«Innocence of Muslims»: Islamisten in der Schweiz rufen zu Protesten auf
Aktualisiert

«Innocence of Muslims»Islamisten in der Schweiz rufen zu Protesten auf

Der Islamische Zentralrat plant eine Kundgebung vor der US-Botschaft in Bern. Das wurde jetzt bekannt. Unterdessen ist der Macher des Films nach einer Vernehmung untergetaucht.

Der Islamische Zentralrat der Schweiz (IZRS) und zwei weitere Organisationen wollen am kommenden Samstag in Bern eine Kundgebung «für unseren Propheten Muhammad und den Schutz religiöser Gefühle» durchführen. Dazu ruft der IZRS auf seiner Internetseite auf. Die Kundgebung ist - anders als dies der IZRS schreibt - noch nicht bewilligt.

Der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause sagte der Nachrichtenagentur SDA auf Anfrage, es habe am Freitag einen Kontakt zwischen einer Vertreterin des IZRS und der Stadtverwaltung gegeben. Er bestätigte damit Informationen der «SonntagsZeitung». Es liege aber noch kein Kundgebungsgesuch auf dem Tisch, sagte der Berner Gemeinderat weiter.

Nause will deshalb auch noch keine Einschätzung zur Frage abgeben, ob das Bewilligungsgesuch eine Chance haben wird. Am kommenden Samstag steht nämlich in Bern auch eine Grosskundgebung der Gewerkschaft Unia auf dem Bundesplatz auf dem Programm.

Ziel: Bundeshaus oder US-Botschaft

Abdel Azziz Qaasim Illi vom IZRS sagte am Sonntag auf Anfrage, wo genau die Kundgebung stattfinden solle, sei noch offen. Der IZRS strebe einen Umzug an, der idealerweise vor dem Bundeshaus oder der US-amerikanischen Botschaft enden oder dort vorbeiziehen würde. Der Rat gehe davon aus, dass die Kundgebung bewilligt werde.

Der IZRS will laut dem Aufruf auf seiner Internetseite mit der Demo nicht primär gegen den umstrittenen Mohammed-Film aus den USA protestieren, dessen Trailer in den letzten Tagen überall auf der Welt den Zorn vieler Muslime hervorgerufen hat. Hauptziel sei es, die Schweizer Politik dazu aufzufordern, per Gesetz religiöse Gefühle besser zu schützen.

Der IZRS hat zu einer friedlichen Kundgebung aufgerufen und will mit einem Sicherheitsdienst allfällige Hitzköpfe unter Kontrolle halten, wie Illi weiter sagt.

Filmemacher untergetaucht

Derweil hat sich der Urheber des Werks selber der US-Polizei gestellt. Wie die Behörden mitteilten, sei der 55-jährige Nakoula Basseley Nakoula von sich aus auf die Wache seines Heimatortes Cerritos gekommen. Dort wurde er von den Beamten eine halbe Stunde lang befragt. Zum Schutz vor den Kameras der Medienvertreter hat er sich mit Hut, Schal und Brille vermummt.

Nach der Befragung sei der Urheber untergetaucht. «Er ist weg. Wir wissen nicht, wohin er gegangen ist», sagte ein Polizeisprecher des Bezirks Los Angeles. Diverse Medien vermuten, dass dies Teil einer Strategie ist, die ihn vor Lynchmord schützen soll. Nakoula steht derzeit wegen Bankbetrugs fünf Jahre unter Bewährung. Er darf weder Computer noch das Internet nutzen oder unter falschem Namen auftreten. Deshalb wird derzeit überprüft, ob er gegen Auflagen verstossen hat. Sollte dies der Fall sein, müsste Nakoula wohl ins Gefängnis.

Film wird nicht gelöscht

Google lehnte unterdessen eine Bitte des Weissen Hauses ab, den islamfeindlichen Mohammed-Film von der Internetplattform Youtube zu entfernen. Der Zugang werde lediglich in einzelnen Ländern gesperrt, hiess es. Das Weisse Haus in Washington hatte am Freitag erklärt, es habe Youtube um eine Überprüfung gebeten, ob das Video gegen die Nutzungsbedingungen verstosse. Youtube erklärte daraufhin, das Video bewege sich eindeutig innerhalb der Richtlinien und werde daher nicht entfernt. Die Internetplattform gehört dem Konzern Google.

Der Zugang zu dem Video wurde in Libyen und Ägypten gesperrt. Youtube berief sich dabei auf «die sehr sensible Lage» in diesen beiden Staaten. Später sperrte Youtube den Zugang zu dem Schmähfilm auch in Indien und Indonesien. Die Regierungen dieser Länder hatten darauf hingewiesen, dass das Video gegen Gesetze verstosse, schreibt die «New York Times».

Weitere Demonstrationen für Sonntag geplant

Die USA ziehen aus ihren diplomatischen Vertretungen in Tunesien und dem Sudan alles nicht unbedingt erforderliche Personal ab. Auch Familienangehörige der Diplomaten sollten die Länder verlassen, ordnete das Aussenministerium am Samstag in Washington an. Bei Protesten vor der US-Botschaft in Tunis wurden am Freitag vier Demonstranten getötet und 49 verletzt.

Ebenfalls Ziel von Angriffen wurde die deutsche Botschaft im Sudan. Aussenminister Guido Westerwelle forderte die Regierung in Khartum auf, deutsche Staatsbürger zu schützen. «Dass unsere Botschaft trotz vorheriger Aufforderung nicht ausreichend geschützt wurde, können wir nicht akzeptieren», sagte Westerwelle der Zeitung «Welt am Sonntag» laut Vorabbericht. Dem Blatt zufolge ist für Sonntag eine weitere Demonstration geplant, die sich gegen Deutschland richten sollte.

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