Israel zerstört 30 Häuser und Moschee
Aktualisiert

Israel zerstört 30 Häuser und Moschee

Die israelischen Streitkräfte haben eine neue Offensive im Flüchtlingslager Rafah gestartet und dabei laut Augenzeugen 30 Häuser und eine Moschee zerstört.

Rund 400 Bewohner seien obdachlos geworden, sagte Bürgermeister Madsched Agha. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia rief unterdessen die internationale Gemeinschaft zu Unterstützung im Kampf gegen den umstrittenen Sperrwall zwischen Israel und dem Westjordanland auf.

Die israelischen Streitkräfte teilten mit, in Rafah seien nur Häuser niedergerissen worden, aus denen in der Nacht zuvor Soldaten beschossen worden seien. Zunächst hatte ein Militärsprecher erklärt, die Gebäude hätten leer gestanden; später hiess es hingegen, entsprechende Berichte wurden noch geprüft. Auch die Informationen über die Zerstörung einer Moschee wollte der Sprecher zunächst nicht bestätigen. Bewohner und Sicherheitskräfte hatten zuvor erklärt, die bereits am Samstag beschädigte El-Tauhid-Moschee in Rafah sei am Dienstag dem Erdboden gleich gemacht worden.

Das Flüchtlingslager Rafah war in den vergangenen drei Jahren immer wieder Ziel israelischer Militäreinsätze. Seitdem wurden dort mehrere hundert Häuser zerstört, in denen sich nach israelischer Darstellung Extremisten und Waffenschmuggler versteckt hielten. Südlich des Lagers an der Grenze zu Ägypten hat Israel eine 70 Meter lange Sperranlage errichtet.

Kureia rief am Dienstag zu Unterstützung im Kampf gegen die geplante Sperranlage zum Westjordanland auf. «Wir bitten die ganze Welt, den israelischen Expansionswahn zu unterdrücken», sagte er vor Journalisten. «Dieser Wall dient der Annektierung und der Expansion und nicht der Sicherheit.» Am 23. Februar beschäftigt sich mit dem Streit der Internationale Gerichtshof in Den Haag, der die völkerrechtliche Legitimität des Sicherheitszaunes prüfen soll.

Scharon kritisiert Jordanien

Am Montag hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon eine Überprüfung des Verlaufs und der Gestalt der 700 Kilometer langen Barriere angeordnet. Aussenminister Silvan Schalom erklärte jedoch am Dienstag, er halte nichts von möglichen Änderungen. «Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um den von der Regierung festgelegten Verlauf des Zauns umzusetzen», sagte er.

Scharon kritisierte Jordanien für seine anhaltende Kritik an der Sperranlage. Falls die jordanische Regierung an dem Widerstand festhalte, drohe eine Verschlechterung der gemeinsamen Beziehungen, sagte Scharon am Montag vor einem Parlamentsausschuss. Das teilte sein Berater Raanan Gissin am Dienstag mit. Die Regierung in Amman befürchtet, dass im Fall des Mauerbaus tausende Palästinenser nach Jordanien auswandern werden.

Im Westjordanland kam es unterdessen zu Zusammenstössen zwischen den israelischen Truppen und rund 150 jüdischen Siedlern. Die Soldaten versuchten, den Siedlungsvorposten West Tapuah abzubauen, als sie von den aufgebrachten Siedlern angegriffen wurden, wie Augenzeugen mitteilten. Laut Berichten des Armeerundfunks wurden dabei drei Soldaten leicht verletzt und 14 Siedler festgenommen. Israel ist dem internationalen Friedensplan zufolge zum Abriss mehrerer Dutzend Siedlungsvorposten verpflichtet, in denen insgesamt etwa 1.000 Menschen leben. (dapd)

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