Hurrikan vor der Tür: «Isaac» versetzt New Orleans in Angst
Aktualisiert

Hurrikan vor der Tür«Isaac» versetzt New Orleans in Angst

Auf den Tag genau sieben Jahre nach «Katrina» könnte der Hurrikan auf New Orleans treffen. Die Menschen fragen sich: Halten die Dämme? Barack Obama verhängte in der Nacht den Ausnahmezustand über Lousiana.

von
pbl

Die US-Golfküste rüstet sich für einen neuen schweren Sturm. In den Staaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurde der Notstand ausgerufen. Über Lousiana verhängte US-Präsident Barack Obama mittlerweile sogar den Ausnahmezustand. Viele Menschen verbarrikadierten ihre Häuser und stockten Vorräte auf. Meteorologen erwarteten, dass der am Montag noch als Tropensturm eingestufte «Isaac» über dem Golf von Mexiko an Stärke gewinnen und als Hurrikan am Dienstagabend oder am frühen Mittwochmorgen die Küste erreichen könnte.

Für New Orleans ist dieses Szenario beängstigend, denn am Mittwoch werden auf den Tag genau sieben Jahre vergangen sein, seit die für ihren ungezwungenen Lebensstil und ihre Festivals bekannte Stadt durch den Hurrikan «Katrina» verwüstet wurde. Nachdem «Isaac» am Sonntag über die Südspitze Floridas in den Golf von Mexiko gezogen war, konnte der weitere Kurs zunächst nicht genau vorausgesagt werden. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami gab deshalb eine Warnung für weite Teile der nördlichen Golfküste heraus.

Nur Stärke 1

In New Orleans bildeten sich am Montag lange Schlangen an Tankstellen. «Wir sind in hoher Alarmbereitschaft, es herrscht grosse Angst», räumte Stadtpräsident Mitch Landrieu ein. Die Stadt sei aber viel besser vorbereitet. Derzeit gebe es noch keine Pläne für eine Evakuierung, sagte der demokratische Politiker auf CNN. Im Notfall aber könne man die Leute mit Bussen und Zügen aus der Stadt bringen. Anders als 2005 würden Flughafen, Kongresszentrum und das Football-Stadion Superdome nicht als Zufluchtsorte verwendet.

Eine erste vorsichtige Entwarnung gab es bereits: Während am Sonntagabend noch von einem Wirbelsturm der Stärke 2 die Rede war, sagte der Leiter des Hurrikanzentrums, Rick Knabb, am Montag dem Fernsehsender ABC, «Isaac» werde voraussichtlich nur die Stärke 1 erreichen. Abhängig vom Stand der Gezeiten wird an der Küste dennoch mit einer um bis zu vier Meter erhöhten Flut gerechnet. «Katrina» hatte am 29. August 2005 die Stärke 5. Windböen von über 252 Kilometer pro Stunde richteten katastrophale Zerstörungen auch bei massiv gebauten Häusern an. Etwa 1800 Menschen kamen ums Leben.

15 Milliarden investiert

Die schlimmsten Schäden entstanden in New Orleans allerdings erst, nachdem «Katrina» durchgezogen war. Als Folge der enormen Regenfälle brachen die Dämme, welche die von Wasser umgebene Stadt vor Überschwemmungen schützen sollten. Rund 80 Prozent von New Orleans wurden überflutet. Noch heute sind nicht alle Schäden beseitigt. Und «Isaac» dürfte erneut viel Regen bringen. Das Ingenieurkorps der US-Armee, das für den Unterhalt der Dämme verantwortlich war, musste später strukturelle Mängel einräumen.

Seither wurden rund 15 Milliarden Dollar in die Verstärkung und Erhöhung der Schutzwälle investiert. Experten gehen davon aus, dass die Stadt heute weit sicherer vor Überflutungen ist. Wo derzeit noch gebaut werde, habe man zusätzliche Abdichtungen vorgenommen, sagte eine Sprecherin des Ingenieurkorps gegenüber NPR: «Wir haben alles dicht gemacht, mit Ausnahme von zwei Gebieten, die als Fluchtrouten dienen.»

Obama als Profiteur?

Die Angst aber bleibt: Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, rief die Bevölkerung in niedriger liegenden Küstenregionen auf, sich auf Evakuierungen vorzubereiten und sich mit Wasser, Lebensmittel und Medikamenten einzudecken. In dem östlich von New Orleans gelegenen Bezirk St. Charles wurden am Montag 53 000 Menschen aufgefordert, die Region zu verlassen. Ölkonzerne begannen zudem mit der Evakuierung von Förderplattformen im Golf von Mexiko, die Produktion kam weitgehend zum Erliegen.

Jindal erklärte, er werde wegen «Isaac» möglicherweise seine Teilnahme am Parteitag der Republikaner in Tampa (Florida) absagen. Die Veranstaltung wurde bereits um einen Tag verkürzt, obwohl der Sturm die Stadt nur am Rand streifen wird. «Isaac» könnte für die Republikaner zur doppelten Hypothek werden: Er könnte die «Inthronisierung» von Präsidentschaftskandidat Mitt Romney überschatten und gleichzeitig Präsident Barack Obama die Gelegenheit bieten, sich als Krisenmanager zu profilieren. Sein Vorgänger George W. Bush hatte wegen seiner zögerlichen Reaktion auf den Hurrikan «Katrina» einen Popularitätseinbruch erlitten, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. (pbl/sda/dapd)

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