Pegida: Islamfeindliche Bewegung hat die Schweiz erreicht
Aktualisiert

PegidaIslamfeindliche Bewegung hat die Schweiz erreicht

Die islamfeindliche Bewegung Pegida aus Deutschland hat nun auch in der Schweiz einen Ableger. Ein Facebookprofil der Gruppe wurde allerdings bereits wieder deaktiviert.

von
Ph. Flück
Die Facebook-Seite der Pegida Schweiz zählt bereits über 600 «Gefällt mir».

Die Facebook-Seite der Pegida Schweiz zählt bereits über 600 «Gefällt mir».

Sie werfen den Muslimen vor, an der Krawallnacht in Zürich von vergangenem Freitag beteiligt gewesen zu sein und beschimpfen den Islam als «PISslam». Die Organisation Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (Pegida) hat in der Schweiz Fuss gefasst. Die Nachahmer der deutschen Bewegung weiten ihren Protest auch gegen linke Kreise und die Regierung aus.

In Deutschland hat die islamfeindliche Bewegung bereits für kontroverse Diskussionen gesorgt. Vor einigen Tagen ging eine Facebook-Seite des Schweizer Ablegers online. Diese hat in kürzester Zeit über 600 «Gefällt mir»-Klicks erhalten – unter anderem auch von Albert Leimgruber, Stützpunktleiter der freiburgischen Auns-Sektion.

«Organisation muss beobachtet werden»

«Es ist schockierend, dass auf dieser Facebook-Seite so offen fremdenfeindliche Parolen verbreitet werden», empört sich SP-Nationalrätin Nadine Masshardt. Nur mit einer Facebook-Seite sei die Abstützung der Bewegung jedoch schwer abzuschätzen: «Würde die Pegida in der Schweiz so grossen Anhang finden wie in Deutschland, wäre das sehr problematisch.»Man müsse die Gruppe aber sicher beobachten. So verlangt Masshardt in einer Motion auch für die Schweiz ein Monitoring zu Rassismus, Antisemitismus oder Antiislamismus, wie dies etliche umliegende Länder bereits kennen würden.

«Islamisierung nicht tabuisieren»

Adrian Pulver, Zentralsekretär der Schweizer Demokraten, freut sich dagegen über den Schweizer Pegida-Ableger: «Die Islamisierung der Schweiz ist ein aktuelles Thema, deshalb ist eine unabhängige Bewegung wie die Pegida begrüssenswert.» Es sei wichtig, dass man sich zwar vom rechtsextremen Kern distanziere, allerdings dürften Themen wie die Islamisierung eines Staates nicht tabuisiert werden. «Es ist klar, dass Rot-Grün eine solche Bewegung als rechtsextrem abstempelt.»

Auch Journalist Fabian Eberhard, der sich auf Rechtsextremismus spezialisiert hat, stellt fest: «Nur wenige Mitglieder der Gruppe stammen aus rechtsextremen Kreisen. Die meisten sind in der Mitte der Gesellschaft zu platzieren.» Was sie alle verbinde, sei die Ablehnung des Islam. Gegen aussen wirke die Bewegung relativ harmlos und ziehe deshalb Leute an, die mit Extremismus nichts am Hut hätten.

In der Schweiz keine grosse Chance

Die Erfolgschancen der Bewegung schätzt Eberhard als gering ein: «Hierzulande ist die Stimmung nicht so aufgeheizt und die radikalen Salafisten sind nicht so präsent.» Dennoch würden die Islam-Gegner wahrscheinlich ebenfalls kleinere Demonstrationen planen. Zentral für die Entwicklung in der Schweiz werde der Fortgang der Bewegung in Deutschland sein.

Auch Samuel Althof, Leiter der Fachstelle Extremismus- und Gruppenprävention (FEXX), spricht der Pegida in der Schweiz keine grossen Chancen zu: «Die Facebook-Seite ist in der Hauptsache eine krude und kunterbunte Mischung aus rassistischem Fotomaterial gegen den Islam, richtet sich aber auch gegen Linke und gegen die Regierung.» So könne die Bewegung gar keine ernsthaften Forderungen stellen.

Update, 16.12., 12:00: Das Facebook-Profil der Pegida Schweiz ist seit dem späteren Dienstagmorgen nicht mehr aktiv. Nachdem die Zahl der Likes in kürzester Zeit auf über 800 angestiegen ist, wurde die Seite offenbar vom Netz genommen. Die Gründe dafür sind unklar.

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