Verdeckte Operationen: Israels Geheimkrieg gegen Irans Atomprogramm

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Verdeckte OperationenIsraels Geheimkrieg gegen Irans Atomprogramm

Mit verdeckten Geheimdienst-Operationen will Israel angeblich das iranische Atomprogramm sabotieren. Dazu gehören der Einsatz von Doppelagenten, die Tötung von Schlüsselfiguren und Methoden wie aus einem Spionageroman.

von
Peter Blunschi

Die iranische Führung betont den friedlichen Zweck ihres Atomprogramms. In Israel aber ist man überzeugt, dass Teheran eine Atombombe bauen will. Immer wieder wird deshalb über einen israelischen Militärschlag spekuliert, um das «Horrorszenario» abzuwenden. Mit dem Amtsantritt der neuen US-Regierung ist diese Option unwahrscheinlich geworden. Präsident Obama will Verhandlungen mit dem Iran, weshalb hochrangige Israelis einräumen, dass Washington einem Luftangriff auf iranische Atomanlagen kaum zustimmen wird.

Deshalb will Israel angeblich einen anderen Weg verstärkt beschreiten, über den der «Daily Telegraph» berichtet: Verdeckte Geheimdienst-Operationen mit dem Ziel, das iranische Programm zu verlangsamen oder zu unterbrechen, «ohne dass die Verantwortlichen es bemerken», wie ein ehemaliger CIA-Führungsoffizier der britischen Zeitung erklärte: «Das Ziel ist verzögern, verzögern, verzögern, bis man eine andere Lösung oder einen anderen Zugang findet.» Damit lasse sich eine militärische Konfrontation vermeiden, die möglicherweise unakzeptable Risiken enthalte.

Forscher von Mossad getötet?

Die Methoden wirken wie aus einem billigen Spionageroman: Doppelagenten, Scheinfirmen, Sabotage. Und die Ermordung von Schlüsselfiguren. So steckt angeblich der Geheimdienst Mossad hinter dem Tod von Ardeshir Hassanpur, einem Nuklearforscher der Atomanlage Isfahan, der 2007 an einer «Gasvergiftung» gestorben sein soll. Auch andere Todesfälle sollen die Folge israelischer «Schläge» sein. «Israel hat nie gezögert, Waffenforscher in Diensten feindlicher Regimes umzubringen», sagte ein ungenannter europäischer Geheimdienstler: «Sie taten es im Irak, und sie werden es im Iran tun, wenn es nötig ist.»

Weitere Mossad-Aktivitäten umfassen die Zusammenarbeit mit europäischen Firmen, die legal im Iran tätig sind und Fotografien und anderes vertrauliches Material über iranische Nuklear- und Raketenanlagen beschaffen konnten. Ausserdem wurden «Scheinfirmen» gegründet, die dem Iran angeblich in Umgehung von UNO-Sanktionen Materialien für sein Atomprogramm lieferten. Diese seien anfangs echt gewesen, um das Vertrauen der Iraner zu gewinnen, so die «Telegraph»-Recherchen. Danach aber habe man fehlerhafte Ware geliefert, um die atomaren Aktivitäten zu behindern.

«Mit einigem Erfolg eingesetzt»

«Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, um das iranische Programm zu stören und zu schädigen, und sie wurden mit einigem Erfolg eingesetzt», bestätigte Yossi Melman, ein Journalist der israelischen Zeitung «Haaretz», der auf Geheimdienst-Themen spezialisiert ist. Ein weiterer Ansatz ist die Infiltrierung mit Doppelagenten. So hätten der Mossad und andere westliche Geheimdienste Informationen von prominenten Atomwissenschaftlern «gekauft». Dies habe etwa dazu geführt, dass der Iran eine geheime Anlage in der Nähe von Teheran zerstören musste, nachdem Israel die UNO-Inspektoren informiert habe.

Die iranische Regierung ist sich der Bedrohung bewusst. In letzter Zeit wurden mehrere angebliche Spione verhaftet, Ende November 2008 wurde zudem ein vermeintlicher israelischer Agent hingerichtet. Zudem äusserte Vince Canastraro, ehemaliger Leiter der Anti-Terror-Abteilung der CIA, gegenüber dem «Daily Telegraph» Zweifel am Erfolg der israelischen Aktivitäten: «Man kann aussenpolitische Ziele nicht mit verdeckten Operationen erreichen. Und man kann nicht ein paar Leute beseitigen und hoffen, damit Irans nukleare Möglichkeiten zu beeinträchtigen.»

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