Israel nimmt zwei Hisbollah-Kämpfer gefangen
Aktualisiert

Israel nimmt zwei Hisbollah-Kämpfer gefangen

Die israelische Armee hat bei einem Gefecht im Südlibanon zwei Hisbollah-Kämpfer gefangen genommen. Hisbollah Chef Nasrallah drohte Israel derweil trotz Gesprächsbereitschaft mit weiteren Raketen.

Bei den Hisbollah-Kämpfern handele sich um die ersten Gefangenen, die die israelischen Truppen seit Beginn ihrer Offensive gemacht hätten, berichtete der israelische Armeesender.

Weiteres Feuergefecht im Südlibanon

Israelische Soldaten haben sich am Montagmorgen im Südlibanon ein heftiges Feuergefecht mit Milizionären der libanesischen Hisbollah-Miliz geliefert. Dabei wurden mindestens neun Soldaten verletzt.

Israelische Medien berichteten, die Kämpfe hätten in der Ortschaft Bint Dschebel stattgefunden. Auf der israelischen Seite der Grenze standen in Avivim mehrere Krankenwagen zur Versorgung von Kampfopfern bereit, wie ein Korrespondent der dpa berichtete.

Die israelische Artillerie belegte das Kampfgebiet mit anhaltendem Feuer. Die kämpfenden Soldaten wurden von Jets und Helikoptern aus der Luft unterstützt. Nach Einnahme des nahe gelegenen, strategisch wichtigen Orts Marun al Ras am Wochenende rückte die Armee weiter vor.

Den Angaben zufolge gelang es der israelischen Armee, neun Abschussrampen der Hisbollah zu zerstören. Eine davon sei in Richtung Haifa ausgerichtet gewesen. Die israelische Hafenstadt hatte seit Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen die schwersten Raketenangriffe erlitten.

Israelische Medien berichteten, die Armee rechne damit, dass die Kämpfe im Libanon noch sieben bis zehn Tage andauern könnten.

Bodenoffensive wird Israel nicht vor Raketen bewahren

Auch eine Invasion mit Bodentruppen wird Israel nach Worten von Hisbollah-Führer Scheich Hassan Nasrallah nicht vor Raketenangriffen auf sein Territorium bewahren. Israel werde dieses Ziel nicht erreichen, sagte Nasrallah der Zeitung «As Safir» (Montagausgabe). Zu Berichten über diplomatische Bemühungen um ein Ende der Kämpfe sagte Nasrallah, Priorität müsse das Ende der israelischen Angriffe auf Libanon haben. Er sei bereit, über Initiativen zu diskutieren.

Kämpfe auch im Gazastreifen

Unterdessen geht allen Berichten über Pläne für eine Waffenruhe zum Trotz die Gewalt im Gazastreifen weiter. Die israelische Luftwaffe griff in der Nacht zum Montag das Haus eines Hamas-Aktivisten im Flüchtlingslager Schati mit einer Rakete an. Nach palästinensischen Augenzeugenberichten entstand Sachschaden, es gab aber keine Opfer. Die israelische Armee erklärte, in dem Haus hätten die radikalislamischen Organisationen Hamas und Islamischer Dschihad Raketen und andere Waffen gelagert.

Wenige Minute nach diesem Angriff explodierte im Norden des Gazastreifens neben einem kleinen Krankenhaus eine israelische Panzergranate. Nach Berichten von Krankenhausmitarbeitern gingen Fenster zu Bruch. Es sei niemand verletzt worden.

Am frühen Sonntagmorgen hatten militante Palästinenser von Gaza aus fünf Raketen auf Israel abgefeuert. Am Samstag verlautete noch aus palästinensischen Regierungskreisen, Hamas, Islamischer Dschihad und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden hätten sich auf eine Feuerpause mit Israel geeinigt, falls Israel seine Offensive im Gazastreifen stoppe. Die radikalen Organisationen hatte diesen Bericht aber dementiert.

Saudi-Arabien bat US-Präsident George W. Bush am Sonntag offiziell um eine Intervention im Nahostkonflikt. Er habe dem US-Präsidenten einen Brief von König Abdullah überreicht, in dem der Monarch Bush bitte, sich um einen sofortigen Waffenstillstand in der Region zu bemühen, erklärte der saudische Aussenminister Prinz Saud al Faisal nach einem einstündigen Treffen mit Bush im Weissen Haus. An dem Gespräch nahm auch Aussenministerin Condoleezza Rice teil, bevor sie nach Israel abflog.

Rice schliesst sich Ruf zu «dringlichem» Waffenstillstand an

Erstmals haben auch die USA die Konfliktparteien zu einem Waffenstillstand und einer politischen Lösung des Konflikts aufgerufen.

«Wir glauben, dass ein Waffenstillstand dringlich ist», sagte US- Aussenministerin Condoleezza Rice am Montagmorgen auf ihrem Flug nach Israel. Sie betonte jedoch erneut, dass ein Waffenstillstand Teil einer umfassenden politischen Lösung sein müsse: «Es ist wichtig, Rahmenbedingungen zu haben, die den Waffenstillstand dauerhaft machen.»

Dazu zählten insbesondere die Entwaffnung der Hisbollah im Libanon, die nicht länger als Staat im Staat bestehen dürfe «und Libanon und die ganze Region in den Krieg stürzt», sagte Rice.

Die libanesische Regierung müsse wieder die volle Kontrolle über ihr gesamtes Staatsgebiet zurückerhalten. Dort dürfe es keinen Platz für «terroristische Gruppen und illegale Gruppen» geben. Zuvor hatten die USA bereits Interesse an einer NATO-geführten Friedenstruppe im israelisch-libanesischen Grenzgebiet signalisiert.

Im Gegensatz zu vielen europäischen und arabischen Verbündeten hatten die USA bislang einen Aufruf zum Waffenstillstand vermieden. Noch am Freitag hatte Rice einen Waffenstillstand als «falsches Versprechen» bezeichnet, weil dadurch die ernsten politischen Probleme der Region nicht gelöst würden.

Rice sollte am Montag in Israel eintreffen und mit Olmert sowie Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zusammentreffen. Sie kündigte an, Ende der Woche bei Bedarf erneut nach Nahost zu reisen.

Quelle: AP/SDA

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