Mohammed-Parodie: Islamisten nehmen «South Park» ins Visier
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Mohammed-ParodieIslamisten nehmen «South Park» ins Visier

Die Kultserie «South Park» zeigte in ihrer jüngsten Episode den Propheten Mohammed – in einem Bärenkostüm. Nun werden die Macher von radikalen Islamisten bedroht.

von
pbl
Prophet im Bärenkostüm - für radikale Muslime zu viel des Guten. (Bild: southparkstudios.com)

Prophet im Bärenkostüm - für radikale Muslime zu viel des Guten. (Bild: southparkstudios.com)

Letzte Woche wurde in den USA die 200. Episode der schrillen Cartoon-Serie «South Park» ausgestrahlt. Die Jubiläumsfolge behandelte unter anderen die Proteste von Promis wie Tom Cruise gegen ihre Darstellung in der für ihren derben Humor ebenso geliebten wie kritisierten Show, aber auch die Frage, ob man Darstellungen des Propheten Mohammed zeigen darf. Die Macher beantworteten sie, indem sie ihn auftreten liessen – in einem Bärenkostüm.

Eine scheinbar harmlose Sache, zumal der Prophet schon in einer früheren «South Park»-Folge gezeigt wurde, als Superheld neben Jesus und Moses. Für die radikal-islamische Website revolutionmuslim.com aber war es zu viel des Guten. Die von New York aus operierenden Betreiber, die seit längerem unter Beobachtung stehen, veröffentlichten eine «Warnung» an die Adresse der «South Park»-Schöpfer Trey Parker und Matt Stone.

Anspielung auf Theo van Gogh

«Wir müssen Matt und Trey warnen, dass sie wie Theo van Gogh enden könnten», heisst es. Der niederländische Filmemacher war 2004 von einem islamischen Extremisten brutal ermordet worden, weil er in einem Film die Gewalt gegen Frauen im Islam thematisiert hatte. Begleitet wird die «Warnung» von einem Foto van Goghs mit durchgeschnittener Kehle und einem Dolch in der Brust sowie der Aufforderung, die «South Park»-Macher oder den Fernsehsender Comedy Central zu kontaktieren oder «ihnen einen Besuch abzustatten».

Eine ziemlich eindeutige Botschaft. Der Autor des Textes, Abu Talhah al Amrikee, betonte gegenüber CNN, die Nennung der Adressen sei «nicht als Drohung gedacht», man wolle den Leuten die Möglichkeit zum Protest geben. Begleitet wird die Botschaft allerdings von einer Audio-Predigt des radikalen, in den USA geborenen Predigers Anwar al-Awlaki, der im Jemen leben soll und erst kürzlich von der US-Regierung zum Abschuss freigegeben wurde. Darin äussert er sich über die Tötung jener, die den Propheten «entehren».

In einem Telefongespräch mit der Nachrichtenagentur Associated Press zeigte sich Amrikee enttäuscht, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit hinsichtlich seines Eintrags nun auf potenzielle Gefahren für die Produzenten konzentriere. Er räumte aber eine Mitschuld ein - wahrscheinlich nicht zuletzt, weil seine Botschaft mit einem Bild von Van Goghs Leiche illustriert war. Ob seine Gruppe den Dschihad unterstütze, wollte Al Amrikee aus rechtlichen Gründen nicht beantworten. Doch er lobte Osama bin Laden: «Wir schauen zu ihm auf und bewundern ihn für die Opfer, die er für die Religion gebracht hat.»

Proteste gegen Marien-Darstellung

Es ist nicht das erste Mal, dass «South Park» eine Religionsgemeinschaft auf die Barrikaden treibt. Vor vier Jahren gab es in Neuseeland wütende Proteste von Christen und Muslimen gegen eine Folge, die nach ihrer Ansicht die Jungfrau Maria beleidigte. In der Episode «Bloody Mary» ging es um eine blutende Marienstatue. Das vermeintliche Wunder wird in der Folge aber nach Ermittlungen von Papst Benedikt XVI. als simple Menstruation gewertet. Die Episode wurde aber trotz der Proteste der katholischen Bischofskonferenz Neuseelands und des Islamischen Bundes Neuseelands ausgestrahlt.

Der Sender Comedy Central, der die Serie in den USA ausstrahlte, wollte auf Anfrage von US-Medien keinen Kommentar abgeben. 2006 verbot Comedy Central den «South Park»-Produzenten, ein Bild Mohammeds zu zeigen. Die Produzenten wollten damit ihren Kommentar zu den Mohammed-Karikaturen abgeben, die in dänischen Zeitungen veröffentlicht worden waren und in der muslimischen Welt eine Welle der Empörung ausgelöst hatten. (pbl/dapd)

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