Gazastreifen: Israelische Soldaten komplett abgezogen
Aktualisiert

GazastreifenIsraelische Soldaten komplett abgezogen

Pünktlich zur Amtsübernahme Obamas: Israel hat nach eigenen Angaben alle seine Soldaten wieder aus dem Gazastreifen abgezogen.

Israel strebte ein Ende der Offensive zum Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama an. Die Offensive begann am 27. Dezember zunächst mit Luftangriffen. Israel wollte mit der Aktion die Raketenangriffe der Hamas auf Israel stoppen. Ein Achtel der Bevölkerung des jüdischen Staates liegt in der Reichweite der Geschosse.

Am Sonntag trat eine Feuerpause in Kraft, die von beiden Parteien einseitig ausgerufen wurde. Sie ist aber brüchig. Am Dienstag schlug wieder eine Granate in Israel ein. Die Palästinenser warfen Israel vor, zwei Bauern erschossen zu haben. Israelische Kriegsschiffe beschossen am Mittwoch mit Maschinengewehren die Küste des Gazastreifens.

Bei der Offensive kamen nach Angaben von Palästinensern und der Vereinten Nationen rund 1300 Menschen ums Leben, mindestens die Hälfte davon Zivilpersonen. Nach israelischen Angaben wurden 500 militante Palästinenser getötet.

Grenzen sollen besser überwacht werden

Am (heutigen) Mittwoch wollte die israelische Aussenministerin Zipi Livni zur EU nach Brüssel reisen, um über den Einsatz europäischer Soldaten, Schiffen und Technik zu beraten. Sie sollen den Waffenschmuggel in den Gazastreifen verhindern.

Bereits in der vergangenen Woche unterzeichnete Israel mit den USA ein Abkommen, das einen verstärkten Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen den beiden Ländern sowie US-Verbündeten im Nahen Osten und Europa vorsieht. Die USA will Ausrüstung und Ausbildungshilfen für Israel, Ägypten und andere Staaten zur Verfügung stellen. So sollen die Land- und Seegrenzen nach Gaza besser überwacht werden. Die Vereinbarung ist auch für die neue US-Regierung bindend.

Bundesaussenminister Frank-Walter Steinmeier sieht nach der Antrittsrede Obamas neue Chancen für den Friedensprozess im Nahen Osten. «Mehr Partner, weniger Feinde - das ist die Vision, für die Barack Obama und (die designierte Aussenministerin) Hillary Clinton arbeiten wollen», sagte der SPD-Politiker der «Bild»-Zeitung. «Ich glaube, wir können eine sehr aktive Diplomatie erwarten - gerade auch im Nahen Osten.»

UN setzt sich für Grenzöffnung ein

Der UN-Nothilfekoordinator John Holmes wollte sich unterdessen bei einer Reise in den Nahen Osten am Mittwoch für die Öffnung aller Grenzen zum Gazastreifen einsetzen. Dies sei nicht nur für die Versorgung mit Medikamenten und Lebensmitteln notwendig, sondern auch für die Lieferung von Baumaterial in das zerstörte Gebiet. Baumaterialien blockiert Israel schon seit der Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Juni 2007. Holmes sagte, er werde auch darauf dringen, dass alle Mitarbeiter internationaler Organisationen in den Gazastreifen einreisen könnten.

Die israelischen Streitkräfte leiteten unterdessen interne Ermittlungen zu Vorwürfen über den Einsatz von weissem Phosphor bei der Offensive ein. Internationales Recht verbietet den Einsatz von Phosphor im Krieg nicht, er kann aber schwere Verbrennungen hervorrufen. UN-Vertreter und Menschenrechtsorganisationen haben Israel vorgeworfen, Phosphor in der Gazaoffensive eingesetzt zu haben. Nach Ansicht von Amnesty International stellt das Abfeuern von Phosphorgranaten seitens Israels in dicht besiedelten Wohngebieten von Gaza ein Kriegsverbrechen dar. Israel hat öffentlich nicht bestätigt, weissen Phosphor eingesetzt zu haben.

(dapd)

Schweizerisches Rotes Kreuz schickt Zelte für Obdachlose

Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) will am Mittwoch 230 Zelte nach Gaza verschicken. Die Familienzelte mit Platz für mindestens 1100 Menschen sollen im Logistik-Center des SRK in Waber BE verladen und dann in die Region geflogen werden.

Vor Ort wird der Palästinensische Rote Halbmond die Zelte an obdachlose Familien verteilen. Der Einsatz sei dringend, da Tausende von Häusern zerstört wurden, schrieb das SRK in einer Medienmitteilung.

Die Schulen und öffentlichen Gebäude seien mit Obdachlosen überfüllt, hiess es weiter. Für diese Hilfsaktion wendete das SRK 160 000 Franken auf.

Bereits vor zwei Wochen waren 200 000 Franken für medizinische Hilfe eingesetzt worden. Mit dem Geld wurden Medikamente und Verbandsstoff für die zivilen Verletzten in den Spitälern beschaffen.

Ein chirurgisches Team des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) stehe im Einsatz, hiess es in der Mitteilung. Zudem würden gegenwärtig die Schäden repartiert, die bei der Bombardierung des Spitals Al-Quds des Roten Halbmondes am 15. Januar entstanden sind. Dies sei notwendig, um die Pflege der 150 Patienten wieder zu gewährleisten, schrieb das SRK.

Deine Meinung