Israel verhaftet Vanunu-Befrager
Aktualisiert

Israel verhaftet Vanunu-Befrager

Israel hat jenen britischen Journalisten festgenommen, dessen Interview mit dem Atomexperten Mordechai Vanunu im Jahr 1986 Israels Atomwaffenprogramm enthüllt hatte.

Die Festnahme erfolgte in Israel.

Augenzeugen zufolge wurde Peter Hounam am Mittwoch von israelischen Polizisten zuerst zu seinem Hotel in Jerusalem gebracht. Dort sei sein Zimmer durchsucht worden. Anschliessend sei Hounam in einem Auto weggefahren worden.

Eine Sprecherin der israelischen Regierung bestätigte die Festnahme, nannte unter Hinweis auf eine Informationssperre jedoch keine Einzelheiten. Der Zeitung «Jedioth Aharonoth» zufolge wurde Hounam wegen Verletzung von Sicherheitsbestimmungen festgenommen.

«Er wurde von fünf Sicherheitsleuten in Zivil begleitet, als er sich losreissen und zu meinem Tisch eilen konnte», sagte Donatella Rovera von der Menschenrechtsorganisation amnesty international der Nachrichtenagentur Reuters. «Er war sehr aufgebracht. Er sagte mir, dass er verhaftet würde und dass ich es bekannt machen sollte.»

Beruflich in Israel

Hounam arbeitete für den britischen Sender BBC an einer Dokumentation über Vanunu. Eine BBC-Sprecherin sagte: «Uns ist bekannt, dass Peter Hounam festgenommen wurde und wir sind über diese Entwicklung sehr besorgt.»

Das britische Aussenministerium teilte mit, die Botschaft habe sich eingeschaltet. Vanunu selbst sprach von einer weiteren Etappe in dem Krieg des israelischen Geheimdienstes gegen ihn und seine Anhänger.

Jahrelange Einzelhaft

Vanunu hatte 1986 in einem Exklusivinterview der «Sunday Times» Fotos und Einzelheiten über das israelische Nuklearzentrum Dimona preisgegeben. Experten zogen daraus die Schlussfolgerung, dass Israel mit bis zu 400 atomaren Sprengköpfen über eines der grössten atomaren Waffenarsenale weltweit verfügte.

Vanunu wurde nach seinem Interview vom israelischen Geheimdienst von London nach Rom gelockt. Dort verschleppten ihn Agenten nach Israel. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde er wegen Verrates zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er mindestens elf in Einzelhaft verbrachte. Am 21. April wurde er freigelassen.

Israel hatte die Entlassung an strenge Auflagen geknüpft, weil es die Preisgabe weiterer Geheimnisse befürchtet. So wird er überwacht, darf keinen Kontakt zu Ausländern aufnehmen und das Land ein Jahr lang nicht verlassen.

(sda)

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