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Neue StudieIst Cannabis etwa doch ein Spermien-Booster?

Bislang hiess es, Marihuana wirke sich negativ auf die männliche Fruchtbarkeit aus. US-Forscher kommen nun aber zu einem ganz anderen Ergebnis.

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Bisher hiess es: Kiffen ist bei Kinderwunsch eher kontraproduktiv, wie Forscher der University of Sheffield nachgewiesen haben. Ihrer Studie zufolge werden die Spermien durch das Rauchen von Cannabis kleiner und entwickeln mehr Fehlbildungen. (Im Bild: Promi-Kiffer Snoop Dogg)

Bisher hiess es: Kiffen ist bei Kinderwunsch eher kontraproduktiv, wie Forscher der University of Sheffield nachgewiesen haben. Ihrer Studie zufolge werden die Spermien durch das Rauchen von Cannabis kleiner und entwickeln mehr Fehlbildungen. (Im Bild: Promi-Kiffer Snoop Dogg)

epa/Ferdy Damman
Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen nun Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston. Laut ihnen haben Männer, die gelegentlich Marihuana rauchen oder dies früher einmal getan haben, eine erhöhte Spermienkonzentration.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen nun Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston. Laut ihnen haben Männer, die gelegentlich Marihuana rauchen oder dies früher einmal getan haben, eine erhöhte Spermienkonzentration.

iStock/Chabybucko
Während sie 63 Millionen Spermien pro Milliliter Samen aufwiesen, waren es bei den Marihuana-Jungfrauen im Schnitt 45 Millionen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie aktuell kifften oder mittlerweile davon absahen.

Während sie 63 Millionen Spermien pro Milliliter Samen aufwiesen, waren es bei den Marihuana-Jungfrauen im Schnitt 45 Millionen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie aktuell kifften oder mittlerweile davon absahen.

iStock/Magmos

Männer mit Kinderwunsch sollten besser vom Kiffen absehen. So lautete die Empfehlung von Forschern bislang. Dies weil frühere Studien darauf hindeuteten, dass der Konsum von Cannabis die männliche Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen scheint, indem er die Qualität der Samen mindert.

Allerdings basierte diese Untersuchung auf den Daten von Männern, die besonders viel kifften und auch sonst zu Drogenkonsum neigten. Bei Männern, die nur hin und wieder einen Joint rauchen, ist das Ergebnis ein völlig anderes. Das berichten Forscher der Harvard T.H. Chan School of Public Health im Fachjournal «Human Reproduction».

Samenproben und Selbstauskünfte

Das Team um Feiby Nassan hatte für seine Arbeit die Daten von 662 Männern mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren ausgewertet – darunter Samenproben. In einem Fragebogen gaben die Probanden zudem Auskunft zu ihrem aktuellen oder früheren Cannabiskonsum.

Demnach hatten 297 Teilnehmer (45 Prozent) keine Erfahrungen mit Marihuana, die restlichen 365 (55 Prozent) gaben an, es gelegentlich konsumiert zu haben. Elf Prozent von diesen kiffte laut eigenen Angaben nach wie vor.

Deutlich höhere Spermienkonzentration

Das Ergebnis: Die Männer mit Cannabiserfahrungen besassen eine deutlich höhere Spermienkonzentration als diejenigen ohne. Während sie 63 Millionen Spermien pro Milliliter Samen aufwiesen, waren es bei den Marihuana-Jungfrauen im Schnitt 45 Millionen. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie aktuell kifften oder mittlerweile davon absahen.

Weiter stellte das Team um Nassan fest, dass Männern mit Cannabiserfahrung einen leicht erhöhten Testosteronspiegel hatten.

Kein vorschnelles Interpretieren

«Die Ergebnisse widersprachen unserer ursprünglichen Annahme», so Nassan in einer Mitteilung der Hochschule. Dennoch gebe es eine plausible Erklärung dafür. So sei es möglich, dass ein moderater Cannabiskonsum die Produktion der Spermien nachhaltig fördere, während ein höherer Konsum diesen wieder zunichtemache.

Trotzdem raten die Forscher davon ab, die Ergebnisse vorschnell zu interpretieren: Es sei noch nicht klar, was Ursache und was Wirkung sei. So sei auch möglich, dass Männer mit höheren Testosteronspiegeln einfach risikobereiter seien und darum eher zu Cannabiskonsum neigten. «Somit wäre der Zusammenhang zwischen Marihuana, Spermienkonzentration und Testosteronspiegel auf die Wirkung des Hormons als Grundlage zurückzuführen», so Nassans Kollege Jorge Chavarro. Auf jeden Fall seien weitere Studien nötig, um den Zusammenhang genauer zu untersuchen.

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Frauen, die täglich kiffen, gaben in einer Studie der Universität Stanford  an, in den vergangenen vier Wochen im Schnitt 7,1-mal Sex gehabt zu haben. Bei abstinenten Frauen lag dieser Wert bei 6,0. Bei Männern betrug der Wert bei Kiffern 6,9, bei Abstinenten bei 5,6.

Frauen, die täglich kiffen, gaben in einer Studie der Universität Stanford an, in den vergangenen vier Wochen im Schnitt 7,1-mal Sex gehabt zu haben. Bei abstinenten Frauen lag dieser Wert bei 6,0. Bei Männern betrug der Wert bei Kiffern 6,9, bei Abstinenten bei 5,6.

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Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die Studie kein Beleg dafür sei, dass Marihuanakonsum zu vermehrter sexueller Aktivität führe. Sie zeige jedoch, dass regelmässiges Kiffen das sexuelle Können oder Verlangen nicht beeinträchtige.

Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die Studie kein Beleg dafür sei, dass Marihuanakonsum zu vermehrter sexueller Aktivität führe. Sie zeige jedoch, dass regelmässiges Kiffen das sexuelle Können oder Verlangen nicht beeinträchtige.

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Die Untersuchung sagt aber nichts über die Qualität des Geschlechtsverkehrs aus. Eine frühere Studie war jedoch der Frage nachgegangen, was schöner ist: Sex unter Cannabis- oder unter Alkoholeinfluss?

Die Untersuchung sagt aber nichts über die Qualität des Geschlechtsverkehrs aus. Eine frühere Studie war jedoch der Frage nachgegangen, was schöner ist: Sex unter Cannabis- oder unter Alkoholeinfluss?

Colourbox.com/Dmitri Maruta

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