Warum kam es zu Konflikten zwischen Eritreern?

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Israel, Norwegen, Opfikon ZHWarum kommt es am 2. September zu Konflikten zwischen Eritreern?

Am Samstag kam es an verschiedenen Orten auf der Welt zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Migranten aus Eritrea. Das Datum ist kein Zufall. 

Am Samstagabend ist es im Glattpark im Opfikon ZH zu massiven Auseinandersetzungen gekommen.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Am Samstag kam es in Israel, in Norwegen und in der Schweiz zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Menschen aus Eritrea.

  • An diesen Orten wurde an den Jahrestag des eritreischen Unabhängigkeitskrieges erinnert.

  • Die Konflikte wären – besonders in Tel Aviv – vermeidbar gewesen.

Zuerst in Tel Aviv in Israel und in der Stadt Bergen in Norwegen – am Abend dann auch noch in Opfikon ZH: An mehreren Orten der Welt kam es am Samstag zu schweren Auseinandersetzungen mit Eritreern. Was ist passiert?

Tel Aviv, Israel

Besonders in Tel Aviv kam es zu schweren Zusammenstössen zwischen der Polizei und Migranten, dabei wurden über 150 Menschen verletzt. Hunderte Eritreer hatten sich am Samstagmorgen vor der Botschaft ihres Landes getroffen, um gegen die dortige Regierung zu protestieren. Aufgrund unmittelbarer Gefahr für sie selbst habe die Polizei Schüsse abgegeben. Mindestens 19 Demonstrierende wurden schwer verletzt, die meisten von ihnen haben schwere Kopfverletzungen.

Die Demonstranten schlugen Scheiben von Polizei- und anderen Autos sowie Fenster umliegender Geschäfte ein, wie die Zeitung «Haaretz» berichtet. Sicherheitskräfte antworteten unter anderem mit Blendgranaten und Schlagstöcken gegen die Demonstranten. Viele von ihnen hatten laut Zeugen Holzstöcke bei sich getragen. Die Polizei verhaftete 39 Demonstranten, sie hatten auch Tränengas und Elektroschocker dabei. 

Bergen, Norwegen

In der norwegischen Stadt Bergen bewarfen sich am Samstag rund 100 Gegner und Anhänger der eritreischen Regierung mit Steinen und Flaschen, wie die Zeitung «Bergens Tidende» meldete. Mindestens ein Mensch wurde dabei verletzt. Augenzeugen berichteten, dass auch die Polizei attackiert worden sei. Auslöser der Ausschreitungen war demnach ein Fest von Regierungsanhängern.

Warum am 2. September?

An verschiedenen Orten finden am Samstag Veranstaltungen anlässlich eines Jahrestags des eritreischen Unabhängigkeitskrieges statt. Der Krieg, bei dem sich Eritrea die Unabhängigkeit von Äthiopien erkämpfte, dauerte von 1961 bis 1991. Seit 1993 regiert Präsident Isaias Afewerki das Land in einer Ein-Parteien-Diktatur.  

Dessen Kritiker sehen die Feste als Propaganda an. Meinungs- und Pressefreiheit sind in Eritrea stark eingeschränkt. Zudem herrscht ein strenges Wehrdienst- und Zwangsarbeitssystem, vor dem viele Eritreer ins Ausland fliehen. Die Events führen zu Konfrontationen zwischen Anhängern und Gegnern der eritreischen Regierung.

Wären die Auseinandersetzungen vermeidbar gewesen?

Ja, besonders in Tel Aviv, wo die Demonstranten nach Angaben der Nachrichtenagentur DPA die Behörden vor Gewalt gewarnt hatten. Sie hatten die Polizei gar darum gebeten, das Event abzusagen. 

Was bedeuten die hellblauen T-Shirts und Flaggen, die die Menschen tragen?

Die aktuelle Flagge von Eritrea ist blau, rot, gold und grün. In der Mitte ist ein goldener Olivenzweig zu sehen, der den Frieden symbolisiert. Die 30 Blätter des Kranzes, der den Olivenzweig umgibt, stehen für die 30 Jahre des Kampfes um die Unabhängigkeit.

Zwischen 1952 bis 1962 benutzten die Eritreer jedoch eine hellblaue Flagge mit einem grünen Olivenzweig. Das war nach der britischen Unabhängigkeit, als Eritrea ein halbautonomer Teil von Äthiopien war. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs verbot der äthiopische Kaiser Haile Selassie 1962 die eritreischen Nationalsymbole. 

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