Syrien: IS hat historische Stadt Palmyra eingenommen
Aktualisiert

SyrienIS hat historische Stadt Palmyra eingenommen

Der Vormarsch des IS hat weltweit grosse Sorge um das Unesco-Weltkulturerbe in Palmyra ausgelöst. In der einstigen Handelsmetropole stehen äusserst bedeutende antike Bauten.

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Bewaffnete IS-Kämpfer gehen an einer Strasse zwischen Palmyra und Homs in Deckung. Berichten zufolge richten sich die Aggressionen der IS-Extremisten nun gegen die Bevölkerung Palmyras: Seit der Eroberung der Stadt wurden 400 Menschen getötet und ihre Leichen geschändet.

Bewaffnete IS-Kämpfer gehen an einer Strasse zwischen Palmyra und Homs in Deckung. Berichten zufolge richten sich die Aggressionen der IS-Extremisten nun gegen die Bevölkerung Palmyras: Seit der Eroberung der Stadt wurden 400 Menschen getötet und ihre Leichen geschändet.

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Schwarzer Rauch zeugt von schweren Kämpfen.

Schwarzer Rauch zeugt von schweren Kämpfen.

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Ein IS-Mitglied während des Kampfes gegen die syrische Armee. Das Bild stellte die Terrormiliz am 20. Mai auf ihre Website.

Ein IS-Mitglied während des Kampfes gegen die syrische Armee. Das Bild stellte die Terrormiliz am 20. Mai auf ihre Website.

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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat Palmyra am Mittwochabend vollständig unter ihre Kontrolle gebracht und auch die archäologischen Stätten im Südwesten der Stadt eingenommen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrecht bestätigte. Auch der IS meldete die Einnahme der Stadt.

Die einzigartigen Ruinen Palmyras aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Eine Zerstörung der archäologischen Stätten wäre nach Einschätzung von Unesco-Chefin Irina Bokowa ein «enormer Verlust für die Menschheit».

Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr bereits einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der jahrtausendealten Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Die altorientalischen Überreste stellen nach der radikalen Islam-Interpretation der Dschihadisten Kultstätten «Ungläubiger» dar. Nach dieser Lesart sind auch Bilder und figürliche Darstellungen von Menschen verboten.

Statuen an sicheren Ort gebracht

Aktivisten aus der Stadt erklärten, bislang habe es keine Zerstörungen gegeben. Der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde, Mamun Abdul-Karim, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana, Hunderte Statuen seien vor dem IS-Einmarsch an einen sicheren Ort gebracht worden.

IS-Kämpfer hätten in Palmyra auch den Stützpunkt der syrischen Armee erobert, erklärte die Miliz. Palmyra ist neben kultureller auch von militärischer Bedeutung, da die Stadt ein zentraler Verkehrsknotenpunkt ist.

Bei den Kämpfen wurden nach Informationen der Beobachtungsstelle mindestens 100 regierungstreue Kämpfer getötet. Der IS erklärte, die Feinde hätten viele Tote zurückgelassen, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Keine Gnade für Regierungsanhänger

Die humanitäre Lage in Palmyra sei schwierig, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Das Regime habe mehrere Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen.

Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, die Terrormiliz habe eine Ausgangssperre verhängt und durchkämme die Häuser auf der Suche nach Regierungsanhängern. Demnach schnitten die Extremisten mehreren Kämpfern des Regimes die Kehle durch.

Laut den Menschenrechtsbeobachtern gibt es in Palmyra seit vier Tagen keinen Strom. Die Medienaktivisten berichteten, es gebe auch kein Wasser und keine medizinische Versorgung mehr.

Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in Palmyra aufhalten. Den Aktivisten zufolge sind noch mehrere Zehntausend Menschen in der Stadt. Mehr als die Hälfte seien Flüchtlinge. Die Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle können nicht unabhängig überprüft werden.

Halbes Land unter IS-Kontrolle

Die Extremisten kontrollieren nach den Geländegewinnen in Zentralsyrien jetzt mehr als 50 Prozent der Landesfläche. Das IS-Herrschaftsgebiet erstreckt sich vor allem über den Norden und Osten Syriens. Dabei handelt es sich hauptsächlich um dünn besiedelte Gebiete.

In den von ihnen kontrollierten Teilen Syriens und des Irak haben die Extremisten ein Kalifat ausgerufen. Am Sonntag eroberte der IS in der irakischen Provinz Anbar die Stadt Ramadi.

Regierungskräfte schlugen nach eigenen Angaben in der Nacht unter Beteiligung schiitischer Milizen einen Angriff zurück. IS-Kämpfer hätten vergeblich versucht, die neue Verteidigungslinie zwischen Ramadi und dem weiter östlich gelegenen Militärstützpunkt Habbanija zu durchbrechen, erklärten Polizei und regierungstreue Milizen.

Habbanija gehört zu den wenigen Gebieten in Anbar, die noch von der Regierung kontrolliert werden. Es liegt auf dem Weg zwischen Ramadi und Falludscha, das der IS bereits vor mehr als einem Jahr erobert hatte. (sda)

Zerstörte religiöse Kulturdenkmäler

Es herrscht Angst um wertvolle Kulturgüter in Palmyra. Die IS-Terrormiliz hat in der Vergangenheit immer wieder historische Bauten zerstört.

NORDIRAK: Die heutige nordirakische Provinz Ninawa war im alten Orient Zentrum früher Hochkulturen. Im Februar 2015 zerstörte die Terrormiliz im Museum der Stadt Mossul und an der Grabungsstätte Ninive Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit. Die historische Stadt Nimrud südlich von Mossul sollen die Dschihadisten mit Bulldozern überfahren haben.

TIMBUKTU:In der Wüstenstadt im Norden Malis zerstörten Kämpfer der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine 2012 mehrere muslimische Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Die Islamisten begründeten ihre Tat damit, dass die Stätten mit den Überresten islamischer Gelehrter der Heiligenverehrung gedient hätten.

BAMIAN-TAL: In Afghanistan sprengten die radikalislamischen Taliban 2001 zwei monumentale Buddha-Statuen. Sie wurden von unbekannten Künstlern vermutlich zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert nach Christus in den Fels geschlagen und waren Zeugen der präislamischen Vergangenheit Afghanistans.

AYODHYA: Fanatische Hindus verwandelten 1992 die Babri-Moschee im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh in ein Trümmerfeld, um an deren Stelle einen Tempel zu bauen. Angeblich wurde die Moschee 1528 an einem Ort errichtet, wo zuvor ein Hindutempel gestanden hatte. Ayodhya gilt Hindus als eine der sieben heiligen indischen Städte. Landesweite Unruhen brachen aus, rund 2000 Menschen wurden getötet. (SDA)

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