Österreich - Islam-Landkarte nach heftiger Kritik und Übergriffen offline genommen
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ÖsterreichIslam-Landkarte nach heftiger Kritik und Übergriffen offline genommen

Am Donnerstag vergangener Woche wurde in Österreich eine Islam-Landkarte publiziert. Nach massiver Kritik sowie Schmierereien an Moscheen, rechtsextremen Warntafeln und Drohungen wurde sie nun wieder vom Netz genommen.

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Stein des Anstosses: Die scharf kritisierte Islam-Landkarte Österreichs.

Stein des Anstosses: Die scharf kritisierte Islam-Landkarte Österreichs.

islam-landkarte.at
Am Donnerstag wurde sie wieder vom Netz genommen – offiziell wegen dem Wechsel zu einem anderen IT-Betreiber.

Am Donnerstag wurde sie wieder vom Netz genommen – offiziell wegen dem Wechsel zu einem anderen IT-Betreiber.

islam-landkarte.at
Mit ein Grund dürften allerdings Reaktionen wie etwa das Aufstellen solcher Warntafeln durch Unbekannte gewesen sein.

Mit ein Grund dürften allerdings Reaktionen wie etwa das Aufstellen solcher Warntafeln durch Unbekannte gewesen sein.

Twitter/Muhammed Yüksek

Darum gehts

  • Die Veröffentlichung einer Islam-Landkarte hat in Österreich für grossen Wirbel und schwere Kritik von verschiedenen Seiten gesorgt.

  • Nach der Publikation kam es zu Schmierereien, zudem wurden Warntafeln aufgestellt.

  • Nun ist die Karte wieder vom Netz genommen worden.

Die höchst umstrittene Landkarte des politischen Islam, die über 620 muslimische Institutionen in Österreich unter anderem mit deren Adressen, deren Ausrichtung und persönlichen Angaben zu ihren Vertretern aufführte, ist nach massiver Kritik nach weniger als einer Woche wieder aus dem Netz genommen worden, wie die «NZZ» berichtet. Erstellt worden war die Karte vom Institut für islamisch-theologische Studien der Uni Wien, vorgestellt wurde sie Ende Mai von der konservativen Integrationsministerin Susanne Raab (ÖVP).

«Wir wollen einen inhaltlichen Diskurs jenseits von Polemik, von Ressentiments, von Emotionalität und von gegenseitigen Beschuldigungen anstossen», sagte Mouhanad Khorchide, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Dokumentationsstelle Politischer Islam, bei der Vorstellung. Die Karte unterscheide nicht in gute und böse Vereine, sondern leiste in ihrer Vielfalt einen Beitrag zur Transparenz, sagte Raab.

Warntafeln und Schmierereien

Doch der Schuss ging nach hinten los. So stiess die Karte auf massive Kritik, etwa seitens der Musliminnen und Muslime: Die interaktive Karte zeige die «Absicht der Regierung, pauschal alle in Österreich lebenden Muslime und Musliminnen als potenzielle Gefahr zu stigmatisieren», erklärte die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGÖ). Scharfe Kritik kam auch von den Grünen: Man sei «irritiert» über das Projekt und halte es für kontraproduktiv, erklärte die Partei. Die Muslimische Jugend Österreich (MJÖ) drohte eine Klage an, der Europarat verlangte die Zurückziehung der Landkarte.

Zudem tauchten an verschiedenen Orten in der Nähe muslimischer Institutionen Warntafeln mit mutmasslich rechtsextremem Hintergrund auf, die mit dem stilisierten Antlitz eines böse dreinblickenden Mannes mit Bart vor dem «politischen Islam» warnten. Es kam auch zu Schmierereien an islamischen Institutionen, die Polizei ermittelt zudem wegen eines mutmasslichen Angriffs mit einer Schreckschusswaffe auf zwei Musliminnen in Wien.

Ministerin Raab reagierte mit einer Stellungnahme, in der sie die mutmasslich rechten Plakat-Aktionistinnen und -Aktionisten mit Islamistinnen und Islamisten gleichsetzte. «Wir müssen als Gesellschaft weiterhin gegen den Extremismus von allen Seiten konsequent vorgehen»

Uni distanziert sich

Nun ist die Karte weg vom Netz – offiziell wegen eines erzwungenen Wechsels des IT-Anbieters, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Drohungen ausgesetzt waren. Zwar gibt sich der an der Uni Wien lehrende Religionswissenschaftler Ednan Aslan, der die Karte überarbeitet hatte, kämpferisch und sagte, man lasse sich «die wissenschaftliche Arbeit weder durch rechtsextreme Vereinnahmung noch durch islamistische Drohungen zunichtemachen.» Doch die Universität selbst hatte zuvor die Verwendung ihres Logos auf der Website islam-landkarte.at untersagt.

In Österreich lebten rund 700’000 Muslime, was rund acht Prozent der Bevölkerung entspricht.

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Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(afp/dpa/trx)

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