Medien : Islam-Berichterstattung ist zu einseitig
Aktualisiert

Medien Islam-Berichterstattung ist zu einseitig

Forscher kritisieren die Berichterstattung zum Islam als zu negativ. Ihre Empfehlungen werden seit Jahren ignoriert.

von
Beat Glogger
Moslems in den Medien: Die Berichterstattung in der Schweiz stellt vorwiegend Gewalt und Terror dar.

Moslems in den Medien: Die Berichterstattung in der Schweiz stellt vorwiegend Gewalt und Terror dar.

«Steht das in eurem Koran?», fragte der «Blick» nach dem Massaker an pakistanischen Schulkindern. Über diese Schlagzeile zeigte sich der Medienprofessor Vinzenz Wyss auf Facebook und Twitter irritiert.

«Das ist zynisch», sagt der Forscher von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). «Alle wissen, dass der Koran nicht zum Abschlachten von Kindern auffordert.» Wer die Frage so stelle, verunglimpfe alle Muslime.

Berichte sind vorwiegend negativ

Die Schlagzeile steht nicht alleine. Anhand von über 1200 Medienberichten haben Wyss und sein Kollege Urs Dahinden von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur schon vor fünf Jahren festgestellt, dass der Islam vorwiegend negativ dargestellt ist. Dabei leben in der Schweiz eine halbe Million Muslime friedlich und integriert.

Deshalb verlangen die Forscher mehr journalistische Fairness: Schweizer Muslime sollten realistisch, das heisst auch in positiven Rollen dargestellt werden. Mit Erfolgsstorys aus der Arbeitswelt etwa, oder sogar in Soaps. «Wer das nicht tut», so Wyss, «verpasst eine Chance.» Das sei gefährlich, weil es die ohnehin schon angespannte Stimmung noch mehr aufheize.

«Medienleute wissen zu wenig»

Herr Dahinden, ist es nicht normal, dass Terror mehr Aufmerksamkeit erregt als das Alltagsleben?

Natürlich. Auch der Alltag von Christen macht weniger Schlagzeilen, als wenn Fundamentalisten eine Abtreibungsklinik anzünden. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, Christen seien generell gewalttätig. Das Problem ist die krasse Überzahl der negativen Meldungen zum Islam.

Sie empfehlen, es gehöre auf jede grössere Medien-Redaktion ein Muslim. Sie meinen: ein Quotenmuslim?

Ich meine, für jedes Thema gibt es Spezialisten. Von einem Russland-Korrespondenten erwartet man auch, dass er Russisch spricht und über das Land Bescheid weiss. Genauso sollte es auch Spezialisten für den Islam geben.

Würde das nicht noch mehr auf den Islam fokussieren und grössere Ängste auslösen?

Im Gegenteil: Wir müssen über den Islam sprechen, nur so können Ängste abgebaut werden. Natürlich werden die Medien keine Extremisten umstimmen, ob Muslime oder Rechtsradikale. Aber in der Mitte der Gesellschaft kann ein Umdenken stattfinden.

«Wissen»

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