Aktualisiert 26.08.2012 20:49

Gewalt in LibyenIslamisten zerstören heilige Grabstätten

Radikale Islamisten haben in Libyen am Wochenende mehrere muslimische Heiligtümer vernichtet. Nach wachsender Kritik an der Sicherheitslage trat Innenminister Fausi Abdelali am Sonntag zurück.

von
bee
Mit einem Bulldozer zerstören radikale Islamisten am 25. August in der Nähe von Tripolis das Mausoleum von Al-Schaab al-Dahman.

Mit einem Bulldozer zerstören radikale Islamisten am 25. August in der Nähe von Tripolis das Mausoleum von Al-Schaab al-Dahman.

Die Spannungen in Libyen nehmen zu. Nachdem in den vergangenen Wochen immer wieder Stammeskämpfer aneinander geraten waren, kam es am Wochenende zu weiteren Provokationen. Radikale Islamisten haben in Libyen am Wochenende mehrere heilige Grabstätten zerstört.

Innenminister Fausi Abdelali hat am Sonntag seinen Rücktritt eingereicht, um gegen die Kritik von Parlamentsabgeordneten zu protestieren. Zudem wolle er die «Revolutionäre verteidigen», die den grössten Teil der Sicherheitskräfte in dem Land stellen. Angesichts anhaltender Gewalt im Land waren Rücktrittsforderungen gegen den Verteidigungs- und den Innenminister laut geworden.

In der Hauptstadt Tripolis zerstörten radikale Islamisten am Samstag mit einem Bagger das Mausoleum von Al-Schaab al-Dahman und entweihten dessen Grab, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Zeugenangaben zufolge wurde zudem in Misrata, rund 200 Kilometer östlich von Tripolis, das Mausoleum von Scheich Ahmed al-Sarruk zerstört.

Am Freitag hatten Islamisten bereits im 160 Kilometer östlich der Hauptstadt gelegenen Sliten ein Heiligtum gesprengt. Dabei wurde das Mausoleum des Sufi-Theologen Scheich Abdessalem al-Asmar zerstört.

Sicherheitskreisen zufolge waren auch eine Bibliothek und eine Universität mit dem Namen des Gelehrten Ziele von Angriffen und Plünderungen. Radikale Strömungen im Islam lehnen die Verehrung anderer Heiliger neben dem Propheten Mohammed ab.

Vorwürfe an Minister

Die Täter müssten für diese «Verbrechen» zur Rechenschaft gezogen werden, schrieb Vizeregierungschef Mustafa Abu Schagur auf Twitter. Verteidigungs- und Innenministerium seien trotz Aufforderung ihrer Pflicht nicht nachgekommen, die heiligen Grabstätten zu schützen.

Der Präsident der Nationalversammlung, Mohammed al-Megarjef, warf der Regierung vor, die «durch das Gesetz und die Scharia» verbotenen Gewalttaten nicht verhindert zu haben. Der Regierungschef, die Minister für Verteidigung und Inneres sowie zahlreiche andere Verantwortliche seien einbestellt worden, um der Nationalversammlung Rede und Antwort zu stehen.

Verteidigungsminister Osama Dschuili und der zurückgetretene Innenminister Abdelali stehen seit geraumer Zeit in der Kritik, nicht entschieden genug gegen Gewalt in Libyen vorzugehen.

Immer wieder Stammeskämpfe

In Tripolis waren vor einer Woche bei einem Doppelanschlag zwei Menschen getötet worden. Die westliche Region Sliten ist seit Donnerstag Schauplatz heftiger Stammeskämpfe, bei denen nach Behördenangaben bisher mindestens drei Menschen getötet wurden.

Seit dem Sturz des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi im Oktober gab es in Libyen mehrfach tödliche Zusammenstösse zwischen Stämmen. Dabei ging es meist um alte Fehden. Die neue Staatsführung ist dagegen wenig gefestigt, was zum Wiederaufflammen der Gewalt in Libyen in jüngster Zeit beitrug.

(bee/sda)

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