Israelis fordern harsche Vergeltung nach Raketenangriff
Aktualisiert

Israelis fordern harsche Vergeltung nach Raketenangriff

Angesichts der anhaltenden Raketenangriffe militanter Palästinenser werden in Israel Rufe nach härteren Vergeltungsmassnahmen laut. Ein Teil des Gazastreifens sollte «von der Landkarte getilgt» werden, forderte Kabinettsminister Meir Schitrit.

Bei einem Raketenangriff auf die Grenzstadt Sderot wurden am Samstag zwei Brüder im Alter von acht und 19 Jahren schwer verletzt. Die israelische Aussenministerin Zipi Livni erklärte, so könne es keinen Frieden mit den Palästinensern geben.

Israel müsse den Palästinensern eine Lektion erteilen und mit Entschlossenheit gegen die Führung der Hamas vorgehen, sagte Schitrit im Militärrundfunk. Der Nachrichtenagentur AP sagte der Kabinettsminister, Israel müsse eine Region, aus der militante Palästinenser Raketen abfeuerten, «gründlich aufräumen». Die Einwohner sollten aufgefordert werden, ihre Häuser zu verlassen, und dann «sollten wir alles in dieser Gegend zerstören».

Der stellvertretende Ministerpräsident Haim Ramon erklärte, die Regierung müsse gezielt die politische Führung der militanten Palästinenser ins Visier nehmen. Er sprach sich zudem für eine vollständige Einstellung der Stromlieferungen in den Gazastreifen aus. «Wenn sie eine Rakete abschiessen, sollte es weder Strom noch Wasser noch Treibstoff geben. Wenn sie keine abfeuern, dann schon.» Verkehrsminister Schaul Mofas nannte gegenüber israelischen Medien das führende Hamas-Mitglied Mahmud Sahar als mögliches Ziel.

Wirtschaftliche Strafmassnahmen forderte auch Infrastrukturminister Binjamin Ben Elieser und erklärte, er befürworte «eine totale Abtrennung von Gaza.» Verteidigungsminister Ehud Barak sagte bei einem Besuch in Sderot, die Streitkräfte würden alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen.

Eine grossangelegte Offensive ist aber offenbar nicht geplant. Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte zu Beginn der wöchentlichen Kabinettssitzung, die Regierung müsse methodisch und organisiert vorgehen. Im Visier sei jeder, der an Terrorakten beteiligt sei.

Livni erklärte am Sonntag, es könne keinen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern geben, solange aus dem Gazastreifen weiter Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert würden. Ohne echte Veränderungen gebe es keine Hoffnung.

Insgesamt elf Raketen wurden am Samstag vom Gazastreifen aus auf israelisches Gebiet abgefeuert. Eine schlug nach Medienberichten wenige Meter neben einer Strasse ein, auf der gerade eine Familie rannte, um Schutz zu suchen. Die beiden Brüder erlitten schwere Beinverletzungen. Dem Achtjährigen musste ein Bein amputiert werden. Ob das zweite gerettet werden könne, sei noch nicht klar, erklärten Ärzte am Sonntag. Zu dem Angriff bekannten sich die Extremistengruppe Islamischer Dschihad und die Volkswiderstandskomitees.

Wenige Stunden später flogen die israelischen Streitkräfte vier Luftangriffe im Gazastreifen und töteten einen militanten Palästinenser. Damit wurden in der vergangenen Woche bei israelischen Luftangriffen insgesamt 18 Palästinenser getötet.

Bewohner von Sderot verbrannten am Samstagabend Autoreifen, blockierten eine wichtige Kreuzung und forderten einen Militäreinsatz im Gazastreifen, um die Angriffe zu stoppen. Bislang ist Israel damit zurückhaltend, weil die Streitkräfte etliche Opfer unter ihren eigenen Soldaten und palästinensischen Zivilisten befürchten. In den vergangenen Jahren wurden zwölf Israelis bei den Raketenangriffen getötet. (dapd)

Bevölkerungsexplosion im Gazastreifen

In den palästinensischen Autonomiegebieten leben laut der jüngsten Erhebung der Autonomiebehörde mehr als 3,761 Millionen Palästinenser. Im Westjordanland gebe es 2,3 Millionen Palästinenser und im Gazastreifen 1,4 Millionen. Knapp 400 000 Palästinenser leben im von Israel annektierten Ostteil Jerusalems.

Die Bevölkerungsstatistik der Palästinenser wird alle zehn Jahre fortgeschrieben. Im Westjordanland stieg die Zahl der Einwohner demnach seit 1998 um 30 Prozent, im Gazastreifen sogar um 39 Prozent.

Im Ostteil Jerusalems nahm die Zahl der Palästinenser um etwa zehn Prozent zu. Nicht berücksichtigt ist in der Statistik die Entwicklung der palästinensischen Bevölkerung in den Nachbarstaaten wie Libanon und Jordanien.

(sda)

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