Aktualisiert 01.08.2006 17:31

Israel bombt und verweigert Hilfskonvois die Durchfahrt

Bei der Schlacht um die Grenzstadt Ainta al Schaab im Süden Libanons meldet die Hisbollah, 35 israelische Soldaten getötet zu haben. Derweil verweigert Israel Hilfskonvois für die notleidende Zivilbevölkerung die Durchfahrt.

Dies meldete Al Manar, der Fernsehsender der schiitischen Miliz heute Nachmittag. Wegen permanenten Beschusses habe Israel seine Verletzten vorerst nicht bergen können. Auch andere arabische Satellitensender zeigten Live-Bilder von der Schlacht. Diese liessen darauf schliessen, dass die israelische Artillerie die Stadt unaufhörlich unter Feuer nahm - offenbar um den Bodentruppen beim Vormarsch Deckung zu geben.

Derweil haben die internationalen Hilfsorganisationen in Libanon ihre Bemühungen für die leidende Bevölkerung im umkämpften Süden des Landes verstärkt. Allerdings wurden die Bemühungen behindert - laut der UNO durch israelische Streitkräfte.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warf am Dienstag den israelischen Streitkräften vor, die Organisation bei der Verteilung von Hilfsgütern im Südlibanon zu behindern.

Von 18 Lastwagen mit Lebensmitteln und sonstigen Hilfsgütern, die für drei Dörfer in der Krisenregion bestimmt waren, sei nur sechs die Durchfahrt erlaubt worden. Bereits am vergangenen Sonntag hätten die israelischen Truppen erstmals einen WFP-Hilfstransport gestoppt, teilte die Organisation in Rom mit.

«Wir fühlen uns zunehmend frustriert darüber, dass unsere Konvois behindert werden, denn die Menschen im Südlibanon haben bald keine Lebensmittel, kein Wasser und keine Medizin mehr», sagte WFP-Experte Amer Daoudi. «Es gibt viele Arme, Kranke und Alte, die ihre Häuser nicht verlassen konnten.»

Er rief alle Parteien des Konflikts dazu auf, die Konvois nicht zu blockieren, da sonst eine noch grössere Tragödie und noch schlimmeres Leid drohten, als es ohnehin schon gebe, wie die Deutsche Presse Agentur dpa schreibt.

Das WFP hatte vor wenigen Tagen seine Hilfslieferungen in die Krisenregion nach Südlibanon verstärkt. Auch das UNO- Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) versuchte, von der von Israel am Montag angekündigten Feuerpause von 48 Stunden zu profitieren.

Die Lage sei «noch nicht ganz sicher», erklärte UNHCR- Mitarbeiterin Astrid van Genderen Stort telefonisch aus Beirut. UNO- Kovois seien bereits unterwegs nach Kana und Bint Dschbeil, zwei der am schlimmsten zerstörten Dörfer im Süden, sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Verteilung koordinieren

Bisher habe das UNHCR die Hilfsgüter lediglich in kleinen Mini- Bussen in die Dörfer bringen können. Für die Verteilung sei die Lage jedoch zu gefährlich gewesen. Durch die Feuerpause hofft das UNHCR, auch die Verteilung koordinieren zu können.

Ein Hilfskonvoi des libanesischen Roten Kreuzes erreichte am Montag das umkämpfte Dorf Bint Dschbeil. Die Helfer wollten kranke und betagte Zivilisten aus der Ortschaft evakuieren, berichtete ein AFP-Reporter. In den Konvoi hatten sich auch Ambulanzen der libanesischen Zivilverteidigung eingereiht.

Suche nach Toten

Daneben begannen Helfer in den zerstörten Dörfern nach Dutzenden von Todesopfern der Kämpfe zu suchen. Der libanesische Gesundheitsminister Mohammed Chalifeh gab die Zahl der noch nicht geborgenen Leichen mit 200 an.

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