Öl-Handel und Sponsoren: IS verfügt über endlose Geldquellen für den Terror
Aktualisiert

Öl-Handel und SponsorenIS verfügt über endlose Geldquellen für den Terror

François Hollande will den IS zerstören. Doch die Terrorgruppe verfügt über zahlreiche Geldquellen, da reichen militärische Mittel nicht aus.

von
K. Wolfensberger

Die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien (IS) hat sich zu den Pariser Anschlägen bekannt. Für den französischen Präsident François Hollande und die G-20-Staaten ist klar: Sie wollen der Terrorbande nun definitiv Einhalt gebieten. Ein Ansatz wäre es, dem IS die Finanzierung zu erschweren. Denn der IS verfügt über zahlreiche Geldquellen.

Woher stammt das Geld genau? Und wie liessen sich die Quellen zum Versiegen bringen? Matthew Levitt, Experte am Washington Institute for Near East Policy, erklärt dem «Handelsblatt»: «Der Islamische Staat ist die vermögendste Terrorgruppe, die wir je gesehen haben.» Er finanziere sich einerseits durch die Ressourcen im kontrollierten Territorium. Gemeint sind der Handel mit Öl und Antiquitäten, Schmuggel sowie Erpressung. Andererseits erhalte er auch von Anhängern aus dem Ausland zahlreiche Spenden.

Reiche Saudis sind spendabel

Vor allem reiche Saudis dürften unter den IS-Geldgebern zu finden sein. «Der IS ist eine radikale, sunnitische Gruppierung, genau wie viele Saudis, die der ebenfalls sunnitischen Wahhabiten-Sekte angehören», sagt der Historiker Daniele Ganser zu 20 Minuten. Weil die Scheichs gut zehn Prozent des weltweiten Bedarfs an Rohöl fördern, werde die Unterstützung aus den Golfstaaten toleriert: «Der Westen drückt da beide Augen zu.»

Wie viel ausländisches Geld die Terrormiliz genau erreicht, ist aber schwer zu beziffern. Denn der IS und seine Geldgeber verwenden für Transaktionen oft das Hawala-System. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Überweisungssystem, das jenseits offizieller Kanäle erfolgt und über Drittpersonen abgewickelt wird, so der Politologe David Romano im «Spiegel».

Ölhandel über den Schwarzmarkt

Öl ist eine weitere Geldquelle des IS. Mit dem Verkauf von 40'000 Barrel Erdöl verdient die Miliz etwa zwei Millionen US-Dollar am Tag. Der Rohstoff gelangt über den Schwarzmarkt zum Beispiel in die Türkei. Die Transporte wickelt ein Netzwerk an Mittelsmännern ab, sagt Luay Al-Chatteeb vom Brookings Doha Center dem «Handelsblatt». Als Gegenleistung für das Öl erhalte der IS Cash oder Güter wie zum Beispiel Waffen.

Allerdings war der Ölverkauf immer nur eine Einnahmequelle von vielen. Von den Bewohnern seines Kalifats verlangen die Jihadisten ausserdem Steuern. Laut Berichten von Reuters bestraft die Miliz Zahlungsunwillige zum Beispiel durch Entführung. Die Familien müssen dann Lösegeld entrichten, um ihre gekidnappten Verwandten wieder freizukaufen.

Auch mit Plünderungen verdienen sie Geld. Allein aus der Stadt Mossul sollen Millionen aus der dortigen Zentralbank in die IS-Kriegskasse geflossen sein. Nicht abschätzbar sind die Einnahmen aus dem Verkauf von geraubten Antiquitäten. Diese werden wie das Erdöl über den Schwarzmarkt verhökert.

Die Finanzmärkte des IS zerschlagen

Damit der IS weniger Personal rekrutieren und besiegt werden kann, müsse man deshalb seine Finanzmärkte zerschlagen. Dies fordert Christina Schori Liang vom Geneva Centre for Security Policy in der «SonntagsZeitung».

Dass dies das komplette Ende des Terrors wäre, sei aber eine Illusion, warnt Historiker Ganser. «Eine Kalaschnikow kaufen, in ein Restaurant hineinlaufen und rumschiessen – das kostet fast nichts.» Zwar könne der IS als Organisation untergehen, sollte er eines Tages über keine finanziellen Mittel mehr verfügen. Gleiches gelte aber nicht automatisch für Terroranschläge in Europa. Denn: «Der Terror ist der Krieg des armen Mannes. Man kann ihn nicht kaputtsparen.»

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