Israeli ärgern sich über Schweizer Botschafter
Aktualisiert

Israeli ärgern sich über Schweizer Botschafter

Der Schweizer Botschafter Ernst Iten hat sich in Israel unbeliebt gemacht: Er blieb gestern der Einweihung der Paul-Grüninger-Strasse in Jerusalem fern.

Der Schweizer Botschafter habe die Zeremonie «boykottiert», schreibt die Zeitung «Jerusalem Post». Auch der Bürgermeister von Jerusalem, Uri Lupoliansky, ist verärgert: Er lud Botschafter Iten vergeblich an die gestrige Einweihung einer Strasse zu Ehren des ehemaligen St.Galler Polizeikommandanten Paul Grüninger ein. Dieser hatte in den Jahren 1938/39 jüdischen Flüchtlingen die Flucht in die Schweiz ermöglicht und sie so vor den Nazis gerettet.

«Persönlich wäre ich noch so gerne an die Feier gegangen», sagte Botschafter Iten gestern zu 20 Minuten. Doch die Strasse in Nord-Jerusalem liege in einem Gebiet, das international nicht als israelisches Territorium anerkannt sei. «Ein Besuch wäre deshalb nicht richtig gewesen.»

Itens Absage wirft in Israel hohe Wellen: In der Schweizer Botschaft trafen erboste E-Mails ein. Auch Frank Lübke vom Schweizer Zentrum David gegen Antisemitismus ist entrüstet: «Das Politische ist für die offizielle Schweiz wichtiger als das Menschliche.» Für Nationalrat Daniel Vischer, den Präsidenten der Gesellschaft Schweiz-Palästina, ist die Absage hingegen «selbstverständlich».

Bernhard Brechbühl

Gedenken an den Holocaust

Israel hat gestern mit einer Schweigeminute der Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis gedacht. Fast das gesamte öffentliche Leben stand still, als Luftschutzsirenen um genau 10 Uhr aufheulten. Der Strassenverkehr kam zum Erliegen, die meisten Autofahrer stiegen aus und stellten sich neben ihren Wagen. Im ganzen Land fanden zum Gedenktag weitere Feierlichkeiten statt.

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