Aktualisiert 15.08.2013 07:30

Mode für MusliminnenIslamisten veranstalten Fashionshow

Der radikale Islamische Zentralrat der Schweiz lädt Anfang September zur Kopftuch-Modeschau. Die Organisation wolle die Unterdrückung der Frau salonfähig machen, warnen Kritiker.

von
Marco Lüssi

Mit diesem Video wirbt der IZRS für die islamische Modeschau in Dietikon ZH.

In den Reppisch-Hallen in Dietikon ZH findet am 1. September eine Modeschau der speziellen Art statt: Die Models auf dem Laufsteg werden keine Bikinis oder knappe Röcke, sondern Kopftücher tragen. Organisiert wird der Anlass von weiblichen Mitgliedern des IZRS.

«Präsentiert werden die Kreationen von vier schweizerischen und ausländischen Designerinnen, deren Kleider den islamischen Regeln entsprechen», sagt Mitorganisatorin Janina Rashidi. Das Kopfhaar müsse bedeckt sein und die weiblichen Körperformen dürfen sich nicht abzeichnen. Burkas würden nicht vorgeführt.

Obwohl bei diesem Fashion-Event keinerlei nackte Haut zu sehen sein wird, ist Männern kein Blick auf die Models gestattet: Nur Frauen werden eingelassen. Erwartet werden mehrere hundert Musliminnen. Ein Kinderhütedienst soll auch Müttern den Besuch ermöglichen.

«Wir wollen nicht wie Kartoffelsäcke aussehen»

Mit der islamischen Fashionshow reagiert der IRZS gemäss Rashidi auf ein Problem, das alle Frauen hätten, die sich muslimisch kleiden: «Sie haben in der Schweiz Mühe, passende Kleidung zu finden, in der sie nicht wie Kartoffelsäcke aussehen.» Oft müssten Musliminnen auf Online-Shops aus dem Ausland zurückgreifen, was eher kostspielig sei.

Auch Frauen, die sich verhüllen, wollen «modisch und elegant» aussehen, so Rashidi. Gerade bei der Wahl der Farben habe man freie Hand, und man könne schöne Tücher tragen. Die Designstücke, die an der islamischen Fashionshow präsentiert werden, können vor Ort gekauft werden – Kleidung für den Familien- und Berufsalltag der muslimischen Frau genauso wie für festliche Anlässe wie Hochzeitsfeiern.

Zudem werden an der Veranstaltung mehrere Referentinnen auftreten. «Sie werden in ihren Vorträgen Mode-Ratschläge geben und sagen, was erlaubt ist und was nicht», so Rashidi. Auch werden sie Frisuren- und Make-up-Tipps geben. Zwar seien Musliminnen angehalten, sich im Alltag nicht zu schminken, weil es zu auffällig sei. «Doch für Feste, bei denen Frauen unter sich sind, ist es durchaus erlaubt, Make-up aufzutragen und das Kopftuch abzulegen.»

«Frauenfeindliche Botschaft hübsch verpackt»

Bei gemässigten Muslimen stösst die Modeschau auf Kritik. Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, hält die Veranstaltung für «hochproblematisch»: «Wenn man das Kopftuch und die komplette Verhüllung zum modischen Accessoire macht, trägt man zur Verharmlosung der religiös motivierten Verleugnung des weiblichen Körpers bei, deren Zweck die Kontrolle über die Frau ist.»

Über diesen Anlass betreibe der IZRS Marketing für seine Weltsicht und für sein Ziel, die physische Existenz der Frau aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Dazu passe auch, dass die Frauen bei diesem Anlass unter sich bleiben müssten. «Auch wenn man gegen aussen sagt, auch verhüllte Frauen sollten sich modisch kleiden können, bleibt der Kern der Botschaft frauenfeindlich – dieser wird lediglich hübsch verpackt.» Dieses Vorgehen kenne man auch von Islamisten in anderen Ländern.

Mitorganisatorin Rashidi bestreitet, dass es bei der Fashionshow darum gehe, die Verhüllung der Frau zu propagieren. «Ein Kopftuch zu tragen ist ein persönlicher Entscheid, den jede Frau für sich treffen muss», sagt sie. Sie räumt aber ein: «Natürlich wäre es schön, wenn wir mit unserer Modeschau die eine oder andere Frau ermutigen könnten, sich künftig islamisch zu kleiden.»

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