Libyen: IS soll Sirte eingenommen haben
Aktualisiert

LibyenIS soll Sirte eingenommen haben

Die islamistische Terrormiliz brüstet sich mit der Eroberung des libyschen Geburtsortes von Muammar al-Ghadhafi.

Kampf um Sirte: Regierungstreue Truppen warten auf die Angriffe der IS.

Kampf um Sirte: Regierungstreue Truppen warten auf die Angriffe der IS.

Die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) hat offenbar die Stadt Sirte im Norden Libyens erobert. Das auf die Beobachtung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen Site teilte heute mit, der IS habe Fotos von seinen Kämpfern in der Stadt veröffentlicht. Das Ringen um eine Überwindung des politischen Chaos erlitt unterdessen einen Rückschlag: Das international anerkannte Parlament kritisierte einen UN-Friedensplan, der morgen in Berlin beraten werden soll. Der IS, der auch weite Teile des Irak und Syriens kontrolliert, hatte Ende Mai den Flughafen von Sirte 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis eingenommen. Die nun veröffentlichten Fotos zeigten «IS-Kämpfer bei Gefechten, auf schwerem Militärgerät, beim Erkunden der Stadt und eines nahegelegenen Wärmekraftwerks», teilte Site mit. Zu sehen seien auch Leichen von Kämpfern der Miliz Fadschr Libya.

Vor zwei Wochen hatte der IS den Flughafen von Sirte überrannt – der Heimatstadt des getöteten früheren Machthabers Muammar al-Ghadhafi. Es war der erste derartige Eroberungserfolg für die extremistische Miliz in Libyen. Ihre Eroberungen in Syrien und im Irak konnte auch eine US-geführte Militärallianz mit massiven Luftangriffen bislang nicht stoppen.

Hoffnungen auf Gespräche in Berlin

Die Bemühungen um eine Lösung des politischen Konflikts zwischen den rivalisierenden Gruppierungen in Libyen sollen in Berlin in eine entscheidende Phase eintreten. Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) empfängt Vertreter der Konfliktparteien sowie die Libyenbeauftragten der UN-Vetomächte, der EU, Italiens und Spaniens. Sie sollen über einen Friedensplan des UN-Sondergesandten Bernardino León beraten.

Am Abend meldete das anerkannte Parlament in Tobruk aber grosse Vorbehalte an. Sein Sprecher Fradsch Abu Hatschem sagte, wer für das Parlament nach Berlin reise, tue dies nur auf «persönlicher Grundlage» und nicht im Auftrag der Institution. Das Parlament nimmt demnach Anstoss an den «Vorrechten» für das rivalisierende zweite Parlament, den Allgemeinen Nationalkongress (GNC) in Tripolis.

Chaos und Gewalt in Libyen

Dem UN-Vorschlag zufolge soll zwar das Parlament in Tobruk in der Übergangsphase von einem Jahr die gesetzgebende Institution in dem nordafrikanischen Land sein. Der Hohe Staatsrat, der überwiegend aus GNC-Mitgliedern besetzt werden soll, könnte Gesetzentwürfe aber mit qualifizierter Mehrheit zu Fall bringen.

Seit dem Sturz des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrschen in Libyen Chaos und Gewalt. Im vergangenen Sommer eroberten islamistische Milizen die Hauptstadt Tripolis und bildeten dort eine eigene Regierung, die international nicht anerkannt ist. Die anerkannte Regierung und das Parlament flohen ins ostlibysche Tobruk. Die UNO bemüht sich seit Monaten um die Bildung einer Einheitsregierung. Der UN-Sondergesandte León will vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan am 17. Juni eine Einigung erzielen. (afp)

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