Giftige Schuldfrage: Israel soll Arafat getötet haben
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Giftige SchuldfrageIsrael soll Arafat getötet haben

Für die Palästinenser ist nun klar: Ihr Ex-Anführer Arafat starb keines natürlichen Todes. Israel sei der «einzige Verdächtige». Die Frage, ob er vergiftet worden ist, lassen sie aber offen.

Neun Jahre nach dem Tod ihres früheren Anführers Jassir Arafat ist für die Palästinenser die Schuldfrage eindeutig geklärt: «Israel ist der erste, wesentliche und einzige Verdächtige im Mordfall Jassir Arafat», erklärte der palästinensische Ermittler Taufik Tirawi am Freitag in Ramallah. Angesichts der verfügbaren Einzelheiten sage er, dass Arafat «getötet wurde, und dass Israel ihn tötete». Israel bestritt dies erneut vehement.

Der Sprecher des israelischen Aussenministeriums, Dschigal Palmor, erklärte: «Lassen Sie es mich so einfach wie möglich sagen: Israel tötete Arafat nicht. Die Palästinenser sollten diesen Unsinn stoppen und aufhören, diese gegenstandslosen Anschuldigungen zu erheben, ohne den geringsten Beweis zu haben.» Israel hatte bereits erklärt, das Land habe kein Motiv für eine Tötung Arafats gehabt, zumal Arafat vor seinem Tod 2004 bereits in seinem Anwesen im Westjordanland kaltgestellt und isoliert gewesen sei.

Neue Beweise für Giftmord von Arafat

Ein Schweizer Forscherteam hatte am Donnerstag erklärt, in Arafats Körper seien ungewöhnliche Mengen des hochgiftigen radioaktiven Stoffs Polonium gefunden worden. Dies könne auf eine vorsätzliche Vergiftung hindeuten. Wodurch Arafat zu Tode kam, könne man jedoch nicht zweifelsfrei sagen. Die Substanz ist selten und selbst in kleinen Dosen tödlich.

Tod nach Erkrankung

Ermittler Tirawi reagierte ausweichend auf die Frage, ob Arafat mit Polonium vergiftet worden sei. «Es ist nicht wichtig, ob ich sage, dass er durch Polonium getötet wurde», sagte Tirawi, der Vorsitzender eines palästinensischen Komitees ist, das Arafats mysteriösen Tod untersucht.

Die russischen Ergebnisse der Untersuchung wurden am Freitag von einem Mitglied des palästinensischen Teams zusammengefasst. Abdulla Baschir sagte, das russische Team habe ebenfalls herausgefunden, dass Arafat an einer giftigen Substanz gestorben sei. Allerdings hätten sie nicht ausreichend Beweise entdeckt, um Polonium als Todesursache festzustellen. Auf die Gründe für die Unterschiede zur Schweizer Untersuchung ging er nicht näher ein.

Der frühere PLO-Chef war im Oktober 2004 in seinem von Israel belagerten Anwesen im Westjordanland schwer erkrankt. Er starb einen Monat später in einem französischen Militärkrankenhaus in Paris. Von Anfang an verdächtigten Vertreter der Palästinenser die israelische Regierung, einen Giftanschlag auf Arafat verübt zu haben.

Arafats Witwe Suha hatte am Donnerstag unter dem Eindruck der Testergebnisse einen eindringlichen Appell an die Nachfolger ihres Mannes gerichtet. Die palästinensische Führung müsse sich um Gerechtigkeit für ihn bemühen, forderte sie. Der Tod ihres Mannes sei ein Verbrechen. Die Palästinenser müssten «die Werkzeuge finden» und den Fall vor internationalen Gerichten verfolgen. (sda)

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