«Rachel Corrie» vor Gaza: Israel stürmt Hilfsschiff
Aktualisiert

«Rachel Corrie» vor GazaIsrael stürmt Hilfsschiff

Die israelische Marine hat im Mittelmeer ein Hilfsschiff für den Gazastreifen gestoppt. Soldaten hätten ohne Gewalt die Kontrolle über den irischen Frachter übernommen.

Aktivisten taufen ihre «Rachel Corrie» in Irland vor der Abreise nach Gaza.

Aktivisten taufen ihre «Rachel Corrie» in Irland vor der Abreise nach Gaza.

Nervenkrieg im Mittelmeer: Nach stundenlanger Verfolgung enterten israelische Soldaten am Samstag die «Rachel Corrie», die Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte. Nur wenige Tage nach dem blutigen Angriff auf andere Schiffe der Gaza- Hilfsflotte war der Einsatz diesmal gewaltfrei.

Die 20 pro-palästinensischen Aktivisten liessen die Soldaten nach israelischen Angaben widerstandslos an Bord des unter irischer Flagge fahrenden Frachters «Rachel Corrie». Es habe keine Gewaltanwendung gegeben.

Gaza-Aktivisten als Helden gefeiert

Der Protest der Aktivisten richtete sich gegen die seit drei Jahren dauernde Blockade des Gazastreifens. Die USA forderten ein Ende dieser Blockade. Israel will nach eigenen Angaben Waffenlieferungen in den Gazastreifen verhindern.

Hilfsflotte: Zweites Video der Armee

Anders als bei dem Einsatz am Montag gegen eine Hilfsflotte mit mehr als 700 Aktivisten ging der Einsatz ohne Blutvergiessen oder Schüsse über die Bühne. Mit an Bord des Frachters war auch die nordirische Nobelpreisträgerin Mairead Maguire.

Die israelische Marine hatte das siebente Schiff der «Gaza- Solidaritätsflotte» mehr als acht Stunden verfolgt. Die Besatzung hatte sich viermal den Aufforderungen widersetzt, ihren Kurs zu ändern und statt Gaza den israelischen Hafen Aschdod anzulaufen, um dort die Hilfsladung zu löschen.

Nach Aschdod umgeleitet

Die Soldaten brachten die «Rachel Corrie» anschliessend nach Aschdod nördlich des Gazastreifens. Nach einer Inspektion sollen die 1200 Tonnen Hilfsgüter von dort in den Gazastreifen weitergeleitet werden.

Am Montag waren bei der Erstürmung des türkischen Passagierschiffes «Mavi Marmara» durch Marinesoldaten neun Personen getötet und Dutzende verletzt worden. Diesmal setzten die Israelis keine Helikopter ein, sondern enterten das Hilfsschiff von See aus. Die Organisation Free Gaza protestierte gegen die Übernahme ihres Frachters in internationalen Gewässern.

Die USA hatten noch am Morgen den Aktivisten dringend abgeraten, es auf eine Kraftprobe ankommen zu lassen und weiter Kurs auf Gaza zu halten. Das Schiff ist nach der US-Studentin Rachel Corrie benannt, die 2003 bei einem Protest gegen den Abriss von Häusern in Gaza von israelischen Armeebulldozern überrollt und getötet worden war.

USA mit Gaza-Blockade «nicht glücklich»

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Mike Hammer, machte aber auch deutlich, dass Washington mit der Blockade des von der radikalen Hamas beherrschten Gazastreifens durch Israel nicht glücklich ist. «Die derzeitige Regelung ist nicht haltbar und muss geändert werden», sagte er am Freitagabend (Ortszeit) in Washington.

Der Frachter hatte unter anderem 560 Tonnen Zement geladen. Israel lässt bislang keinen Zement in den Gazastreifen. Als Grund gibt die Regierung in Jerusalem an, dass die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas damit ihre militärischen Strukturen neu aufbauen könnte.

Zementmangel ist nach Angaben von Hilfsorganisationen eines der grössten Hindernisse beim Wiederaufbau des im Gaza-Krieg 2008/2009 zerstörten Gazastreifens.

Ägypten hatte am Donnerstag seine Landgrenze zum Gazastreifen aus humanitären Gründen geöffnet. Bis Samstag passierten nach ägyptischen Angaben etwa 3500 Palästinenser den Übergang Rafah, darunter Patienten, die ärztliche Hilfe in Ägypten suchten. 250 Lastwagen brachten Hilfsgüter in den Gazastreifen.

Tausende protestieren weltweit

Nach dem Angriff auf das türkische Hilfsschiff kam es auch am Samstag wieder zu internationalen Protesten gegen Israel - darunter in Deutschland, Australien und in der Türkei. In Istanbul gingen bis zu 10'000 Menschen auf die Strasse. Auch in der Schweiz forderten mehrere Hundert Menschen die Aufhebung der Gaza-Blockade - in Genf etwa 400 und in Basel gegen 100. (sda/dapd)

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