Israelische Militäroffensive könnte noch Wochen dauern
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Israelische Militäroffensive könnte noch Wochen dauern

Israel richtet sich auf eine längere Offensive gegen den Libanon ein. Die Luftangriffe würden voraussichtlich noch «einige Wochen» andauern, sagte der Befehlshaber des israelischen Nordkommandos.

Ministerpräsident Ehud Olmert erklärte bei einem Treffen mit einer UN-Delegation: «Israel wird die (libanesische) Hisbollah weiter bekämpfen und wird weiterhin Ziele der Gruppe angreifen.» Der am Mittwoch vergangener Woche begonnene Konflikt kostete im Libanon bereits mindestens 227, in Israel 25 Menschen das Leben.

Die israelische Aussenministerin Zipi Livni erklärte, die Regierung beginne parallel zu ihrer Militäroffensive einen «diplomatischen Prozess». Zugleich bekräftigte sie aber, ein Waffenstillstand sei nicht möglich, solange die von der Hisbollah entführten israelischen Soldaten nicht freigelassen würden. Weitere Bedingung sei eine Garantie der libanesischen Regierung, die Hisbollah zu entwaffnen. Letztere hatte bereits am Montag Vorschläge internationaler Vermittler für eine Waffenruhe abgelehnt.

Livni erklärte weiter, Israel wäre vorübergehend bereit, eine internationale Truppe zur Stabilisierung der Lage im Südlibanon zu akzeptieren. Für die Entsendung einer solchen Stabilisierungstruppe sprach sich UN-Generalsekretär Kofi Annan aus. Nötig sei eine Truppe, die grösser und besser ausgestattet sei als das derzeit im Libanon stationierte 2.000 Mann starke UN-Kontingent, sagte Annan in Brüssel. Livni machte indes deutlich, dass Israel eine langfristige Stationierung einer internationalen Stabilisierungstruppe im Grenzgebiet nicht wünsche.

Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte am Dienstag in Berlin, Annans Idee müsse noch zu einem Vorschlag entwickelt werden. Die Zustimmung der Regierungen in Israel und im Libanon sei nötig, auch die Mandatierung einer Stabilisierungstruppe sei nicht klar. Ob und in welchem Umfang die EU, und damit Deutschland, sich an einer solchen Truppe beteiligen werde, könne jetzt noch nicht entschieden werden. Der EU-Aussenbeauftragte Javier Solana wollte noch am Dienstag nach Israel reisen, nachdem er am Wochenende bereits den Libanon besucht hatte.

Bei israelischen Luftangriffen im Libanon kamen am Dienstag mindestens 17 Menschen ums Leben: Bei einem Angriff auf eine Kaserne nahe Beirut wurden elf Soldaten getötet und 35 weitere verletzt. Mindestens fünf Menschen starben Augenzeugen zufolge bei der Bombardierung eines Hauses in der Ortschaft Aitarun nahe der Grenze. Die Luftwaffe beschoss zudem mehrere Lastwagen, dabei kam ein jordanischer Autofahrer ums Leben.

Die Hisbollah feuerte erneut eine Serie von Raketen auf Israel ab. Bei einem Angriff auf die Stadt Naharija wurde ein Einwohner getötet. Auch in der Hafenstadt Haifa schlugen erneut mindestens sieben Geschosse ein.

Der britische Premierminister Tony Blair machte am Dienstagabend den Iran und Syrien für die Krise verantwortlich. Sie unterstützten die Hisbollah in ihrem Kampf gegen Israel, sagte Blair bei einem Gespräch mit Abgeordneten in London. (dapd)

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