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Essen in GesellschaftIst Appetit ansteckend?

Wie beeinflusst die soziale Situation unser Essverhalten? 20 Minuten hat mit der Sozialpsychologin Margit E. Oswald über dieses Thema gesprochen.

von
Lena Berger

Allein zu essen – das finden viele Menschen unangenehm. Führt das dazu, dass man mehr isst?

Margit Oswald: Allein essen bringt den Vorteil, dass man genauer merkt, wenn man satt ist; dementsprechend nimmt man im Allgemeinen normale Portionen zu sich.

Was ändert sich, wenn wir vor dem Fernseher essen?

Margit Oswald: Studien haben gezeigt, dass die Nahrungsaufnahme um ungefähr 14 Prozent erhöht wird, wenn wir vom Fernseher abgelenkt werden – wir achten dann zu wenig auf die Sättigungshinweise.

Ist Appetit ansteckend, so dass wir mehr essen, wenn wir in Gesellschaft sind?

Margit Oswald: Bei einem Essen mit Freunden trifft das zu – besonders wenn diese ebenfalls gut essen und wenn es sich um gleichgeschlechtliche Personen handelt. Dann isst man rund 18 Prozent mehr, als wenn man allein wäre. Diesen Effekt, dass man bei einfachen Tätigkeiten durch die blosse Anwesenheit anderer bessere Leistungen (in diesem Fall höheren Esskonsum) erbringt, nennt man auch Social Facilitation.

Und wenn wir zusammen mit Fremden essen?

Margit Oswald: Dann sieht es wieder anders aus: Besonders Frauen essen weniger und kontrollierter in Anwesenheit fremder Personen. Hier scheint das Motiv zu dominieren, dass man einen guten Eindruck hinterlassen möchte.

Zur Person:

Dr. Margit E. Oswald studierte an der Universität Mannheim und arbeitet seit 1996 als Professorin in Bern. 1999 begründete sie die erste Professur für «Sozialpsychologie und Rechtspsychologie» in der Schweiz. Einer

ihrer Forschungsschwerpunkte befasst sich mit den Fehlern der menschlichen Informationsverarbeitung.

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