Schweizer Aufschrei: Ist Aline Trede selber eine Sexistin?
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Schweizer AufschreiIst Aline Trede selber eine Sexistin?

Politikerin Aline Trede von den Grünen wirft Ex-Kollegen sexuelle Belästigung vor. Gemäss einem SVP-Kantonsrat ist sie aber nicht viel besser.

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bz
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«Würstchen gehören auf den Grill, starke Frauen in den Nationalrat»: Mit diesem Slogan warb Aline  Trede (dritte von links) 2015 mit Kathrin Bertschy (GLP) und Lea Kusano (SP) für einen grösseren Frauenanteil im Bundeshaus.

«Würstchen gehören auf den Grill, starke Frauen in den Nationalrat»: Mit diesem Slogan warb Aline Trede (dritte von links) 2015 mit Kathrin Bertschy (GLP) und Lea Kusano (SP) für einen grösseren Frauenanteil im Bundeshaus.

Isabelle Schönholzer
SVP-Kantonsrat Claudio Schmid: «Warum macht jemand ein solches Gstürm, der sich vor eineinhalb Jahren selbst verhauen hat?»

SVP-Kantonsrat Claudio Schmid: «Warum macht jemand ein solches Gstürm, der sich vor eineinhalb Jahren selbst verhauen hat?»

Keystone/Anthony Anex
Für SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hat sich Aline Trede mit dem Slogan selbst ein Ei gelegt.

Für SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hat sich Aline Trede mit dem Slogan selbst ein Ei gelegt.

Keystone/Peter Schneider

Im Zuge des «Schweizer Aufschreis» bezichtigte Grünen-Politikerin und Ex-Nationalrätin Aline Trede zwei ihrer ehemaligen Ratskollegen des Sexismus. Für SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hat sie sich damit selbst ein Ei gelegt – er hat im Zeitungsarchiv gewühlt. «Würstchen gehören auf den Grill, starke Frauen in den Nationalrat»: Mit diesem Slogan warb Trede 2015 mit Kathrin Bertschy (GLP) und Lea Kusano (SP) für einen grösseren Frauenanteil im Bundeshaus. Sebastian Frehner (SVP) fand den Slogan damals plump. «Lustig ist anders. Ich sage ja auch nicht: ‹Schnecken zur Vorspeise, Männer in den Nationalrat.›» Trede warf ihm deshalb vor, «prüde» zu sein.

Auf Twitter teilte Schmid den Beitrag unter dem Hashtag #OMG («Oh my god»). «Warum macht jemand ein solches Gstürm, der sich vor eineinhalb Jahren selbst verhauen hat?», sagt er auf Anfrage. Eins auswischen wolle er Trede mit dem Post nicht. «Ich will ihr nur den Spiegel vorhalten.» Die Sexismusdebatte interessiere ihn auch nicht: «Die ganze Diskussion ist völlig übertrieben.»

«Eine persönliche Attacke ist verletzender»

Aline Trede will sich dazu nicht äussern. Christa Binswanger, Geschlechterforscherin an der Universität St. Gallen, sagt, sie sei vom Wortlaut des Slogans nicht begeistert. «Ein Würstchen assoziiert ein männliches Glied, das ist sexistisch.» Sie rät von sexistischen Witzen ab: «Die sind in den allermeisten Fällen nicht konstruktiv.»

Dennoch verteidigt sie die Politikerin. «Eine persönliche Attacke auf Frau Trede ist verletzender als eine öffentliche Kampagne.» Generell seien sexistische Witze von Männern über Frauen heute noch weit verbreitet. Mit dem Slogan hätten die Politikerinnen lediglich einen gesellschaftlichen Mechanismus gedreht. «Das macht Frau Trede nicht zu einer Sexistin im Stile ihrer ehemaligen männlichen Ratskollegen.»

Auf Telebärn behauptete Aline Trede, der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät habe sie sexuell belästigt. Während einer Veranstaltung habe sie plötzlich die Hand des Stapis auf ihrem Knie gespürt. Auch Andreas Aebi bleibt nicht verschont. Dem SVP-Nationalrat und Landwirt wirft Trede vor, sie wegen ihres Beckens mit einer Kuh aus seinem Stall verglichen zu haben.

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