Aktualisiert 01.08.2006 20:50

Israel kündigt Wiederaufnahme der Luftangriffe an

Trotz neuer internationaler Appelle für eine sofortige Waffenruhe verschärft Israel seine Militäroffensive im Libanon.

Die für 48 Stunden ausgesetzten Luftangriffe im Südlibanon sollen nach Ablauf der Frist am Mittwoch wieder aufgenommen werden, wie Justizminister Haim Ramon am Dienstag ankündigte. Ausserdem beschloss die Regierung eine Ausweitung der Bodenoffensive gegen die Hisbollah. Die EU-Aussenminister forderten derweil Israel und die Hisbollah-Miliz zu einer «sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten» auf. Über einen dauerhaften Waffenstillstand soll danach verhandelt werden.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert lehnte jedoch eine Waffenruhe am Dienstag erneut ab. Jeder Tag der Gefechte schwäche die Hisbollah mehr, ein sofortiger Waffenstillstand sei nicht im Interesse des Landes, sagte der Regierungschef. Israel werde dem erst zustimmen, wenn man sicher sei, dass sich gewisse Dinge geändert hätten, die zum Ausbruch eines Krieges führen könnten.

Die Luftangriffe sollten nach Angaben von Justizminister Ramon wie geplant nach Ablauf des 48-stündigen Moratoriums am Mittwoch um null Uhr MESZ fortgesetzt werden. Nach der weltweiten Empörung wegen des Beschusses des libanesischen Dorfes Kana, bei dem am Sonntag mindestens 56 Menschen ums Leben kamen, hatte Israel die Luftangriffe auf Ziele im Südlibanon ausgesetzt. Die Luftwaffe flog aber dennoch vereinzelte Angriffe.

Am Dienstag verstärkte Israel seine Angriffe auf das südlibanesische Grenzgebiet. Artillerie rückte auf mehrere Dörfer vor und nahm sie unter heftigen Beschuss. Kampfflugzeuge boten Unterstützung aus der Luft und flogen auch Einsätze im Landesinneren. Unter Beschuss genommen wurden unter anderem die libanesischen Dörfer Deir Mimas und Kfar Kila, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete.

Die Hisbollah erklärte, sie habe den israelischen Streitkräften beim Kampf um die Grenzstadt Ainta al Schaab schwere Verluste zugefügt. 35 Soldaten seien getötet oder verwundet worden, meldete Al Manar, der Fernsehsender der schiitischen Miliz. Andere arabische Satellitensender zeigten Live-Bilder, wie die Stadt von der israelischen Artillerie unaufhörlich unter Feuer genommen wurde. Die israelischen Streitkräfte erklärten am Dienstagmorgen, in den vergangenen 48 Stunden seien mindestens 20 Hisbollah-Kämpfer getötet oder verwundet worden.

Wegen der anhaltenden Gefechte wurden sechs Hilfskonvois der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes vorerst aufgehalten. Man habe von Israel und der Hisbollah keine Sicherheitsgarantien erhalten, erklärte eine Sprecherin des Welternährungsprogramms in Genf.

Das israelische Kabinett beschloss am Montagabend, Bodentruppen 30 Kilometer weit bis zum Fluss Litani in den Libanon eindringen zu lassen. Das Gebiet solle besetzt werden, bis eine multinationale Truppe die Kontrolle mit dem Auftrag übernehme, eine Rückkehr der Hisbollah zu unterbinden, verlautete aus Regierungskreisen. Israel hoffe, den Vorstoss binnen zwei Wochen abschliessen zu können, sagte Minister Binjamin Ben-Eliezer.

Die EU-Aussenminister forderten bei einer Sondersitzung in Brüssel die Konfliktparteien zur «sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten» auf. Daran sollen sich internationale Bemühungen zur Aushandlung eines dauerhaften Waffenstillstands anschliessend. Die Erklärung ist ein Kompromiss aus dem Entwurf der finnischen Ratspräsidentschaft und einem von Deutschland, Grossbritannien und Tschechien vorgelegten Alternativvorschlag. Diese drei Staaten hatten sich geweigert, der im Ursprungsentwurf enthaltenen Forderung nach einem sofortigen Waffenstillstand zuzustimmen. Die Aussenminister beschlossen auch humanitäre Hilfe für den Libanon im Umfang von 50 Millionen Euro. (dapd)

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