Israel bombardiert Hisbollah-Stützpunkte im Libanon
Aktualisiert

Israel bombardiert Hisbollah-Stützpunkte im Libanon

Mit nahezu pausenlosen Angriffen auf Ziele im Libanon hat Israel seine Militäroffensive in der Nacht auf heute fortgesetzt. Innerhalb der zurückliegenden 36 Stunden seien 120 Luftangriffe auf Ziele im Libanon geflogen worden.

Unterdessen reiste US-Aussenministerin Condoleezza Rice mit einem Vorschlagspaket zur Beendigung der Gewalt erneut in den Nahen Osten.

Bei einem israelischen Luftangriff im ostlibanesischen Bekaa-Tal wurde am Samstag eine Brücke über den Fluss Orontes zerstört. Dadurch wurde die Ortschaft Hermel weitgehend von der Aussenwelt abgeschnitten. Menschen kamen nicht zu Schaden, wie Anwohner berichteten.

Bei neuerlichen Gefechten um die südlibanesische Ortschaft Bin Dschbail wurden 26 Hisbollah-Kämpfer getötet, wie die israelischen Streitkräfte am späten Freitagabend mitteilten. Die Hisbollah erklärte am Samstag, sie habe in der Nähe von Bin Dschbail eine israelische Stellung angegriffen. Dabei wurden nach israelischen Angaben sieben Soldaten verletzt. Bin Dschbail gilt als Hochburg der Hisbollah-Miliz.

Der seit dem 12. Juli anhaltenden Gewalt fielen auf libanesischer Seite bereits rund 450 Menschen zum Opfer. Einige Schätzungen gehen von 600 aus. 33 israelische Soldaten wurden in den Kämpfen getötet, und in der israelischen Zivilbevölkerung kosteten Raketenangriffe der Hisbollah laut Militärangaben 19 Menschen das Leben.

Zur Evakuierung von Zivilisten aus den umkämpften Gebieten und für Hilfsgütertransporte forderten die Vereinten Nationen eine dreitägige Feuerpause im Libanon. Tausende von Kindern, alten und behinderten Menschen seien im Libanon weitgehend von Hilfe abgeschnitten, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland.

US-Aussenministerin Rice wurde am späten Samstagabend in Israel erwartet. Unter anderem bemüht sie sich um eine internationale Vereinbarung zur Stationierung einer multinationalen Friedenstruppe im Libanon unter dem Mandat der Vereinten Nationen. Ihr Vorschlag sieht nach Angaben aus US-Regierungskreisen auch die Entwaffnung der Hisbollah und die Eingliederung der Kämpfer in die libanesischen Streitkräfte vor. Im Südlibanon soll als Puffer zu Israel eine Sperrzone eingerichtet werden. Rice will ausserdem einen internationalen Wiederaufbauplan für den Libanon. Sie hatte bereits zu Beginn der Woche Gespräche in Israel und dem Libanon geführt.

Auf den baldigen Einsatz einer internationalen Friedenstruppe hatten am Freitag auch US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair gedrungen. Bei ihrem Treffen im Weissen Haus wiesen sie zugleich Forderungen nach einem bedingungslosen Waffenstillstand zurück.

Wieder israelische Panzer im Gazastreifen

Israelische Panzer stiessen am Samstagmorgen erneut in den nördlichen Gazastreifen vor, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. Erst am Freitag hatten die israelischen Streitkräfte eine zweitägige Militäraktion mit Panzern im Norden des Gazastreifens beendet und sich wieder hinter die Grenze zurückgezogen. Bei der Offensive wurden 30 Palästinenser getötet. Die Israelis griffen am Samstag auch ein Ziel an der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten an. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben Stromleitungen zerstört, was zu einem Elektrizitätsausfall in der nahe gelegenen Stadt Rafah geführt habe.

(sda)

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