13.08.2020 11:01

«Jeder in dieser Stadt ist schuldig»Israels Eishockey-Captain wechselt nach Auschwitz

Dieser Transfer sorgt für Aufsehen: Der Eishockey-Captain von Israel wechselt in die Stadt, in der das deutsche Konzentrationslager Auschwitz war.

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Eliezer Sherbatov wechselt nach Auschwitz. Für den Wechsel wird er kritisiert.

Eliezer Sherbatov wechselt nach Auschwitz. Für den Wechsel wird er kritisiert.

Foto: Instagram
Der Grund: Sein neuer Verein ist Unia Oświęcim. Und Oswiecim war während des Zweiten Weltkriegs der Standort für das deutsche Konzentrationslager Auschwitz.

Der Grund: Sein neuer Verein ist Unia Oświęcim. Und Oswiecim war während des Zweiten Weltkriegs der Standort für das deutsche Konzentrationslager Auschwitz.

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Der 28-Jährige verteidigt seinen Wechsel:  «Ich habe hier nicht unterschrieben, um ein Tourist zu sein.»

Der 28-Jährige verteidigt seinen Wechsel: «Ich habe hier nicht unterschrieben, um ein Tourist zu sein.»

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Darum gehts

  • Eliezer Sherbatov ist der Captain der israelischen Eishockey-Nationalmannschaft und sorgt mit einem ungewöhnlichen Wechsel für Schlagzeilen.
  • Er wechselt nach Auschwitz.
  • Sein neuer Verein und die Gedenkstätte verteidigen ihn.

Der Captain der israelischen Eishockey-Nationalmannschaft, Eliezer Sherbatov, verlässt den kasachischen Verein Ertis Pawlodar und schliesst sich der in der höchsten polnischen Liga spielenden Unia Oświęcim an.

Nicht speziell, da unbekannt, denken jetzt vielleicht viele. Doch dem ist nicht so. Denn: Die Stadt Oswiecim war während des Zweiten Weltkriegs der Standort für das deutsche Konzentrationslager Auschwitz. Das Lager also, in dem europäische Juden sowie andere Minderheiten industriell getötet wurden. Bis zu 1,5 Millionen Menschen fanden im nationalsozialistischen Vernichtungslager den Tod.

Und nun wechselt ein jüdischer Spieler dorthin. Der 1946 gegründete Club, der bisher zweimal den Cup und achtmal die Meisterschaft, zuletzt 2004, gewinnen konnte, verstärkt sich mit dem 28-jährigen Angreifer.

Verein und Gedenkstätte verteidigen ihn

Das Engagement stösst auf Kritik aus jüdischen Kreisen. So twitterte etwa der amerikanische Rabbi Elchanan Poupko: «Für einen Juden ist das Spielen für einen Club in Auschwitz Verrat und ein Messer in den Rücken von Millionen Menschen. Du bist ein talentierter Spieler. Konntest du kein anderes Team finden? Jedes deiner Tore wird der Stadt Ehre bringen, die sehen musste, wie unsere Schwester und Brüder in Rauch aus Kaminen aufstiegen. Jeder, der heute diese Stadt bewohnt, ist schuldig.»

Sherbatov will die Kritik aber nicht auf sich sitzen lassen und reagiert. «Ich habe hier nicht unterschrieben, um ein Tourist zu sein, sondern um zu zeigen, dass die Juden zurück sind. Stark wie noch nie», sagt er. «Wir erinnern und werden den Holocaust niemals vergessen. Ich möchte uns Hoffnung geben.»

Sowohl Sherbatovs Verein als auch die Gedenkstätte in Auschwitz-Birkenau stellen sich hinter den Spieler aus Israel: «Wir sind zutiefst traurig und berührt von den medialen Anschuldigungen gegen den israelischen Profi Eliezer Sherbatov, der seit kurzem zu unserer Mannschaft gehört», teilte der Club mit. Vor dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust habe in Oswiecim über 400 Jahre eine jüdische Gemeinde existiert – auch einen jüdischen Fussballverein habe es gegeben.

Die Gedenkstätte schrieb, die Geschichte von Auschwitz zeige die Gefahren von Stereotypen in der Wahrnehmung von anderen. Der Rabbiner zeige seine Wissenslücken oder ignoriere historische Fakten.

(nih, heute.at, dpa)

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