Geentertes Gaza-Schiff: Israelischen Offizieren wird der Prozess gemacht
Aktualisiert

Geentertes Gaza-SchiffIsraelischen Offizieren wird der Prozess gemacht

Neun Menschen wurden bei einem israelischen Angriff auf das Gaza-Hilfsschiff «Mavi Marmara» im Mai 2010 auf dem Mittelmeer getötet. Nun macht die Türkei den Militär-Verantwortlichen den Prozess.

Das Gaza-Hilfsschiff «Mavi Marmara» wurde am 31. Mai 2010 in internationalem Gewässer auf dem Mittelmeer von israelischen Soldaten geentert.

Das Gaza-Hilfsschiff «Mavi Marmara» wurde am 31. Mai 2010 in internationalem Gewässer auf dem Mittelmeer von israelischen Soldaten geentert.

Vor zweieinhalb Jahren sind bei einem israelischen Angriff auf das türkische Gaza-Hilfsschiff «Mavi Marmara» neun Menschen getötet worden. Am heutigen Dienstag beginnt in Istanbul die Gerichtsverhandlung gegen die mutmasslichen Befehlsgeber der israelischen Armee.

Der Prozess findet in Abwesenheit der Angeklagten statt. Geplant sind zunächst drei Verhandlungstage. Mehrere hundert Nebenkläger wollen teilnehmen, darunter Angehörige von Opfern des Angriffs. Unterstützt werden die Klagen von der islamischen Hilfsorganisation IHH, die das Schiff auf die Reise nach Gaza geschickt hatte.

Beschuldigte abwesend

Die Beschuldigten sind der israelische Ex-Generalstabschef Gavriel Ashkenazi und drei weitere hochrangige israelische Militärvertreter. Sie sollen nach dem Willen der Istanbuler Staatsanwaltschaft zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt werden.

Die Anklage wirft ihnen unter anderem Totschlag, Folter, Entführung, Plünderungen, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung vor. Einige hundert Anwälte wollen sich als Nebenklage-Vertreter vom Gericht registrieren lassen.

Da die Beschuldigten nicht vor Gericht erscheinen, hat das Verfahren vor allem symbolische Bedeutung. Sollten die Israelis verurteilt werden, müssten sie bei einer Einreise in die Türkei aber mit der Verhaftung rechnen.

Die IHH und andere Gruppen hatten im Mai 2010 eine Flottille mit Hilfsgütern Richtung Gaza-Streifen geschickt, um eine israelische Blockade zu unterlaufen. Israelische Soldaten enterten die «Mavi Marmara», das Flaggschiff der Flottille, am 31. Mai 2010 von Booten und Helikoptern aus.

Beziehungen verschlechtert

Auf Deck kam es zu Zusammenstössen zwischen Soldaten und Aktivisten. Neun Gaza-Helfer wurden erschossen. Nach der Schiesserei auf der «Mavi Marmara» verschlechterten sich die ohnehin angespannten türkisch-israelischen Beziehungen noch.

Ankara wies den israelischen Botschafter aus, beide Staaten warfen sich gegenseitig aggressives Verhalten vor: Die Türkei sprach von einem illegalen Angriff in internationalen Gewässern, Israel von einer Provokation einer gefährlichen islamistischen Organisation.

Die IHH unterhält unter anderem Beziehungen zur radikal- islamischen Hamas, die in Gaza regiert, doch weist die Gruppe den Islamismus-Vorwurf zurück. (sda)

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