf Druck der USA 2014 Regierungschef geworden und hatte den umstrittenen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki abgelöst, dem vorgeworfen worden war, die Spaltung zwischen Schiiten und Sunniten noch vertieft zu haben. (mch/sda/afp)

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