Aktualisiert 18.06.2016 19:52

Türkei

Islamisten greifen Radiohead-Fans an

Rund zwanzig Angreifer haben die Gäste einer Listening-Session in einem Istanbuler Plattenladen attackiert. Der Grund: Die Musikfans sollen während des Ramadans Alkohol getrunken haben.

von
nag

In Istanbul sind Musikfans von Islamisten angegriffen und brutal zusammengeschlagen worden. Die jungen Leute hatten sich am Freitagabend in einem Plattenladen getroffen, um zusammen das neue Album der britischen Rockband Radiohead anzuhören. Doch dann stürmten 20 Männer in den Laden, die die Anwesenden anbrüllten und verprügelten. Laut der Nachrichtenagentur Dogan wurden mindestens zwei Menschen verletzt, die Polizei leitete Ermittlungen ein.

Die Angreifer warfen den Leuten im Plattenladen «Velvet IndieGround» im Stadtviertel Tophane vor, im Fastenmonat Ramadan Alkohol zu trinken. Auf Videos von der Attacke, die im Internet verbreitet wurden, ist zu sehen, wie die Angreifer den Laden verwüsten. Ein Mann, der mit einer Flasche geschlagen wird, blutet am Kopf. Einer der Angreifer schreit: «Wir werden euch töten, ihr Bastarde!»

Im Stadtviertel Tophane, das im europäischen Teil der türkischen Metropole am Bosporus liegt, wurden auch schon mehrere Galerien von Islamisten attackiert.

Radiohead zeigen sich bestürzt

Wie die Zeitung «Hürriyet» heute berichtete, hielten sich während des Angriffs viele Südkoreaner in dem Plattenladen auf. Auch der Besitzer des Ladens stammt demnach aus Südkorea, lebt aber schon seit vielen Jahren in der Türkei. Das neue Radiohead-Album «A Moon Shaped Pool» konnte am Freitag weltweit in Plattenläden angehört werden.

Die Band zeigte sich bestürzt über den Angriff. «Wir sind mit unseren Herzen bei den Angegriffenen», erklärten Radiohead auf ihrer Internetseite. «Wir hoffen, dass wir auf solche gewalttätigen Ausbrüche von Intoleranz eines Tages wie auf Dinge aus einer fernen Vergangenheit zurückblicken können. Fürs Erste können wir unseren Fans in Istanbul nur unsere Liebe und Unterstützung anbieten.» Zum Magazin «Rolling Stone» sagten sie später, es sei ein Akt «gewalttätiger Intoleranz». (nag/afp)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.