Coronavirus: Israel schliesst Palästinenser-Testcenter

Publiziert

CoronavirusIsrael schliesst Palästinenser-Testcenter

Im Palästinenserviertel Silwan in Jerusalem schloss die israelische Polizei eine Coronavirus-Testklinik, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde geführt wurde.

von
jab
1 / 9
Im Stadtteil Silwan in Ostjerusalem funktionierte die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) eine der örtlichen Moscheen zu einem Coronavirus-Testcenter um.

Im Stadtteil Silwan in Ostjerusalem funktionierte die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) eine der örtlichen Moscheen zu einem Coronavirus-Testcenter um.

epa/Abir Sultan
In Silwan seien bereits 40 Leute positiv auf das Virus getestet worden. Die dicht bevölkerten Siedlungen erhöhten das Risiko einer Ansteckung. Ausserdem herrsche ein Mangel an Coronavirus-Tests. (Symbolbild)

In Silwan seien bereits 40 Leute positiv auf das Virus getestet worden. Die dicht bevölkerten Siedlungen erhöhten das Risiko einer Ansteckung. Ausserdem herrsche ein Mangel an Coronavirus-Tests. (Symbolbild)

epa/Oliver Weiken
Obwohl die Moschee am 14. März wegen der Ausgangssperre geschlossen war, sollen Polizisten vier Aktivisten, die am Aufbau beteiligt waren, festgenommen und Nachbarn befragt haben. (Symbolbild)

Obwohl die Moschee am 14. März wegen der Ausgangssperre geschlossen war, sollen Polizisten vier Aktivisten, die am Aufbau beteiligt waren, festgenommen und Nachbarn befragt haben. (Symbolbild)

epa/jim Hollander

Die Coronavirus-Testklinik im Palästinenserviertel Silwan in Ostjerusalem wurde von der Palästinensischen Autonomiebehörde betrieben und in einer Halle in einer der örtlichen Moscheen eröffnet. Die Coronavirus-Tests sollten von der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland ausgewertet werden, wie «Haaretz» am Mittwoch berichtete.

In Israel sind jedoch jegliche Aktivitäten durch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) verboten. Obwohl am Abend des 14. März die Klinik wegen der Ausgangssperre am Ende des Pessachfests geschlossen war, sollen Polizisten vier Aktivisten, die am Aufbau beteiligt waren, verhaftet und Nachbarn befragt haben.

Ausserdem sollen im vergangenen Monat wegen des Verbots bereits PA-Mitarbeiter daran gehindert worden sein, öffentliche Plätze in der Hauptstadt zu desinfizieren. Vor zwei Wochen wurde jedoch den Streitkräften der PA von Israel die Erlaubnis erteilt, auf einen gewalttätigen Streit zu reagieren. Dieser fand in einem der Viertel Jerusalems statt, das jenseits der Trennungsbarriere liegt, schreibt «Haaretz».

«Mir ist egal, wer meinen Sohn testet»

In Silwan sei das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus erhöht, sagen die Manager der Klinik. Die dicht bevölkerten Siedlungen würden dazu beitragen. Es seien bereits 40 bestätigte Fälle bekannt und es herrsche zudem ein Mangel an Coronavirus-Tests.

Der Anwohner Farhi Abu Diab sagte bezüglich der israelischen Behörde zu «Haaretz»: «Sie helfen uns nicht und hindern uns daran, Hilfe von anderen zu bekommen. Zum ersten Mal haben wir einen gemeinsamen Feind, also lasst uns zusammenarbeiten.»

Abu Diab ist der Meinung, dass die israelische Regierung erst nach dem Ramadan-Monat reagieren wird, was definitiv zu spät sei und den Ausbruch verschlimmere.

«Anstatt zusammenzuarbeiten, bringen die israelischen Behörden Politik in diese Sache ein. Es ist mir egal, wer zuständig ist. Wenn meinem Sohn etwas passiert, ist es mir egal, wer ihn testet», sagt der Anwohner.

Israel-Palästina-Konflikt

Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde stehen schon lange im Konflikt. Dabei geht es primär um die Zugehörigkeit der Stadt Jerusalem. Sowohl Israel als auch die Palästinensische Autonomiebehörde beanspruchen Jerusalem als ihre Hauptstadt.

Anhand einer Blockade wollte Israel In- und Exporte in Gaza erschweren. Aufgrund der Gaza-Blockade wird der Import von medizinischen Geräten wie Beatmungsgeräten, die für schwer erkrankte Corona-Patienten überlebensentscheidend sein können, nicht mehr möglich.

«Wir wissen momentan nicht, was für uns schlimmer ist: Der Stress, den die Angst vor dem Coronavirus auslöst, oder die israelische Blockade, die verantwortlich dafür ist, dass es uns an medizinischen Geräten fehlt», sagt Walid Mahmoud, Bürger aus Khan Younis im Gazastreifen zu SRF.

Wie auch Dw.com berichtet, ist die Lage mit dem drängenden Virus in Gaza prekär. Nur 63 Beatmungsgeräte und 78 Intensivbetten stehen für zwei Millionen Menschen zur Verfügung.

Der Gazastreifen sei total abgeriegelt, nur Rückkehrer dürften einreisen. WHO-Büros in Gaza schätzen, dass nur noch die ersten 100 Coronafälle medizinisch behandelt werden können. Der Ruf nach einer Lockerung der Blockade sei gross.

Deine Meinung