Aktualisiert 07.11.2013 08:15

Arafat vergiftet?

Israel kritisiert Schweizer Forensiker hart

Anders als ihre russischen Kollegen haben Schweizer Forscher Hinweise auf eine Vergiftung von Jassir Arafat gefunden. Israel verunglimpft die Arbeit der Lausanner als «Seifenoper».

von
gux

Die Lausanner Forscher haben laut «Al Jazeera» in den sterblichen Überresten des 2004 verstorbenen Palästinenserführers «unerwartet hohe Werte von Polonium» gefunden. Diese hätten den Normalwert um das 18-Fache überschritten.

Die Schweizer Forscher seien sich zu 83 Prozent sicher, dass Arafat mit Polonium vergiftet worden sei, so «Al Jazeera» weiter. Dem arabischen Medium sowie auch dem britischen «Guardian» liegt die 108-seitige Studie exklusiv vor. Arafats Witwe, Suha Arafat, dürfte sie den Medien weitergegeben haben.

Gegenüber «Al Jazeera» sagte sie: «Wir haben ein wirkliches Verbrechen, einen politischen Mord aufgedeckt.» Sie hat in Paris eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht.

«Löchriger als ein Schweizer Käse»

Beim Fund handle es sich «eher um eine Seifenoper als um Wissenschaft». Mit diesen Worten zitierte die Zeitung «Jerusalem Post» am Mittwoch den Sprecher des Aussenministeriums in Jerusalem. Viele Palästinenser verdächtigen Israel, den im Alter von 75 Jahren gestorbenen Arafat vergiftet zu haben. Israel hat dies stets vehement zurückgewiesen.

«Alles ist sehr, sehr unklar», sagte der Sprecher. «Klar ist nur, dass die Theorie (vom Giftmord) grosse Löcher aufweist, mehr Löcher als ein Schweizer Käse», fügte er hinzu. Die Experten vom Institut de radiophysique in Lausanne (CHUV) hätten weder die früheren Arbeitsräume Arafats in Ramallah noch das französische Spital, in dem Arafat 2004 gestorben war, auf die radioaktive Substanz untersucht.

Der Palästinenserführer war vor neun Jahren in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Seither wird vermutet, dass Fremdverschulden im Spiel sein könnte. Im November letzten Jahres entnahmen Experten aus der Schweiz, Frankreich und Russland etwa 60 Knochenproben aus Arafats Grab.

Was ist Polonium?

Pro Jahr werden schätzungsweise 100 Gramm Polonium hergestellt. Zur Gewinnung ist ein Atomreaktor notwendig. Polonium wird als Neutronenquelle benutzt, auch zum Zünden einer Atombombe. Es wird auch als Wärmequelle für thermoelektrische Zellen zum Beispiel in der Raumfahrt eingesetzt.

Schon ein Millionstel Gramm Polonium 210 kann einen Menschen töten. Das Radionuklid sendet zwar nur eine kurze Alphastrahlung aus, die durch Kleidung, Papier oder Haut abgehalten wird. Es wird aber gefährlich, wenn Polonium geschluckt, eingeatmet oder über Wunden aufgenommen wird. Dann richtet es irreparable Schäden an Nieren, Leber und Milz an. (SDA)

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