Aktualisiert 20.06.2018 11:25

«Ich war eine Trophäe»

IS wollte Ex-Model (29) zur «Weissen Witwe» machen

Kimberley Miners (29) verlor ihr Baby und ihren Verlobten. Der IS habe ihre Verletzlichkeit gnadenlos ausgenutzt, sagt die Britin.

von
mlr
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Kimberley Miners (29) wurde über Facebook von der Terrormiliz Islamischer Staat indoktriniert. Die Britin wurde 2016 verhaftet.

Kimberley Miners (29) wurde über Facebook von der Terrormiliz Islamischer Staat indoktriniert. Die Britin wurde 2016 verhaftet.

Screenshot Video Thesun.co.uk
Gegenüber «The Sun» schilder das ehemalige Glamour-Model, wie es von einem IS-Rekrutierer umgarnt und schleichend radikalisiert wurde.

Gegenüber «The Sun» schilder das ehemalige Glamour-Model, wie es von einem IS-Rekrutierer umgarnt und schleichend radikalisiert wurde.

Screenshot Video Thesun.co.uk
Sie sei verletzlich gewesen, sagt Miners, da sie ihr Baby verloren habe und von ihrem Verlobten verlassen worden sei. Das habe der IS ausgenutzt.

Sie sei verletzlich gewesen, sagt Miners, da sie ihr Baby verloren habe und von ihrem Verlobten verlassen worden sei. Das habe der IS ausgenutzt.

Facebook

Kimberley Miners war einsam, verzweifelt und auf der Suche nach sozialen Kontakten. Deshalb, so schildert es das frühere britische Glamour-Model gegenüber «The Sun», sei sie in die Fänge des «Islamischen Staates» (IS) geraten. Die Terrormiliz habe sie über Facebook kontaktiert und sie einer Gehirnwäsche unterzogen.

Die 29-Jährige glaubt, der IS habe sie als neue «Weisse Witwe» aufbauen wollen. Unter diesem Namen war die britische IS-Anhängerin Sally Jones bekannt geworden, die vermutlich im Juni 2017 durch eine amerikanische Predator-Drohne im irakisch-syrischen Grenzgebiet getötet wurde.

Handbuch zum Bombenbau

Miners wurde vom IS-Rekrutierer Naweed Hussain indoktriniert. Dieser starb im Februar 2018 bei einem Luftangriff. Miners selbst war 2016 von der britischen Anti-Terror-Polizei verhaftet worden, nachdem die Korrespondenz zwischen ihr und Hussain entdeckt worden war. Darunter habe sich auch ein Handbuch zum Bombenbau befunden, schreibt die «Daily Mail».

Eigentlich hätten ihr zehn Jahre Haft gedroht, so Miners, doch die Ermittler hätten erkannt, dass sie hinters Licht geführt worden sei. Nachdem sie 15 Monate auf Kaution auf freiem Fuss gewesen war, wurden die Ermittlungen gegen sie im Januar 2018 eingestellt.

Miners begründet ihre Nähe zum IS mit ihrer damaligen psychischen Verfassung: 2015 war sie mit einem Millionär verlobt und schwanger. Doch dann folgte Unglück auf Unglück: «Ich war ganz allein, verlor mein Baby und dann meinen Verlobten», schildert die 29-Jährige ihre Situation.

«Ich war so einsam»

Soziale Medien habe sie lange nicht genutzt, doch als ihre Beziehung in die Brüche ging, sei sie wieder auf Facebook aktiv gewesen. Die Lage der Kinder in Syrien habe sie berührt. Deshalb habe sie angefangen, Videos von Bombenangriffen zu posten. «Ich bekam jede Menge Freundschaftsanfragen von Leuten in Syrien», erinnert sich Miners. «Es ist peinlich, aber ich mochte die Aufmerksamkeit. Ich war so einsam, und plötzlich fühlte ich mich zugehörig.»

Jeden Tag habe sie schliesslich Kontakt gehabt zu Mädchen in Syrien und Grossbritannien, zu IS-Kämpfern und Jihad-Bräuten. Unter ihren neuen Freunden war die 15-jährige Amira Abase, die mit zwei Schulfreundinnen nach Syrien gereist war – und auch die «Weisse Witwe» Sally Jones.

«Ich war eine Propaganda-Trophäe»

Dann sei sie an Hussain geraten, der sie in einem Schwall von Nachrichten radikalisiert habe. «Je mehr ich las, desto mehr glaubte ich», so Miners. Hussain habe sie mit Aufmerksamkeit und Komplimenten überhäuft und sie dazu überredet, ihren Namen in Aisha Lauren al-Britaniya zu ändern. «Ich war eine Propaganda-Trophäe. Sie wollten mich um jeden Preis», ist Miners überzeugt.

Auf Facebook teilte sie damals Dutzende Propaganda-Bilder und -Videos der Jihadisten. Ende 2015 war auch die Polizei auf Miners aufmerksam geworden und stattete der alleinerziehenden Mutter eines Kindes einen Besuch ab. Sie wurde nun wöchentlich überwacht, musste einen Terrorismus-Präventionskurs besuchen und zu einem Therapeuten gehen.

Doch sie brach den Kurs ab. Als sie Hussain erzählt habe, dass sie jedes Jahr Ferien in der Türkei mache, habe er sie aufgefordert, sich beim nächsten Mal bei ihm zu melden. Dann würde er sie von dort nach Syrien bringen lassen. Mittlerweile unterhielten sich die beiden nicht mehr auf Facebook, sondern über den bei Terroristen beliebten Messenger Telegram. Sie solle sich beeilen, weil die Polizei sie sonst an der Ausreise hindern würde, schärfte Hussain ihr ein. Er würde sie zur Frau nehmen, wenn sie käme.

Hussain verdrehte zehn Frauen den Kopf

Zwei Tage später, im Oktober 2016, wurde sie von Anti-Terror-Polizisten des MI5 vor ihrem Haus in Bradford festgenommen. Später erfuhr sie, dass Hussain zehn weiteren Britinnen den Hof gemacht hatte. Eine von ihnen, die 18-jährige Safaa Boular, wurde vor zwei Wochen als jüngste Britin wegen der Planung eines Terroranschlags verurteilt.

Miners selbst erhofft sich kein Mitleid. «Aber wenn ich jemanden davon abhalten kann, das Gleiche zu tun wie ich, dann hatte dieser Albtraum noch etwas Positives», sagt sie.

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