Experten besorgt: Isländer feiern Zusammenbruch ihrer Regierung
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Experten besorgtIsländer feiern Zusammenbruch ihrer Regierung

Mit Hupkonzerten haben zahlreiche Isländer den Zusammenbruch ihrer Regierung gefeiert. Vor dem Parlamentsgebäude in Reykjavik versammelten sich viele jubelnde Demonstranten, nachdem die Regierung am Montag zurückgetreten war.

Experten zeigten sich zugleich besorgt: «Die jüngsten Entwicklungen bedeuten, dass das Land gegenwärtig keine Regierung hat. Und niemand kann mit Gewissheit sagen, was als nächstes passiert», sagte der Politikprofessor Gunnar Helgi Kristinsson, der an der Universität von Island lehrt.

Einige Beobachter befürchteten zudem, dass eine neue Regierung möglicherweise auf Konfrontationskurs zum Internationalen Währungsfonds gehen könnte.

Der IWF hatte Island im vergangenen Jahr dazu gedrängt, die Zinsen auf ein Rekordhoch zu treiben - und damit den Frust vieler Isländer gesteigert, die ohnehin unter der Finanzkrise litten. Der auch für die Vergabe von Krediten zuständige IWF mit Sitz in Washington sicherte noch am Montag Island seine Unterstützung zu, so lange dort «angemessene Politik» betrieben werde.

Kurz vor Staatsbankrott

Der Inselstaat musste vor wenigen Wochen wegen der Finanzkrise mit internationaler Hilfe vor einem Staatsbankrott gerettet werden. Seit Oktober kam es immer wieder zu Protesten gegen die Regierung. Vergangene Woche setzte die isländische Polizei dabei erstmals seit 1949 Tränengas ein.

Island wurde besonders hart von der Finanzkrise getroffen, da die Banken des Landes in grossem Umfang risikoreiche Geschäfte eingegangen waren. Die nationale Währung verlor an Wert, das Finanzsystem brach zusammen und die Regierung verstaatlichte die grössten Banken. Auf der rund 300 000 Einwohner zählenden Insel im Nordatlantik lasten Milliarden-Schulden.

(sda)

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