Israel: Nach der Ruhe kommt der Sturm
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Israel: Nach der Ruhe kommt der Sturm

Nach der vorübergehenden Einstellung von Luftangriffen in Libanon will Israel die Offensive gegen die radikale Hisbollah-Miliz noch verschärfen. Eine sofortige Waffenruhe komme nicht in Frage, sagte Verteidigungsministers Amir Perez.

Er kündigte am Montag vor dem Parlament in Jerusalem an, die Armee werde «die Operationen gegen Hisbollah ausweiten». Israel habe dem Raketenarsenal von Hisbollah schon entscheidenden Schaden zugefügt. Dennoch stellten die Raketen weiterhin eine ernste Bedrohung Israels dar.

«Wir kämpfen um unsere Heimat und die Soldaten wissen dies», sagte Perez. Wichtigstes Ziel sei es, die vor fast drei Wochen von Hisbollah-Milizionären aus dem israelischen Grenzgebiet entführten Soldaten «zurück nach Hause zu bringen».

Arabische Abgeordnete reagierten mit heftigen Zwischenrufen auf seine Ansprache. Der Parlamentarier Ibrahim Sarsur nannte ihn wegen des Angriffs auf das Dorf Kana mit über 50 Toten am Sonntag «Kindermörder» und wurde von der Parlamentspräsidentin Dalia Izik des Saales verwiesen.

Die israelische Polizei wies inwischen einen Militärbericht zurück, wonach erneut Raketen der libanesischen Hisbollah-Miliz in Nordisrael eingeschlagen sind. Die Angaben seien falsch gewesen, es habe sich um eine Verwechslung gehandelt. Es seien keine neuen Raketen auf Nordisrael abgefeuert worden.

Das israelische Militär hatte zuvor mitgeteilt, die Stadt Kirjat Schmona an der Grenze zum Libanon sei von Raketen getroffen worden. Israel hat in der Nacht zum Montag seine Luftangriffe auf den Südlibanon ausgesetzt und will die Waffen 48 Stunden lang ruhen lassen.

Dies, nachdem am Sonntag bei einem Angriff auf den Ort Kana mindestens 54 Zivilisten getötet worden waren. Das Militär behielt sich allerdings vor, binnen dieser 48 Stunden Ziele der Hisbollah ins Visier zu nehmen, sollte die radikale Miliz Israel erneut unter Beschuss nehmen.

Inzwischen gingen die diplomatischen Vermittlungsbemühungen weiter. Der iranische Aussenminister Manuchehr Mottaki wird am (heutigen) Montag in Beirut erwartet. Schon eingetroffen in der libanesischen Hauptstadt ist der französische Aussenminister Philippe Douste-Blazy.

(sda)

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