Vereinssportstatistik: Ist Basler Tennis-Boom etwa nur ein Schwindel?
Publiziert

VereinssportstatistikIst Basler Tennis-Boom etwa nur ein Schwindel?

Glaubt man der Vereinssportstatistik, können sich Basler Tennisclubs vor Anmeldungen kaum retten. Nur: Die Zahlen stimmen nicht. Erschleichen sich die Klubs zu viel Subventionen?

von
lha
1 / 7
Die Basler Vereinssportstatistik fördert einen Tennis-Boom im Stadtkanton zutage. (Symbolbild)

Die Basler Vereinssportstatistik fördert einen Tennis-Boom im Stadtkanton zutage. (Symbolbild)

Colourbox
Über allem steht Fussball, aber Tennis ist rasant am aufholen, während Judo in den letzten zehn Jahren das grösste Minus verkraften musste.

Über allem steht Fussball, aber Tennis ist rasant am aufholen, während Judo in den letzten zehn Jahren das grösste Minus verkraften musste.

Statistisches Amt Basel
Geschlechterspezifisch sind die Trends allerdings verschieden. Die Wortwolke zeigt, dass Fussball nach wie vor ein Jungs-Ding ist, während sich Mädchen sehr fürs Turnen begeistern.

Geschlechterspezifisch sind die Trends allerdings verschieden. Die Wortwolke zeigt, dass Fussball nach wie vor ein Jungs-Ding ist, während sich Mädchen sehr fürs Turnen begeistern.

Statistisches Amt Basel

Rund 30'000 Basler sind als Aktivmitglieder in Sportvereinen gemeldet. Das Statistische Amt Basel-Stadt hat untersucht, wie sich die Mitgliederzahlen der zehn beliebtesten Vereinssportarten in den letzten zehn Jahren entwickelt haben. Das Ergebnis: In Basel boomt Tennis. Keine Sportart hat laut Statistik in diesem Zeitraum stärker zulegen können. Spielten 2006 rund 2500 Basler Tennis, waren es 2015 knapp über 4000. Nach dem Fussball ist der Filzball nun klare Nummer Zwei in der Statistik.

Die Vermutung liegt nahe, dass so etwas wie der Roger-Federer-Effekt diesen Boom befeuert hat: Eine starke Identifikationsfigur mit lokalem Bezug kann das Interesse am Sport steigern. Nur: Es gibt diesen Effekt in der Region nicht, ebensowenig wie einen Tennis-Boom.

Offizielle Zahlen erzählen nicht die Wahrheit

«Diese Zahlen überraschen mich», sagt Peter von Dach, Präsident des Verbands Tennis Region Basel. «Wir haben seit 2006 eine leichte Abnahme von Mitgliedern zu verzeichnen.» In Basel-Stadt sei auch die Zahl der Vereine von 21 auf aktuell noch 14 geschrumpft. Der Mitgliederschwund dürfte aber nicht so drastisch sein. In der Region sind aktuell rund 11'800 Spieler in Tennisclubs aktiv, 2006 waren es 12'500. Allerdings waren beim Verband keine Zahlen für Basel-Stadt alleine erhältlich.

Wie erklärt das Statistische Amt den angeblichen Tennis-Boom? «Es ist sehr schwierig mit der Datenlage», erklärt Statistikerin Nana Mittelmaier. Das Amt stütze sich bei seiner Erhebung auf die Daten des Dachverbands Sport Basel. «Das sind die einzigen offiziellen Zahlen, die uns zugänglich sind.» Auch das Sportamt nutzt zur Berechnung der Zuschüsse an die Vereine diese Zahlen. Die sind aber nicht zuverlässig: Es seien nicht alle Vereine enthalten und diese würden unterschiedlich melden.

Optimieren Vereine ihre Einnahmen?

Die Vermutung liegt nahe, dass die Vereine dem Dachverband Sport frisierte Mitgliederzahlen liefern, um mehr Geld aus dem Swisslos-Sportfonds zu erhalten. «Wir können das nicht bis zum Grund kontrollieren», sagt Peter Howald, Leiter des Basler Sportamts. Pro Kopf zahlt der Fonds jährlich fünf Franken aus, wovon zwei Franken dem jeweiligen Verband zugute kommen. Wahnsinnig hoch ist das Ertragspotential für Klubs mit fiktiven Mitgliedern also nicht.

Er könne aber nicht ausschliessen, dass da optimiert werde, sagt Howald: «Wir sind darauf angewiesen, dass die Vereine korrekte Angaben machen.» Eine verschärfte Kontrolle gebe es nur beim Juniorenbonus. Hier verlangt das Sportamt eine Adressliste, um sicherzustellen, dass nur Jungsportler aus dem Kanton Basel-Stadt begünstigt werden.

Deine Meinung