Israel für gezielte Tötung von Extremisten
Aktualisiert

Israel für gezielte Tötung von Extremisten

Israel hat die palästinensische Hamas-Regierung für den Selbstmordanschlag von Tel Aviv verantwortlich gemacht und Gegenmassnahmen angekündigt. Von einem umfassenden Militäreinsatz sah die Regierung aber ab.

Auch werde die Autonomiebehörde nicht zur «feindlichen Instanz» erklärt, verlautete nach einer Sondersitzung des Kabinetts am Dienstag. Zu den beschlossenen Gegenmassnahmen soll aber die gezielte Tötung von Extremisten gehören.

Als Sofortmassnahme entzog Israel drei Abgeordneten der Hamas das Wohnrecht in Jerusalem. Einer der betroffenen Hamas-Abgeordneten, Ahmed Atun, kündigte rechtliche Schritte gegen den Beschluss an.

Ranghohe Hamas-Vertreter wiesen den Vorwurf Israels zurück, für den Anschlag verantwortlich zu sein, bei dem ein Selbstmordattentäter am Montag neun Menschen mit in den Tod riss. «Israel versucht, einen Vorwand zu finden, um gegen die palästinensischen Institutionen und gegen das palästinensische Volk vorzugehen», sagte Hamas-Minister Atef Adwan. Anders als Präsident Mahmud Abbas hat die Hamas die Bluttat nicht verurteilt und von einer legitimen Antwort auf die israelische Politik gesprochen.

Dies wurde am Dienstag im Westen als grosse Hürde für eine Wiederbelebung des Friedensprozesses kritisiert. Die Weigerung der Hams, den Anschlag zu verurteilen, werde zu einer weiteren Isolierung der neuen palästinensischen Regierung führen, sagte der dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen. US-Präsident George W. Bush rief die Palästinenser nachdrücklich zu einer Absage an die Gewalt auf. UN-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich tief beunruhigt und kündigte für den 9. Mai ein Treffen des Nahost-Quartetts an.

Truppenpräsenz verstärkt

In Dschenin im Westjordanland nahmen israelische Soldaten den Vater des Selbstmordattentäters fest, wie Augenzeugen berichteten. Ausserdem feuerte die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag eine Rakete auf ein Ziel in der Stadt Gaza ab. Nach israelischen Angaben galt der Angriff einem Gebäude, in dem Raketen hergestellt wurden.

Aus Angst vor weiteren Terrorakten verstärkte Israel die Truppenpräsenz im ganzen Land. Der Islamische Dschihad, der sich zu dem Anschlag von Tel Aviv bekannt hatte, kündigte weitere Angriffe an: Es seien 70 potenzielle Selbstmordattentäter ausgebildet worden. Unter den Opfern vom Montag waren zwei Rumänen und zwei Personen, die neben der israelischen auch die französische Staatsbürgerschaft besassen. Der Selbstmordanschlag war der blutigste in Israel seit mehr als eineinhalb Jahren. (dapd)

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