Aktualisiert 09.09.2007 19:10

Israelische Neonazi-Bande rief «Heil Hitler»

Israelis sind geschockt: In einem bisher in Israel für undenkbar gehaltenen Fall hat die Polizei eine Neonazi-Gruppe zerschlagen, deren Mitglieder allesamt israelische Staatsbürger sind.

Acht Personen seien festgenommen und beschuldigt worden, mindestens 15 Angriffe auf ausländische Arbeiter, strenggläubige Juden, Drogenabhängige und Homosexuelle ausgeführt zu haben, teilte Polizeisprecher Micky Rosenberg am Sonntag in Jerusalem mit. Bei allen Beschuldigten handele es sich um Einwanderer aus der früheren Sowjetunion, die um die 20 Jahre alt seien.

Die Nachricht über die neonazistischen Umtriebe versetzte die israelische Öffentlichkeit in einen Schockzustand, die jeden Vorfall von Antisemitismus in der Welt empört. Die Bande hielt ihre Taten in Film- und Fotoaufnahmen fest, von denen einige von israelischen Fernsehsendern gezeigt wurden. Darin war zu sehen, wie hilflose Menschen auf dem Boden liegen und von mehreren Personen getreten wurden.

Die Polizei fand Messer, mit Nägeln gespickte Bälle, Sprengstoff und andere Waffen bei den Verdächtigen, sagte Rosenfeld. Ein Foto zeige einen der Verdächtigen mit einem M16-Sturmgewehr in der einen Hand und einem Plakat mit der Aufschrift «Heil Hitler!» in der anderen. Rosenberg sagte, die Polizei sei der Skinhead-Bande nach der Entweihung von zwei Synagogen in der Stadt Petah Tikva vor mehr als einem Jahr auf die Spur gekommen. Computer-Experten der Polizei hätten ermittelt, dass sie Kontakte mit Neonazi-Gruppen im Ausland unterhalten habe. Zu den beschlagnahmten Materialien gehöre ein deutschsprachiges Video über Neonazis in den USA.

Mitglieder der Bande seien mit keltischen Kreuzen tätowiert - einem von Anhängern einer Ideologie in den USA adoptierten Erkennzeichen, die die weiss Rasse für überlegen halten. Ander Tätowierungen zeigten Stacheldraht, die Zahl 88 - Code für «Heil Hitler» - und die Aufschrift «White Power».

Angriffe habe sie auf Gastarbeiter aus Asien, Drogenabhängige, Homosexuelle und Juden geplant, die eine Kippa tragen. Rosenfeld sagte, in einem Fall hätten Mitglieder der Gruppe Mord diskutiert. Details nannte er nicht. Die Bandenmitglieder seien in den vergangenen Tagen verhaftet worden. Eine Nachrichtensperre sei am Sonntag aufgehoben worden. Zugleich sei der Beschluss ergangen, die Verdächtigen in Untersuchungshaft zu nehmen.

Rosenberg sagte, alle Verdächtigen hätten Eltern oder Grosseltern, «die auf die eine oder andere Art jüdisch sind». Wenn diese Voraussetzung gegeben ist, kann eine Person die israelische Staatsbürgerschaft beantragen. (dapd)

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